Aufsatz 
Das römische Mainz
Entstehung
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an dem Abhang von Zahlbach hin zog; wie weit diese Linie ging, ist nicht ganz gewiss. Dort wo der Weg nach Hechtsheim geht, wird die südliche Seite ihren Anfung genommen haben, deren Ende in der Citadelle zu suchen ist. Diese südliche Mauer ist allein ni ht fest bestimmt, während die andern drei Seiten als ziemlich gewiss angenommen werden können. Man hat bisher in jener Richtung keine sicheren Spuren von Mauerwerk entdeckt, so dass man nicht einmal weiss, ob der Eichelstein, wie Lehne annimmt, ausserhalb des Lagers gewesen ist, oder innerhalb desselben, wie Fuchs meint. Die Langseiten dieser Festung betrugen mehr als 1000 Schritte, die andern etwa 100 weniger. Die Umfangsmauern waren wenigstens fänf Fuss dick; meistens nameutlich gegen die feindl che(östliche) Seite hin waren zwei solcher Mauern mit einem Zwischenraum von 5 Fuss und mehr, der mit Erde ausgefüllt war, ein wahres unüberwindliches Bollwerk. Reste von einer solchen Mauer fand man im neuen Kästrich ¹⁹). Solch ein Lager hatte vier Thore, von denen ist hier nichts erhalten; doch ihre Lage ist ziemlich gewiss.

Die porta prætoria(das vordere Thor) war am Abhange der Gaugasse, wohl da, wo die Adler- gasse ist; von da führte die Strasse an den Rhein, nicht durch die Ludwigsstrasse, welche bekannt- lich erst in diesem Jahrhundert entstanden ist, sondern durch die Emmeransstrasse, welche früher Marktstrasse hiess, weil auf dem Thiermarkt(nun Schillerplatz) das forum gentile gewesen ist*o).

Die porta decumana(das hintere Thor) war ziemlich gerade gegenüber am Abhange nach Zahlbach hin; von ihr ging der Weg nach Alzey. Wenn Lehne das Ende der Wasserleitung ausserhalb an dieses Thor setzt, so glauben wir, dass diese, welche für das Lager Wasser besorgte, im Lager endete. Noch mehr irrt derselbe, wenn er nebenan ein Denkmal des Severus Alexander hinstellt. Dieses Denkmal beruht auf gar keinem Grunde. Wenn vor einigen hundert Jahren dort Grundmauern in Forin eines Dreiecks entdeckt wurden, die längst verschwunden sind, dann ein alter Pfarrer auf dieses Dreieck einen Altar mit gothischem Aufsatz zeichnet, so wollen wir es dem Arzt Hiegell ²¹) nicht verdenken, wenn er diese Abbildung mittheilt; wenn aber er und Fuchs in diesem gezeichneten Altar ein zweites Denkmal des Drusus sehen, Lehne dagegen ein Kenotaph von Severus Alexander erblickt, so muss man sich über die Gutmüthigkeit wundern, mit der einer dem andern nachschreibt, besonders über Lehne, der doch am gothischen Aufsatz Anstoss nahm ²ꝛ).

Die porta principalis sinistra(das linke Thor) stand auf dem Linsenberg und durch sie führte der Weg nach Bingen den Rhein hinunter, doch nicht am Flusse, sondern mehr auf den Anhöhen wie jetzt noch.

Die porta principalis dextra(das rechte Thor) wird bei der Citadelle gewesen sein und führte den Rhein aufwärts, zunächst auf den Anhöhen nach Weisenau u. s. w. In der Nähe der Eichel- stein. Lehne stellt nebenan ein templum Martis, darin Fuchs folgend, der aber selbst bekennt, dass er hierfür keine Inschrift, keine Nachricht habe, als weil der(sehr unzuverlässige) Trithemius den Berg mons Martis nennt ²⁵).

19) An einer anderen Stelle ebendaselbst scheint die Mauer selbst 15 Fuss gezählt zu haben; die erhal- tene Höhe war 7 Fuss; vgl. Abbild. Mainz. Alterth. VI. S. 26.

20) Im neuen Kästrich sind 1842 neben den Mauern grosse Steinblöcke ausgegraben worden, welche zu einem Thore gehört haben können; war also hier noch ein Thor? oder wurde das ursprüngliche im Laufe der Zeiten dahin versetzt? Auch es führte auf das forum. Diese Steinblöcke sind nach Entfernung der Sculpturen an dem Thore des Kellers daselbst eingemauert.

21) Collectanea etc. Mog.(1697) S. 9, mit Figuren.

2 ²) Lehne, Werke III S. 91.

23) Sigehard nennt fast 400 Jahre früher den Albansberg mons Martis, wesshalb Fuchs, I. S. 372, bemerkt, dass der Albans- und Jacobsberg eigentlich eine und dieselbe Anhöhe zeien, nur geschieden durch die Festungswerke.