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Paris aufgefunden!), in den Beſitz von Dr. Aug. Heymann in Wien gelangt iſt. Gengenbachs reformationsfreundliches Plakat zeigt Anklänge an die gereimten Schlußworte des Pfaffen⸗ ſpiegels?), den ich wegen der am Schluſſe beigefügten perſönlichen Widmungs), abweichend von Singer), Gengenbach nicht abſprechen möchte. Das von Singer herausgegebene Plakat liefert mir keinen zwingenden Grund, an Gengenbachs Verfaſſerſchaft für die„Warnung des Sündtfluß“ feſt— zuhalten, deren Sprache indeſſen große Verwandtſchaft mit der oben S. 2. Joh. von Schwarzenberg zugeſchriebenen Flugſchrift„Vom Zutrinken“ zeigt. Inhaltlich berührt ſie ſich eng mit den von Joh. Friedrichs) mitgeteilten reformationsfreundlichen wahrſagenden Ausführungen, die Joh. von Schwarzenberg als Mitglied des Reichsregimeuts gemacht hat. Der Verfaſſer der„Warnung des Sündtfluß“ kommt übrigens auch— ganz in Schwarzenbergſcher Weiſe— auf das Zutrinken in folgenden Worten der 1. Seite zu reden. Etliche ſagten,„Gott hab verſprochen in Geneſi, kein ſundfluß mehr zuſenden.. Auff das ſag ich. Der götlich verheiß ſtreckt ſich nit ſo weit. Seine wort haben kurtz gelautet Er wolle das fleiſch nit mehr mit waſſergüß gantz verderben ꝛc. vnd da⸗ mit ſich nit verzigens) der waſſerſtraffen. Aber furhin, wenn, wievil, oder wa, das ſteet in ſeiner gottheit, doch zueuerſichtig nitt gentzlich vnderlaſſen, von wegen vnſers verruechten lebens vnd ſunden, damit wir erſetiget werden vnſers ſchentlichen zuetrinckens..“
Die S. 17 Zl. 3 v. o. als Nr. 13 des Sammelbandes E. 905 angeführte, ſonſt unbekannte Ausgabe der„Zehn Alter“ des Pamphilus Gengenbach erwies ſich nachträglich mit Sicherheit als Erzeugnis der Preſſe des Albert Kunne in Memmingen, während ich mich durch das Schlußzeichen A. K.! N. hatte verleiten laſſen, auf Nürnberg als Druckort und auf Anton Koberger(† 1513) als Drucker zu ſchließen. Der Vergleich des letzten Buchſtaben N mit dem nämlichen Buchſtaben an anderen Stellen dieſes Druckes ergab eine Abweichung in der Form, dagegen läßt ſich!N. als Verſtümmelung von M erweiſen und leicht zu dieſem ergänzen. Nun führt Goedeke in ſeiner Ausgabe der Gengenbachſchen Schriften S. 443 f. unter D einen Nachdruck der„Zehn Alter“ aus der Preſſe des Albert Kunne in Memmingen an, der die Schlußſchrift trage: Gedruckt zu Mem— mingen durch A. K. 1519. Da lag es nahe, den undatierten, mit A. K. M. bezeichneten Druck ebenfalls Albert Kunne in Memmingen zuzuſchreiben. Auch das Monogramm, das der Holzſchnitt des Dreißig⸗, Vierzig⸗, Fünfzig⸗ und Neunzigjährigen zeigt, läßt ſich leicht als A. K. deuten. Der Vergleich mit dem datierten Memminger Drucke a. d. Jahre 1519 ergab die Richtigkeit dieſer Deutung. Die beiden Drucke haben die nämlichen rohen Holzſchnitte, mit dem einzigen Unterſchiede, daß der Druck von 1519 das Bild des Zwanzigjährigen, das kein Monogramm zeigt, auf dem Titelblatt trägt, alſo doppelt hat, während in dem undatierten Druck der Holzſchnitt des Fünfzig⸗ jährigen, mit Monogramm, auf dem Titelblatt ſteht, alſo doppelt vorhanden iſt!). Stammt, wie nunmehr erwieſen iſt, der hier vorhandene Druck nicht von Anton Koberger in Nürnberg, ſondern von Albert Kunne in Memmingen, ſo fällt der von mir S. 17 behauptete zwingende Grund weg, wegen Kobergers Todesjahr(1513) das Druckjahr unter 1515 anzuſetzen. Die Ausgabe von Kunne erweiſt ſich dann als deſſen erſter Nachdruck der Baſeler Ausgabe aus Gengenbachs eigener Druckereis), die Angabe auf dem Titelblatt„geſpilt. Im fünfzehnhu(n)dertſten Iar, auff der herren faſtnacht von etlichen erſamen vnd geſchickten Burgern ainer loblichen ſtatt Baſel“ ſind dann einfach als Auf⸗ löſung der Angabe auf dem Titel des Baſeler Originaldruckes„Im XV. c Jor“ zu betrachten. Wie iſt nun dieſe Angabe zu erklären? Goedekes Vorſchlag, das c als Druckfehler für o zu leſen und aufzulöſen: im quinto decimo Joré), ſcheint mir zu gezwungen. Entweder haben wir
¹) Die photographiſche Wiedergabe des oberen Teiles brachte 1895 die Zeitſchrift Alt-Wien(Monatsſchrift für Wiener Art und Sprache IV, 11 f.), deren Einſicht mir kurz vor ſeinem Tode Dr. Karl Ritter von Scherzer, K. u. K. Geſandter des Ruheſtandes in Görz, möglich gemacht hat. ²) Goedeke, S. 185. ³) Pamphilus Gengenbach zuo lob dem edlen Grafen vo(n) Hapkſpurk. ⁴) Zeitſchrift für deutſches Altertum 45, 1901, 153 ff: Die Werke des P. Gengen⸗ bach. 5) Aſtrologie und Reformation, München 1864. ⁶) ſich verzigen: verzichten auf. ⁷) Herr Univerſitätsprofeſſor Dr Thürlings in Bern, der den Memminger Druck von 1519 beſaß, hatte die Güte, mir die Abweichungen ſeines Exemplars nach Vergleich mit der photographiſchen Nachbildung des Titelblattes des hier vorhandenen Druckes mitzu⸗ teilen. Das Nürnberger Germaniſche Nationalmuſeum hat nenerdings die„zechen(!) alter“, Memmingen 1519, er⸗ worben. Die Zahl der Holzſchnitte— es ſind 11 größere, davon einer doppelt und auf S. 2 ein kleinerer, den Ein⸗ ſiedler darſtellender—, iſt in beiden Drucken die gleiche. ⁵³) Die rohe Ausführung der Holzſchnitte in dem hier vor⸗ handenen Drucke hatte mir die Annahme, daß dies das ältere Original ſei, ſehr ſchwer werden laſſen. So laſſen ſich auf dem Bilde des Zehnjährigen auf S. 4 im Gegenſatz zu der feinen Ausführung in Gengenbachs Baſeler Druck in der Ausführung von Kunne Spielkarten und Würfel nicht erkennen. ⁹) Goedeke, Gengenbach, S. 603.


