Aufsatz 
Das römische Mainz
Entstehung
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Vom Theaterplatz aufwärts in der Ludwigsstrasse bis an den Thiermarkt fand man beim Kanalbau seit 1829 und sonst überall bald Reste von Mauern und Mosaik, bald Hausgeräthe mancherlei Art. Ein Altar stand noch an ursprünglicher Stelle(1618 Fuss tief) oben, nicht weit von dem Thiermarkt ⁴⁸).

Am Thiermarkt selbst wurden an mehreren Stellen Mauern und Alterthümer oft schon ent- deckt. Schon im Jahre 1778, als das Eckhaus am Schönborner Hof gebaut wurde, fand man 12 Fuss tief altes Pflaster und Reste einer Holzwand(letztere vielleicht aus späterer Zeit); im Garten des nämlichen Hofes wurden 1863 Reste eines Fussbodens mit Mosaik, Ziegeln der leg. XXII und XIIII u. a. m. entdeckt. Gerade gegenüber, im ehemaligen Postgebäude, wurden im Jahre 1845 Böden mit vielen Ziegeln, mit und ohne den Stempel der XXII. Legion, und anderes Mauerwerk zu Tage gelegt. Auch noch später gab es dort manche Funde ⁴⁹).

Auf dem Thiermarkt selbst kein Fund, denn er war ein freier Platz; doch fand man dort schon schwarze Erde mit Ziegeln, auch römischen, untermischt, und am Fusse der Gaugasse im Jahre 1829 Spuren eines verbrannten Gebäudes mit Kohlen u. s. w. Diese letzteren Auffindungen beweisen, dass der Rhein nicht über den Thiermarkt geflossen sein kann.

Gleiches bezeugen die neuesten Auffindungen in der vordern Präsensgasse, also an der Insel, welchen Namen man von jener Umfliessung irriger Weise herleiten will indem hier(Nr. 12) im Jahre 1868 starke Mauern mit Ziegeln der leg. XXII 1618 Fuss unter dem Boden gefun- den wurden ⁵⁴.

In diesem Jahr fand man im Eckhaus der Welschnonnen- und Pfandhausstrasse, 12 Fuss tief einen zum Theil erhaltenen Mosaikboden.

Im Jahre 1834 ebenfalls Ueberreste von einem Mosaikboden 18 Fuss tief in der Stadthaus- strasse ³¹); weiterhin am Mitternachtsplatz im Jahre 1837 ausgedehnte Mauerwerke mit Estrich,- dern, Alterthümern, durunter ein Altar, nicht weit davon im Jahre 1861 einige Grabsteiue*).

Auch gegen die Anhöhe hin, bis zur östlichen Seite des castrum, findet man viele Baureste, so im Jahre 1868 in der Pfaffengasse an zwei verschiedenen Stellen(Nr. 9 u. 14); kurz,in der Nähe des Stephansberges wird nicht leicht ein Gebäude aufgeführt, wo man nicht auf Spuren von Häusertrümmern und Fundamenten stiesse ³*)ö. U. s. w.

Wenn ich hier noch anfügen wollte, wo immer in der Stadt wenige Trümmer, einzelne Steine, Ziegeln, Münzen, kleinere Alterthümer jeglicher Art aufgefunden wurden, so könnte ich kaum ein Ende finden; denn es gibt fast keine Strasse, es wird kein Bau errichtet, wobei nicht immer noch römische Sachen entdeckt werden. Und schon mehrere hundert Jahre ist Mainz eine Fundgrube römischer Alterthümer. Kleinere Sachen entkamen gewöhnlich aus der Stadt, und kein Museum in Deutschland und anderwärts wird sein, ohne Mainzer Alterthümer unter seine werthvollsten Gegenstände zu zühlen; auch schwere Steine mit Inschriften und Sculpturen wurden oft nach Aussen verbracht, so dass jetzt noch die Museen von Bonn, Darmstadt, Frankfurt, Kassel, Mannheim, Wiesbaden, Wien u. s. w. Inschriften aus Mainz oder Umgegend besitzen.

48) Braun, a a O. 2, S. 243; Schaab, a a. O. I. S. 9. Den Altar s. Zeitsch. I 12.

49) So 1854 die Statuette eines Kriegers(Mars?), 3 ¹¼ Zoll hoch, von Silber(im Besitze des Herrn Bau- meisters Britz). Vgl. Period. Blätter 1854, S. 159, und 1857, S. 381.

50) Z. III 211.

51) Schaab, I. S. 127. Heinrich König dahier bildete aus den Mosaiksteinen von da und anderwürts einen Obelisk von 7 Fuss Höhe, den er 1839 dem Museum schenkte.

52) Schaab, a. a. O. I S. 127; Zeitschr. II 162 4. Da eine ara und Grabsteine ziemlich nahe bei einander gefunden wurden, so werden beide ursprünglich hier nicht aufgestellt gewesen sein; wahrscheiulich sind die Grabsteine anderswo her gekommen

53) Schaab, a. a. O. I. S. 130; Lehne, III. S. 120.