Aufsatz 
Das römische Mainz
Entstehung
Einzelbild herunterladen

21

schaft strebten, von eifersüchtigen Kaisern versetzt, oder von grausamen getödtet. Sein Gehalt war 200,000 sestert.(zu 6 kr. etwa).

Die Zeit, wie lange ein solcher Legat am Rheine commandirte, war natürlich nicht bestimmt and hing von manchen Zufälligkeiten ab. Im Ganzen scheint man eben wegen der Wichtigkeit der Stelle nicht gerne lange solche hohe Würde in einer Person gelassen zu haben. Es haben daher in den 450 Jahren, in welchen unser Land den Römern unterworfen war, wohl sehr viele Legaten am Rheine gestanden. Doch sind uns nur die wenigsten bekannt; die Schriftsteller, namentlich nach Tacitus, gedenken ihrer fast nur gelegentlich; den Inschriften verdanken wir auch manche Namen, allein nicht immer wissen wir die Zeit, wann die Einzelnen dahier befeh- ligten. Wir wollen im Folgenden versuchen, die Statthalter Obergermaniens und was wir von ihnen wissen, in Kürze zusammenazustellen ⁹⁷).

17. Vor der Erbauung des hiesigen castrum wissen wir eigentlich Nichts über unsere Stadt. Ehe die Kriege mit Deutschland begannen, scheinen weder viele Truppen am Rheine gewesen zu sein, noch ein besonderer Commandant von höherem Range dahier gestanden zu haben. Und als der Kampf entstand, geschahen die Einfälle der Römer in Deutschland Anfangs mehr vom Unter- rhein aus, als vom Oberrhein. Dort war auch wahrscheinlich aus Cæsar's Zeit ein altes Lager der Römer, castra vetera(NXanten).

Nero Claudius Drusus, Stiefsohn des Kaisers Augustus, hatte eben mit seinem Bruder Tibe- rius die Vindelicier und Rätier(zwischen den Alpen und der Donau), unterworfen, als deutsche Stämme am rechten Ufer des Niederrheins, die Sigambri, Usipetes und Tenchteri, in die römische Provinz des Niederrheins einfielen, plünderten, den Legaten Galliens Marcus Lollius, der sich ihnen entgegenstellte, schlugen und den Adler der V. Legion davontrugen. Da eilte Augustus an den Niederrhein, wo die Deutschen sich bereits zurückgezogen hatten. Und nun übertrug er dem erwähnten Drusus den Krieg gegen die Deutschen(15 vor Chr.). Hiermit beginnt der Kampf zwischen Rom und Deutschland, welcher ohne grosse Unterbrechung fast 500 Jahre dauerte und mit der Zerstörung des römischen Reiches durch die Deutschen endigte. Drusus sah sogleich ein, dass ohne kräftigen Schutz am Rhein die Einfälle der Deutschen nicht unterbleiben würden. Daher baute er am linken Ufer des Rheins und in der Nühe 50 Kastelle, darunter das Mainzer castrum. Und nun würe es allerdings nicht unpassend, die Biographie des Erbauers unserer Festung hier anzufügen, allein aus Mangel an Raum unterlassen wir es und würden nichts Weiteres anmerken, wenn nicht die ältesten Denkmäler dahier und am Rhein aus Drusus' Zeit stammten und auf ihn bezüglich wären.

Das Schwert des Tiberius, dahier gefunden os) im Jahre 1848(und nun im brittischen Mu- seum), eine Erinnerung an den Sieg der beiden Brüder, namentlich des Tiberius über die Vin- delicier, ist genau genommen nicht gerade ein Denkmal an Drusus, muss aber hier als das älteste inschriftliche Denkmal des ganzen Rheines erwähnt werden, wobei wir bedauern, es hier nicht ausführlich beschreiben zu können.

97) Fuchs hat, in seiner Geschichte von Mainz die hiesigen Legaten bis 198 angegeben, und bei vielen Mängeln manches Gute geleistet. Zumpt, stud. roman. p. 130, hat sie bis zum J. 70 aufgestellt. Stälin, Wirtemb. Gesch. I. S. 86 ff., und Wyss, Ueber das röm. Helvetien, Zürich. Archiv(1851), S. 53 ff., gehen zwar weiter als Zumpt, aber keine Zusammenstellung ist vollständig und genau. Die Letzteren haben die Arbeiten von Fuchs nicht gekannt. Weitere Verzeichnisse kenne ich nicht.

98) Am Neuthor, wie es damals hiess. Der Eigenthümer, Antiquar Gold, behauptete stets, es in der Rheinallee gefunden zu haben, an demselben Ort, wo später Vieles ausgegraben wurde. Dieses Denkmal hätte in Mainz bleiben sollen; aber der Eigenthümer forderte dem Vereine 10,000 fl., und so kam es

nach manchem Schicksal nach London. Eine ausführliche Beschreibung siehe Abbildungen von Mainzer Alter- thümern, II.