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den Ureinwohnern oder den aus Hispanien kommenden Iberern vermischt, und durch griechische wie römische Kultur verändert, sich in Sitte und Sprache nach mehreren Jahrhunderten also um- gewandelt, dass die Römer in ihnen nicht mehr Verwandte der in Deutschland zurückgebliebenen, noch rohen oder fast wilden Stämme erkannten, sondern sie oft für ganz verschiedene Völker er- klärten. Also waren Kelten und(fermanen ursprünglich ein Volk, wie denn auch ihre Sprachen nicht so verschieden erscheinen, als die Sprachen anderer ebenfalls ursprünglich verwandten Völ- ker, die nachmals durch Ort und Zeit von einander sich getrennt hatten, wie die Griechen und Römer oder die Indier und Deutschen.
Wenn aber die Römer den in Deutschland wohnenden Kelten den Namen Germanen ³) bei- legen, so folgt daraus nicht, dass diese sich selber so nannten; ja wir wissen vielmehr, dass der Name Germane in Gallien oder Belgien, dessen deutschen Ursprung auch die Alten anerkannten, entstanden und auf die Verwandten der Belgier in Deutschland übertragen worden ist. Was er bedeutet, darüber wird gestritten; wahrscheinlich Wehr- oder Speermänner. Wer Verwandte in den Kelten und Germanen erkannte, mochte leicht an das lateinische Wort germanus(Bruder) denken.
Die Einwohner in Deutschland(Germanin) selbst scheinen sich schon früh Deutsche genannt zu haben, sei es dass dies Wort Volk bedeutet, oder von einem Helden oder Gott(Teut) herzuleiten ist. Das Wort kommt als Teutonen, der Name eines Stammes, schon bei Pytheas und nachmals zu Marius Zeit vor.
Warum aber die Römer nicht Deutsche, sondern Germanen sagten, bedarf keiner Erklärung, da wir wissen, dass die Griechen von denselben Römern nicht Hellenen, wie sie sich selbst nannten, sondern Græci(nach einem unbedentenden Stamme, der Italien zunächst wohnte) benannt wurden, und da wir sehen, dass heute noch die Deutschen bei den Franzosen Allemanen, bei andern anders heissen. So gebrauchten die Römer das Wort Germani, weil die Belgier unsere Vorfahren so nannten; aber sie kannten das Wort Deutsch, wie Inschriften namentlich am Rheine peweisen).
2. Am Rhein also wohnten an beiden Ufern des Stromes ursprünglich Kelten, oder was das- selbe ist Germanen, d. i. Deutsche. Wie der Volksstamm hiess, der hier bei Mainz wohnte, ist nicht gewiss. Weder werden die Mediomatrici(Metz), die bis Speyer reichten, noch die Treveri (Trier), welche unterhalb Bingen den Rhein berührten, bis in unsere Gegend sich erstreckt haben. Tacitus) führt, um das Jahr 70 unserer Zeitrechnung, in Verbindung mit den Vangionen, den Einwohnern von Worms, einen Volksstamm an, Namens Caracates, welche sonst nirgends erwähnt werden. Diese wohnten wahrscheinlich in der Nähe unserer Stadt, und leicht mochten Ueberreste von ihnen oder Erinnerungen an sie bis zu Vespasian's Zeiten sich erhalten haben.
Durch diese Caracates, oder wie der hier wohnende deutsche Volksstamm hiess, entstand unsere Stade gerade der Mündung des Mains gegenüber. Die Alten nennen den Main Moenus,
9) Bei Herodot, I. 125, wird ein Stamm der Perser Germanoi genannt; doch glauben wir nicht, dass von diesen die Deu'schen den Namen überkamen; sondern bei den Persern, welche wie die Deutschen zum indo- germanischen Stamme gehören, konnte das Wort Germanoi leicht dieselbe Bedeutung haben, wie in Belgien. Bei den älteren Griechen kommt das Wort nicht vor.
4) Das bisher nicht erklärte Wort Divitium, Divitieses, wie ein Truppentheil der Römer heisst, leiten wir von dem Worte deutsch ab; ja wir erkennen darin unser Wort deutsch. Deutsche dienten immer im römischen Heere. In Belgien und am Rheine, wo jene Namen hauptsächlich vorkommen, nannte man sie nicht nur mit dem Namen Germanen, sondern kannte und gebrauchte auch ihre eigentliche Benennung. Aus deutsch machten die Lateiner divit u. ä. So hiess auch das Kastel Köln gegenüber das deutsche(Deutz) oder Tuitium, wie eine
spätere Nachricht sagt. Vgl. Deyeks index lect. Monast. 1850, S. 30, und meine Bemerkung i in Heidelb. Jahrb. 1851, S. 36.
5) Hist. IV. 70. Heep in Bonn. Jahrb. XXVI. S. 21 ff., verlegt die Caracates nach Kreuznach, was eben-
falls nur auf Vermuthung beruht.


