Aufsatz 
Das römische Mainz
Entstehung
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welches Wort ohne Zweifel aus Mogonus entstanden ist, darnach hiess unsere Stadt im Munde der Römer Mogontiacum 9).

Die erste Anlage der Stadt geschah, wie gesagt, dem Main gegenüber, also da wo die Vilz- bach sich in den Rhein ergiesst, unweit des jet⸗igen Neuthors. Von hier, wo das Dorf oder die Vorstadt Vilzbach lag, welche wegen der Festungswerke am Anfange des vorigen Jahrhunderts beseitigt wurde, wird sich der Ort höchstens bis an die Gräbergasse erstreckt haben, reichte aber nicht bis an den Berg, wo die Citadelle steht; denn hier am Abhange gegen das Neuthor hin war der Begräbnissplatz der Stadt zur Römerzeit, also wohl auch früher. Auch war der Rhein damals noch überall breiter, wiewohl er dort nicht so weit über das jetzige Ufer sich erstreckt haben wird, wie später am Fischthor und weiter unten. Das Dorf Mogontiacum wird nicht sehr gross gewesen sein, bewohnt von Schiffern und Fischern, mit wenig bedeutendem Tauschhandel.

3. Ehe noch Caesar nach Gallien kam, trat eine Veränderung am Mittelrhein ein. Die Van- gionen waren hier wie weiter aufwärts die Nemetes und Triboci(Speyer und Strassburg) aus dem eigentlichen Deutschland eingerückt. Wo diese Völker in Deutschland früher wohnten, weiss man nicht genau; von den Vangionen nimmt man an, dass sie nicht weit von Mainz, in der jetzigen Proviuz Starkenburg, gesessen haben. So viel ist g wiss, dass diese drei Völker mit noch mehreren anderen, die jenseits des Rheines wohnten, durch Ariovist, König der Sueven (Schwaben), den die Sequani(um Besançon) gegen die Aedui(um Autun) zu Ililfe gerufen hatten, zu ihm gezogen sind und dass sie dann Wohnsitze in Gallien wohl bis an den Rhein erhalten haben. Nachdem Ariovist von Caesar bei Vesontio(Besançon, vielmehr an der Thur,) geschlagen und über den Rhein zurückgeflohen war, blieben die drei oben erwähnten Völker am linken Ufer des Rheines sitzen, und so finden wir(seit 58 v. Chr.) die Vangiouen in unserer Provinz; sie dehnten sich von Worms bis Bingen aus. Ersterer Ort nahm neben seinem alten Namen Borbetomagum noch den Namen YVangiones an, d. h. die Römer benannten den ersten Ort am Rhein, wo sie die Vangionen fanden, nach ihrer Gewohnheit mit diesem Volksnamen. Auch das Wort Bingium(Bingen) scheint eine andere Form von Vangiones zu sein, so dass Anfang und Ende ihres Bereichs ihre Namen führten. Mainz, in der Mitte liegend, wird ohne Zweifel auch von ihnen besetzt worden sein wiewohl der alte Name der Anwohner Caracates, wie wir oben vermutheten, noch eine Zeit fortdauerte. Bald aber verschwanden diese und unsere ganze Provinz gehörte von nun an den Vangionen.*) Daher wollen wir, was von ihnen bekannt ist, hier anfügen.

Da bei Ulfilas 8) das WortWang Wonneort heisst und die Wormser Gegend später der Wonnegau genannt wird, so hängt das Wort Vangionen damit wohl zusammen.

6) Pfolem. II. 8, hat Moxoyrixov; seine Grade weichen kaum einige Minuten von den neuesten Mes- sungen ab. In England kommt ein Gott mit dem Namen Mogo, Mogout vor; auch erscheint dort die Form Mounus. Die früheren Ableitungen des Wortes Mogontiacum von zwei Bächen dahier und anderm übergehen wir, sowie die Mührchen der alten Chroniken.

7) Ganz falsch und sich widersprechend in Pezug auf die Vangionen verhält sich Napoleon. Während auf der Karte Galliens sous le proconsulat de César, die 1861 d'après les ordres de Sa Majesté erschien, die vangionen auf den beiden Seiten des Rheins angesetzt werden, was richt'g ist: lässt Napoleon 186¼ auf der zweiten Karte zu seinem Cäsar, welche les peuples de la Gaule au temps de César gibt, die Vangionen auf der linken Rheinseite hinweg und bemerkt II. Band, S. 75, Anm. 3(franz. Ausg.; S. 77, Anm. deutsche Ausg.):-die Nemeter und Vangionen siedelten sich später(plus tard) auf dem linken Rheinufer in der Gegend von Worms und Speyer an.(Man merke hier die grammatische Figur Chiasmus, nach der sich die Namen über das Krenz correspondiren.) Dass diese spätere Niederlassung falsch ist, folgt schon daraus, weil die Vangionen bei Pharsalus stritten und doch Cäsar keine Deutschen vom rechten Ufer augeworben hat.

8) II. Cor 12. 4, wird Paradies mit vagg oder wang gegeben. Man könnte vermuthen, dass die Vangionen vom Wonnegau den Namen erbielten, und schon lange dort wohnten, vielleicht seitdem die Treveri und andere Deutsche über den Rhein zogen.