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graben, im Jahre 1858 im alten Kästrich viele Altäre aus der Stadtmauer ausgebrochen, welche dem Jupiter, den Genien u. s. w. gewidmet waren ²³).
Im nordöstlichen Theile des castrum(neuer Kästrich) sind im Jahre 1854, acht Fuss unter dem jetzigen Boden, grosse und lange Grundmauern von Gebäuden aufgefunden worden; die Länge eines solchen Baues mass 70 Fuss. Damals wurden daselbst, und noch etwas weiter unten, zwei Brunnen und ein grosser Wasserbehälter, dieser mit vielen Sculpturen u. a. m. angefüllt, sowie ein Kanal, der ausserhalb des castrum führt, entdeckt und theilweise ausgegraben ³). Doch kann man über die Gebäude, wozu diese Reste gehörten, nichts Bestimmtes sagen. Auch spätere Funde geben keine Gewissheit.
7. Der keltische(deutsche) Ort Mogontiacum ist ohne Zweifel durch das römische castrum, das Drusus über ihm erbaute, in Aufnahme gekommen und hat sich schnell vergrössert und aus- gedehnt. Dies war aber nur nach einer Seite hin möglich; im Osten bildet der Rhein die Grenze, im Süden tritt die Anhöhe nahe an das Ufer, im Westen steht das castrum; also nur nach Norden, den Rhein abwärts, konnte eine Ausdehnung stattfinden und dieses beweisen auch noch viele und manchfache Spuren.
Die römische Stadt ging aber nicht so weit abwärts wie die jetzige; die drei Bleichen, welche erst im siebzehnten Jahrhundert bebaut wurden, waren damals auch nicht bewohnt, wie denn hier noch keine Ueberreste von Gebäuden aufgefunden wurden. Die ganze übrige Stadt, vom Thiermarkt(Schillerstrasse), der Steingasse, bis herab zur Peterskirche und den Rhein auf- wärts bis zum Bocksthor, war zur Römerzeit bebaut und bewohnt. Das Rheinbett war aber hier breiter, so dass es damals wohl bis an die spätere Stadtmauer, hier und da noch weiter in die jetzige Stadt hereinreichen mochte. Daher finden sich Trümmer von Gebäuden aus jener Zeit nur etwa bis an den Liebfrauenplatz.
Hier muss man wohl zweier Ansichten gedenken, welche über Mainz und den Rheinlauf im vorigen Jahrhundert vorgebracht, damals und später widerlegt wurden, theilweise aber vor nicht langer Zeit wieder auftauchten. Fuchs ³²⁴), eingenommen von seiner neuen Entdeckung, dass ein Rheinarm zur Römerzeit vom Bocksthor über den Thiermarkt und durchs Gartenfeld seinen Lauf genommem habe, versetzt die bürgerliche Stadt zur Römerzeit zwischen den Hauptstein und die Wasserleitung bei Zahlbach, wo aber bisher keine Grundmauern, wohl aber einige Altäre, aber auch Grabsteine, die doch in einem Wohnorte nicht standen, aufgefunden wurden; daher Niemand ihm beistimmte, und wir auch dieser ganz irrigen Annahme nicht gedenken würden, wenn sie nicht mit der andern Ansicht zusammen hinge. Nach dieser soll nämlich ein Theil unserer Stadt eine grosse Insel zwischen dem Rhein und dem oben erwähnten Rheinarme ge- bildet haben. Diese Ansicht wurde schon damals, als sie Fuchs aufstellte, zurückgewiesen und widerlegt ³⁷), und längst dachte Niemand mehr daran, als sie im Jahre 1857 durch eine Auffindung eine kleine Stütze zu gewinnen schien. Da nämlich am Schillerplatz, am Eingange in die Emmerans- strasse, damals eine grosse Masse Lederzeug und andere Ueberreste aus römischer Zeit in einem stehenden Wasser und Moorboden aufgefunden wurden, so wollte man dieses Gewässer jenem von Fuchs ersonnenen Rheinarme zuschreiben ³³). Dies wird aber nicht erwiesen werden können. Mag
29) Zeitschrift des Vereins I. 64, und II. S. 170 ff.
30) Ausführliches s. Abb. v. Mzr. Alterth. VI. S. 19.
31) I. S. 377, mit Vergleichung seines Planes.
32) Würdtwein, Drusus, p. 27; Reuter, Albansgulden(1790), S. 4; Lehne(1806), III. 8. 124, widerlegten ihn bereits.
33) Wittmann in einem Vortrage, den er im Alterthumsverein am 1. Juli 1857 hielt; er versprach, denselben einer grösseren Bearbeitung zu unterbreiten und in besonderm Abdruck zu veröffentlichen, was bis jetzt nicht geschehen ist. Zeitschrift des Alt.-V., II. S. 117.—.


