Aufsatz 
Das römische Mainz
Entstehung
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6. In dieser Festung waren die militärischen Gebäude errichtet; von ihnen ist nichts bis auf unsere Zeit erhalten; man hat aber mehrmals bedeutende Mauerreste und auch Inschriften an ver- schiedenen Stellen des grossen Raumes entdeckt, welche auf militärische oder andere Gebäude hingedeutet wurden; allein Bestimmtes wissen wir nur weniges.

Das Archiv war auf der Eisgrube und ruhte auf einer Säulenhalle; es war gebaut im Jahre 217, wie unten näher angegeben wird ²¹).

Ein Tempel der Diana kann in der jetzigen Philipps-Schanze angenommen werden, indem daselbst im Jahre 1732 grosse Mauern mit einem unterirdischen Gewölbe und der Diana geweihten Altare aus dem Jahre 196 und einer Statue der Diana aufgefunden wurden ²⁴).

Weitere Gebäude sind nicht mit Gewissheit zu bestimmen. Wenn Lehne ²⁸⁶) das prætorium und quæstorium in die Gegend des ünssern Gauthores setzt, so hat er dies wahrscheinlich gethan, weil hier die Hauptstrassen des castrum sich kreuzten; aber niemals sind dort bedeutende Mauer- werke aufgedeckt worden.

Derselbe stellt neben das Archiv auf der Eisgrube einen Tempel der Pallas; zwar wurden daselbst in den Jahren 1729, 1730 und 1839 zum Theile grosse Grundmauern aufgefunden; aber wenn auch der oben erwähnte Altar vom Jahre 217 der Cöttin Pallas geweiht ist, so folgt noch nicht daraus, dass dort ein Tempel derselben stand.

Wenn eudlich Lehne im castrum noch drei Altäre anzeichnet, so haben wir nichts dagegen, wenn solches nur den Fundort von Altären andeuten soll; man darf aber nicht meinen, dass sie immer öffentlich auf den Strassen standen, denn sie können ebenso gut in den Häusern, Gärten u. s. w. aufgestellt gewesen sein, abgesehen davon, dass sie auch späterhin bei Umbauten dorthin können übertragen worden sein.

Von den drei Altären nun, die Lehne in die Festung setzt, kann ich fast nur einen nach- weisen, aber Lehne nicht beistimmen. Er stellt auf den Gauthorplatz einen Altar des genius der Stadt, wohl weil Fuchs in der Nähe an der Stadtmauer, wo der Weg nach dem Kästrich geht, einen Altar ²*) eingemauert fand, welcher der Minerva, der rückführenden fortuna und dem genius dieses Ortes gesetzt war. Allein der Stein stand nicht im Boden, sondern war dort eingemauert in der um das Jahr 1200 errichteten Stadtmauer..

Einen andern Altar*²⁸), auch eines genius, setzt er in den alten Kästrich, indem er auf einem Stein, den er dort im Jahre 1804 fand, eine Lesart annahm, die sich aber nachträglich als falsch ergab, so dass kein Stadtviertel hier angenommen werden kann.

Für den dritten Altar der fortuna, den er in die Nähe des Gauthores verlegt, habe ich keinen Haltpunkt, oder hat er aus der oben erwähnten Inschrift auf zwei Altäre geschlossen?

Wenn wir Lehne's Vorgang folgen wollten, könnten wir eine grosse Anzahl Altäre weiter in das castrum einzeichnen. Im Jahre 1839 wurde auf der Eisgrube ein Altar der lares ausge-

24) Lehne, 59. Die Inschrift ist auch nach Henzen's Verbesserung(Or. III. S. 141) noch nicht ganz klar. Der Stein ist nicht mehr vorhanden.(Ich citire meistens nach Lehne= L. oder Brambach= Br., corpus insc. rhenan. 1866.)

25⁵) L 69. Warum Lehne auf seinem Plane der Diana hier den Beinamen Hecate gibt, weiss ich nicht; etwa weil die Kapelle ein unterirdisches Gewölbe hatte? Die damals gefundene Statue ist nicht mehr vorhan- den; die ara ist im Mannheimer Museum.

26) Es ist zu beklagen, dass Lehne seinem Plane vom alten Mainz, den er in der französischen Zeit(im Jahr 1806) entwarf, keine Erklärung hat nachfolgen lassen. Die wenigen Andeutungen, welche im Jahre 1838 Kulb zu Lehnes Plan gab, berühren Manches nur kurz und geben nirgends nähere Beweise.

27) L. 61; Br. 4:5. Der Stein ist nicht mehr vorhanden.

28) L. III c. fig; Br. 1029. Es heisst dort nicht genio deviâ, sondern genio centuriae Servii; vgl. Zeitschr. des Alt.-Vereins II. S. 182. Der Stein ist aus dem Jahre 234 und befindet sich im städtischen Museum.