II.
10. Was die Zahl der bisher aufgefundenen Schätze aus Römerzeit betrifft, so kann hier nur Einiges annähernd gesagt werden..
Grössere Inschriften von Stein auf Altären, Ehrendenkmälern, Grabsteinen, Särgen, Cen- turiensteinen, Meilensteinen u. a., sind seit 1517 in Mainz, wozu ich ausser der Stadt das castrum, den Begräbnissplatz der Soldaten bei Zahlbach und die nächsten Felder(nicht aber Kastel) rechne, im Ganzen etwa 330 bekannt geworden 54), von denen über 70 Fragmente sind. Die kleineren Inschriften auf Stein, Metall, Knochen, Leder u. s. w. sind zahllos; es sind dies entweder Geräthschaften aller Art, Schmucksachen, Töpfe mit den Namen der figuli, deren 300 hier bekannt sindss), Ziegeln(laterculi), die man, einzeln gerechnet, nicht geringer anschlagen kann 56), Bausteine u. a. werden die Zahl 700 erreichen. Also sind mehr als 1000 Inschriften aus der Römerzeit bisher dahier bekannt geworden.
Ohne Inschriften sind vorerst grössere Steine mit Sculpturen, Altäre, Statuen, Denkmäler, Architecturstücke mit Verzierungen u. a. nicht wenige dahier ausgegraben worden, aber die meisten sind abhanden gekommen, zerschlagen, vermauert, nach Aussen verschleppt worden; übrig wer- den noch sein etwa 50, mehr als noch einmal so viele sind nicht mehr vorhanden.
Kleinere Sachen ohne Inschriften, wie Geräthe, Waffen, Schmucksachen, Töpfe und Back- steine ohne Namen u. a. m. werden immer noch in zahlloser Menge dahier gefunden, sind aber von jeher vielfach nach Aussen verbracht worden. Ihre Anzahl wage ich daher nicht zu bestimmen.
Der bisher aufgefundenen Münzen zu gedenken ist hier gar nicht der Ort ⁵⁷).
Indem ich die kleineren Sachen, mit und ohne Inschriften, hier ausser Acht lasse, sei Einiges über die grösseren bemerkt. Von den 330 Inschriften sind nach dem genauen Fundorte 80 im castrum oder dessen nächster Nähe, 75 in der Stadt, 45 in der Umgegend oder an unbekannter Stelle und 130 in Zahlbach bekannt geworden. Von diesen sind 120 nicht mehr vorhanden.
Die Inschriften sind ihrem Inhalte nach, wie überall, Altäre 90; Ehrendenkmäler sehr wenige; Centuriensteine 12, darunter zwei Fragmente; Meilensteine und Siegel von Augenärzten einige; Grabsteine und Särge 190, unbestimmten Inhalts 20— 30. Nicht wenige Altäre und Grabsteine mit Inschriften zeigen auch bildliche Darstellungen, wie Figuren, namentlich Götter, Soldaten, Scenen aus dem Leben und andere Verzierungen, die zwar meistens weder schön noch fein genannt werden können, aber oft wegen ihrer Darstellungen interessant und lehrreich sind.
Noch sei bemerkt, dass Grabsteine eigentlich nur an zwei Plätzen dahier gefunden werden, entweder bei Zahlbach, wo der Begräbnissplatz der Soldaten war, oder vor dem Neuthor am Albansberg, wo die bürgerlichen Begräbnisse waren 5s). Einzelne kommen auch im Felde vor.
54) Aehnlich Steiner, cod. insc. V. S. 1. Brambach hat mit den Nachträgen über 350; er hat aber mehrere Ziegeln, Schmucksachen und einige, welche nach Kastel gehören, hierher gerechnet.
55) Von den Töpfen im Museum sind viele, welche nicht hier gefunden wurden; dagegen sind weit mehr hiesige Töpfe mit Namen nach Aussen verbracht worden. Doch mögen auch manche, welche Mainz als Fundort zeigen, nicht gerade hier ausgegraben sein.
56) Diese Zahl ist eher zu gering. Oefters sind sehr viele laterculi mit dem Stempel derselben Legion gefunden, aber nur die erhalten worden, welche in den Buchstaben oder den Figuren sich auszeichneten.
57) Fuchs, Einleitung, I. B. III. 5, sagt:«Vom Jahr 1500— 1770 sind mehr als eine Million römische Münzen in der Umgegend von anderthalb Stunden gefunden worden,“ und noch immer werden deren gefunden. Das Museum besitzt viele Münzen, ohne dass überall der nähere Fundort bekannt ist..
58) Dort stehen noch römische Särge im Boden; sie wurden von den Mönchen zu ihren Begräbnissen gebraucht. Ueber die Ausgrabungen des Vereins daselbst im J. 1844, s. Zeitsch. I. S. 118.


