Aufsatz 
Das römische Mainz
Entstehung
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Die Grenze von Ober- und Untergermanien ist nicht bestimmt ¹⁴); sie ist zwischen Coblenz und Bonn, wie die Standquartiere der Legionen zeigen, wahrscheinlich an der Vinxtbach*). Im Süden reicht Obergermanien bis in die Schweiz, indem der nordwestliche Theil derselben zu ihm gehört. Die Länge beträgt etwa 100 Stunden, die Breite nicht überall 20.

Wie viele Legionen damals die Rheingrenze beschützten, wo ihre Lager waren, welcher Ort zur Hauptstadt genommen wurde, wissen wir namentlich für Obergermanien nicht. Doch ist Mainz ohne Zweifel damals schon in den Kreis der Vertheidigung gezogen worden; die Lage dem Main gegenüber zeigt seine Wichtigkeit. Der Name der Stadt wird fast 100 Jahre später zum erstenmal genannt. In Untergermanien wird oppidum Ubiorum(Köln) der Hauptort.

Als Kaiser Augustus wegen der Einfälle der Deutschen in Gallien, insbesondere wegen des Lollius Niederlage, seinem Stiefschne Nero Claudius Drusus den Auftrag gab, die Deutschen am rechten Rheinufer der römischen Herrschaft zu unterwerfen, sah dieser bald ein, dass die beiden Germanien zugleich geschützt werden müssten; und als er am Rhein und dessen Nähe fünfzig Festungen aunlegte, wird er sofort die gute Lage von Mogontiacum erkannt haben, und wiewohl kein Schriftsteller dies näher erwähnt, wie auch Niemand die 50 Castelle angibt, so kann man doch mit Gewissheit annehmen, dass damals die Festung Mainz gebaut worden ist.(15 v. Ch.)

Seit der Niederlage des Varus(9 nach Ch.) lagen vier Legionen mit den zugehörigen Hilfs- truppen, etwa 50,000 Mann, am Oberrhein(und ebensoviele am Unterrhein). Die Hälfte davon mag damals und in der nächsten Zeit ihr Standlager in Mainz gehabt haben.

5. Die römische Festung(castrum) lag ohne Zweifel oberhalb der alten Stadt, und dehnte sich wie diese nach Norden aus, so dass sie fast die ganze Anhöhe von der jetzigen Citadelle bis an den Linsenberg der Länge nach einnahm, und in der Breite bis gegen den Abhang von Zahlbach sich erstreckte. Die Mainzer Geschichtschreiber Fuchs ¹⁶) und Lehne ¹⁷) haben den Umfang und die Mauern des castrum näher zu bestimmen versucht. Ersterer, sich stützend auf überall in der Nähe gefundene Mauern, hat ein Vieleck(mit mehr als 12 Winkeln) verzeichnet, dem Niemand, der die römische Bauweise kennt, beistimmen wird. Lehne, an die Bauart der Römer sich haltend, hat ein geuaues Viereck angenommen, was wenigstens für die erste Anlage richtig scheinen dürfte. In den 400 Jahren der römischen Herrschaft wird auch das castrum Erweiterungen und Veränderungen erhalten haben, wenigstens scheinen mehrere Auffindungen, die im neuen Kästrich seit 1842 vorgekommen sind, darauf hinzudeuten; doch haben sie noch zu keinem sichern Resul- tate geführt ¹s), und so halten wir uns vorläufig an die Umfangslinie, welche Lehne vorgelegt hat.

Die Hauptseite der Festung war gegen die Stadt und den Rhein gerichtet und erstreckte sich von der Citadelle aus durch den Altenweiber-Graben, wo allein noch die Mauer zu Tage liegt, an der ehemaligen Windmühle vorbei, wo ein Vorsprung der Mauer war, nach der Stephanskirche, deren Chor auf den Mauern steht, über die Gaugasse durch den Kästrich nach dem Alexander- Thurm. Von hier wendete sie sich westlich durch die Schanzen, in denen sich noch Ueberreste von Mauern finden, nach dem Linsenberge hin. Hier nahm sie die südliche Richtung, die sich

14) Wenn Plolem. II. 9, den Fluss Obringa als Grenze nennt, so hat er eigentlich Recht, wenn er schon darunter einen Fluss südlich von Mainz versteht. Untergermanien reichte bis dahin, wo das obere Rheingau beginnt oder wo oben Rheingau ist. Und so zeigt dieses Wort, das noch jetzt überall am Rhein im Gebrauche ist, wiederum, wie wenig sich die Sprache namentlich bei Localnamen in fast 2000 Jahren verändert hat. Schon Wilhelm, Die Feldzüge des Drusus, S. 5, hat im Wort ⸗Obringa⸗- den Oberrhein erkannt, aber die Sylbe ga- nicht zu erklären gewusst.

15) Wegen der Vinxtbach s. Freudenberg, Bonn, Jahrb. XXIX. S. 93.

16) Alte Geschichte von Mainz(1771), I. S. 312, mit einem Plane.

12) Lehne, Gesammelte Schriften, III S. 123 ff., mit einem Plane ohne Jahreszahl; er ist vom Jahre 1806.

18) Vgl. Abbild. von Mainz. Alterth. VI. S. 17.

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