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14. Lehne, zu dessen Ausgrabungen wir jetzt kommen, schreibt über dieselben Folgendes ⁸⁰): „Nach meinem Wunsche, der Stadt Mainz eine Sammlung der noch in ihrem klassischen Boden verborgenen Schätze des Alterthums zu verschaffen, die so lange nur zur Bereicherung fremder Museen entführt wurden, suchte ich mich für's erste nach dem Laufe der römischen Heerstrassen zu orientiren und nahm besondere Rücksicht auf Orte, wo sie an einem Abhange vorüberliefen, weil es hier wahrscheinlich war, dass die höhere Erde durch Anbau und Regen die an ihrer Seite liegenden Grabsteine überdeckt haben könne. An der Zahlbacher Höhe zeigten sich noch deut- liche Spuren des Strassenbaues in den senkrechten Abschnitten des Bodens. Da auch Fuchs in dieser Gegend mehrere Steine gefunden hatte, so fing ich an daselbst graben zu lassen und ent- deckte neun umgestürzte Grabsteine, wovon die meisten zerbrochen waren, oder den Transport wegen der Zerbrechlichkeit ihrer Steinart nicht aushielten; die noch erhaltenen liess ich in die Stadtbibliothek bringen, wo sie nicht gehörig bewacht und aus dem Hofe entwendet wurden. Als aber der Regen an dem Orte, wo ich hatte graben lassen, die Erde herabflösste, zeigte sich ein noch stehender Grabstein, und es gelang mir, den Präfecten Jean Bon St. Andrée zu bewegen, die Stadtbehörde zur ferneren Nachforschung zu bevollmächtigen. Dadurch kam eine ganze Reihe von etwa 50 römischen Steinen zu Tage“ u. s. w. Nüheres gibt Lehne nirgends an; aber jedem Zahlbacher Steine schreibt er das Jahr der Auffindung bei, und wenn man die oben erwähnten abzieht, so fand Lehne bei Zahlbach im Jahre 1804 neununddreissig und im Jahre 1806 neunzehn Grabsteine. Von diesen 58 meist ganzen Grabsteinen sind fünf nicht mehr vorhanden; denn einzelne gingen beim Transportiren zu Grunde, einer wurde entwendet, wie schon erwähnt. Dreizehn stellte Lehne unter den Bäumen bei Zahlbach aufs:), und die übrigen vierzig brachte er in das Museum, wo sie noch sind. ss) Mit der Veröffentlichung der Inschriften eilte Lehne gar nicht; nur einzelne machte er gelegentlich bekannt. Er bearbeitete„die römischen Alterthümer der Gauen des Donnersbergs,“ welche erst nach seinem im Jahre 1836 erfolgten Tode Dr. Külb im Jahre 1837 herausgab, so dass manche der vor 30 Jahren gefundenen Inschriften erst in die- sem Jahre bekannt gemacht wurden.
Lehne setzte im Jahre 1807 seine Ausgrabungen nicht weiter fort; wahrscheinlich bewilligte die Stadt nicht mehr die Kosten; und so wurden während der ganzen französischen Zeit keine Alterthümer gesucht, keine gefunden, oder nur gelegentlich, im Ganzen acht bis zum Jahre 1813 s).
Auch in den nächsten zwanzig Jahren wurden geringe Funde gemacht; z. B. im Jahre 1819 der berühmte Baustein der leg. XXII in einem Brückenpfeiler des Rheines ²⁶); im Jahre 1821 der einzige Granitstein unseres Museums in der jetzigen Neuen Anlage; im Jahre 1825 ein lapis honorarius auf der Gaugasse; im Jahre 1829 ein Grabstein in der Kreuzschanze und einige
Universität, alle Fundstücke ihr abzuliefern, indem sie für die Münzen den doppelten oder auch dreifachen Werth, für Urnen, Vasen, Steine u. s. w. einen raisonablen Preis und bei merkwürdigen Dingen eine besondere Prämie entrichten wolle. S. Mainz. Zeit. 1795, Nro. 79 vom 16. Mai.
86) Nr. 138. Weitere Nachrichten habe ich noch nicht auffinden können.
87) Sie stehen seit 1866 im Hofe des Eisernen Thurmes.
88) Nicht ganz richtig heisst es in Bonn. Jahrb. III., S. 176:«Lehne habe nicht weniger als 140 meistens neu zu Tage geförderte Mainzer Inschriften.-
89) Nämlich L. 28, 40, 44, 58, 70, 111, 121, 342. In Kastel wurden bei dem Festungsbau in den Jahren 1803 bis 1811 zwölf zum Theil sehr werthvolle Inschriften gefunden, von denen einige im Museum stehen.
90) Weitzel, Rheinreise(1825), S. 88, sagt:«es sei vor einiger Zeit im Rhein ein Stein mit L. XI. gefun- den worden-», den er spöttisch für lapis 11 ansieht; darauf schrieb Weber, Deutschland(1826), VI., S. 355: Man soll im Rhein auch einen Stein gefunden haben mit L. XI., die Gelehrten machten daraus eine eilfte Legion; ein ungelehrter Steinmetz aber, der jedoch wusste, dass Stein lapis heisst, war der Meinung, es könne auch der eilfte Stein heissen. Der deutsche Barbar hatte keine Idee von dem hohen Werthe der Antiquitäten und grosser antiquarischen Forschungen.“ Hier steht XI. statt XXII.


