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Wenn Lucanus ⁹) bemerkt, dass die Vangionen weite Hosen trugen wie die Sarmaten(Ein- wohner von Südrussland)— nicht enge wie die Gallier— so darf man deswegen nicht die Vangionen aus jener entfernten Gegend an den Rhein vorrücken lassen: sie werden sich als Deutsche von den Galliern haben unterscheiden wollen.
Wie die Vangionen dem Caesar im Bürgerkriege halfen, so dienten sie fortwährend in den römischen Heeren. Hierbei finden wir, dass sie nicht nur im eigenen Lande, sondern auch nach der Gewohnheit der Römer, weit entfernt von der Heimat im Dienste standen, so in Britannien ¹⁰). Wiewohl den Römern unterworfen und von ihnen beherrscht, bewahrten die Vangionen, wie über- haupt die Deutschen am Rhein, fortwährend ihren deutschen Ursprung, wie dies z. B. Taci- tus über 150 Jahre nach ihrer Einwanderung berichtet; und dass auch fortwährend Deutsch hier gesprochen wurde, zeigen noch manche deutsche Worte auf den römischen Inschriften ¹¹) dahier.
4. Die Vangionen kamen, wie die Nemetes und Triboci, nach der Besiegung des Ariovist unter römische Herrschaft ¹²), und da Caesar bald darauf auch den Unterrhein bezwang, so kann man sich nicht wundern, dass derselbe den Rhein als Grenze von Gallien annimmt. Aber so wie unter Napoleon I. der französische Kaiserstaat sich einmal bis an die Elbe erstreckte, jedoch kein Mensch damals die Bewohner dieser deutschen Gegenden Franzosen nannte oder zu ihnen rechnen konnte noch wollte: so erstreckte sich seit Caesar das römische Reich(insbesondere die Provinz Gallien) bis an den Rhein; aber die Anwohner des linken Rheinufers waren keine Gallier, sondern Ger- manen, d. i. Deutsche, und Niemand kann mit Recht diese deutschen Volksstämme zu den Galliern oder zu Gallien zählen. Dies sahen auch die Römer ein, trotz Caesars Grenzbestimmung.
In den folgenden 20 bis 30 Jahren wird des Oberrheins oder unserer Stadt bei den Römern nicht gedacht. Zwar meinen manche, dass Agrippa, als er die Ubier an das linke Ufer(nach Köln) verpflanzte(im J. 37 v. Ch.), am Oberrhein über den Fluss setzte und etwa bei Mainz ein verschanztes Lager errichtete; allein davon berichten die Alten kein Wort, und um die Ubier überzusetzen, musste man den Nieder- nicht Oberrhein überschreiten.
Ebenso wird, als 8 Jahre später die Treveri sich empörten, die Germanen sie unterstützten und der römische Feldherr Cn. Carinas die Sueven über den Rhein zurücktrieb, mit Unrecht an- genommen, dass damals die Vangionen, Triboci und Nemetes den Römern unterworfen wurden; sie waren von Caesar unterworfen. Der Oberrhein wurde hier wiederum von den Römern nicht berührt..
Erst im folgenden Jahre(28 v. Ch.), als Augustus die römischen Provinzen ordnete ¹⁸), hören wir vom Oberrhein, und hier zeigt es sich, wofür die Römer die Anwohner des linken Rhein- ufers hielten: sie fanden keine Gallier hier, sahen also, dass Caesar mit Unrecht Gallien bis an den Rhein ausgedehnt hatte; sie fanden Germanen, d. h. Deutsche, hier und nannten den ganzen Landstrich Germania superior(od. I.) und Germania inferior(od. II.)
9) Phars. I. 430.
10) Tacit. ann. XII. 27; hist. IV. 70, wovon noch unten die Rede sein wird Eine I. cohors Vangionum — also gab es mehrere— hatte ihr Lager zu Risingham in Northumberland. Vgl. Bruce, The rom. wall (Lond. 1851), S. 427..
11) Ich führte einmal Jac. Grimm zu unseren Inschriften und fragte ihn, der doch die Sprache der alten Deutschen kannte, wie zu Hermanns Zeit die Worte frei, Hof, Berg und andere gesprochen wurden. Er gab mir ihre damalige Form an. Als er aber de jetzige Form auf den hiesigen Inschriften aus Römer Zeit sah, meinte er, ⸗diese Inschriften seien falsch; denn wenn sie ächt wären, würden sie sein ganzes System umstossen.“ Sie sind aber ächt. Aehnliches sagte mir später ein anderer gelehrter Kenner des Altdeutschen.
12) Aussdrücklich sagt Suet. Caes. 25, dass Caesar das Land bis an den Rhein unterwarf.
13) Warum Brambach, corpus insc. rhenan., p. VII. den Tiberius diese Eintheilung vornehmen lässt, weiss ich nicht; vgl. Cassius 53, 12.


