Aufsatz 
Das römische Mainz
Entstehung
Einzelbild herunterladen

9

immerhin in unvordenklicher Zeit, vielleicht auch noch als der keltische Ort am Bocksthor lag, ein Sumpf auf dem Thiermarkt gewesen sein, herrührend von uralten Ueberschwemmungen, oder, was mir wahrscheinlicher dünkt, von der Zeibach, die noch vor einigen hundert Jahren bis an die Umbach floss, welcher Theil der Stadt jener Stelle nahe liegt, oder später als Ausfluss von der römischen Wasserleitung, die bekanntlich am Fusse der Gaugasse, d. h. nicht fern von jenem Moor- grund, ihren Ausgang hatte; ein Rheinarm ist dort nicht geflossen, was namentlich für die Römer- zeit die Grundmauern beweisen, welche dicht bei jenem Sumpfe aufgefunden worden sind, so wie an vielen Stellen, wo jener Rheinarm hingesetzt wird, römische Mauern, Altäre u. a. m., hier und da auf ursprünglicher Stelle ausgegraben wurden.

8. Wie im castrum, so hat Lehne auch in der Stadt Altäre eingesetzt; von ihnen gilt, was ich oben beim castrum sagte ³⁴).

Von drei Altären des Jupiter und der Juno setzt er zwei an das Bocksthor, wo im Jahr 1688 zwei längst verlorene Altäre ausgegraben wurden, von denen aber der eine nicht auch der Juno, sondern dem genius loci geweiht war; sie sind in den Jahren 185 und 198 gesetzt s).

Den dritten Altar des Jupiter und der Juno stellt er fast in die Mitte zwischen den Mars- tempel am castrum und den Altären am Bocksthor, also in die Weinberge unterhalb der Cita- delle. Er wird hierbei nicht denken an die kleine Inschrift, welche im Jahre 1699 an der Cita- delle ausgegraben und von ihm im Jahre 1805 im König von England wieder entdeckt wurde ³³), sondern an eine andere, die im vorigen Jahrhundert bei der Citadelle auf der sogenannten Kapelle aufgefunden worden ist 3³⁷).

In die Stadt setzte Lehne weiter keinen Altar, wohl aber in die Nähe. Oberhalb der An- lage im Bienengarten steht der Altar der fortuna, weil dort im Jahre 1632 eine schöne ara der- selben ausgegraben wurde ³⁸).

Auf der andern Seite der Stadt, am Hauptstein, ist der Altar der Wochengötter, welche auf einem Steine abgebildet sind, der im Jahre 1574 vor den Fundamenten eines grossen Gebäudes noch auf einem eigenen Fundament festgemauert war; also dieser scheint noch an Ort und Stelle gestanden zu haben ³⁶⁹).

Auf den jetzigen Friedhof stellt Lehne zwei Altäre, des Hercules und des genius des col- legium der juventus, weil deren Altäre ⁴⁰) am Ende des 17. Jahrhunderts in der Vorhalle der Aureus- Kapelle standen; gewiss ein triftiger Grund!

Der Altar der lares steht an der Wasserleitung; zwar fand puchs im Jahre 1769 die bezügliche ara in den durch Brand zusammengebrochenen Mauern des Klosters Dalbeim aber einen kleinern Stein dazu an jenem Orte ¹¹).

34) Fuchs, dem so viel Phantasie zugeschrieben wird, war vorsichtiger, indem er schreibt(I. S. 374):«Von den übrigen Gelübdesteinen und Altären, die zu Mainz sind gefunden worden, habe ich keine gewisse Kennt- niss erhalten können von dem wahren Orte ihrer ersten Errichtung, weil die mehrsten von ihrer Stelle entrückt und in Mauern versetzt waren. Auch Habel will nicht sofort wegen einer Inschrift auf das Dasein eines Apollo-Tempels schliessen; vgl. Nass. Annal II. 3, S. 174.

35) L. 23 und 45; Br. 1301 und 1302.

36) L. 28; Br. 1097; im Museum, bei Fuchs II. 59 findet sich die Inschrift, nicht aber eine Abbildung der Gottheiten, welche Lehne gibt.

37) L. 35; Br. 1092; nicht mehr vorhanden.

38) Jetzt im Mannheimer Museum. L. 124; Br. 1076. Der Name des Kaisers Commodus ist nach einem Senatsbeschlusse ausgelöscht.

39) Ohne Inschrift; er ist jetzt im Kasseler Museum. L. 117; mit Abb.

40) Nicht mehr vorhanden. L. 100, Br. 1137; und L. 112, Br. 1138; letzterer vom J. 220.

41) Nun im Kasseler Museum, L. 104, wo er als Fundort der Inschrift zeinen Scheideweg in der Nühe der römischen Wasserleitung» angibt; vergl. F. I. S. 348.

2