— 9—
sed domino domus honestanda est beigegeben ſei. In der Tat findet ſich dieſe älteſte Dar⸗ ſtellung des Fürſtenauer Schloſſes in dem heute dort aufbewahrten Inkunabelbandl) über der Rückſeite des 28. Blattes als Randzeichnung zu den genannten Worten mit der Beiſchrift furſten albe, genau ſo, wie es Graf Franz von dem Bande der Kirchenbibliothek) ſagt. Uebrigens ſtellt Graf Franz— wohl mit Recht, die Vermutung auf, der abgeſchoſſene Maroquinband, in den das alte Erbachſche Wappen eingeſchnitten iſt, habe den Grafen Georg und Eberhard und ihrem Lehrer Marquard zur Lektüre gedient und ſei von dieſen mit den intereſſanten Randzeichnungen verſehen worden, von denen allerdings die des Schloſſes eine weniger geübte Hand verrät, als die übrigen, beſonders Tiere darſtellenden. Das Bild des Schloſſes zeigt die alte Waſſerburg im Viereck mit vier Ecktürmen. Die Nord⸗ und Oſtſeite nehmen hohe, die Weſt⸗ und Südſeite niedere Mauern ein, von denen die beiden letzteren mit Zinnen gekrönt ſind. Das Eingangstor liegt an der Weſt⸗ ſeite neben dem ſw. Eckturm. Wie das Buch nach Fürſtenau zurückgelangt iſt, läßt ſich nicht mehr ermittelns§). Denkbar wäre es, daß ſein Verluſt nicht beſonders ſchmerzlich empfunden wurde, da es, wie die oben genannten Rechtshandſchriften, als„Doublette“ galt. Beſaß doch die Bibliothek nach wie vor Ciceros Pflichten lateiniſch und deutſch, wie ſich ihre Leitung auch damit getröſtet haben wird, den Sachſenſpiegel) gedruckt zu beſitzen.
Ich trage nun einige Verbeſſerungen zu den 1902 veröffentlichten Mitteilungen nach. S. 5, unterſte Zeile, iſt einzuſetzen Quaſimodo; der S. 6, Zeile 8 erwähnte Eintrag beſagt nur, daß Schenk Eberhard den Joh. Sartoris auf den St. Nikolausaltar in Freienſtein präſentiert habe. Als die Schrift, gegen die ſich Pamphilus Gengenbach im Eingang ſeiner Gouchmat wendet, möchte ich, abweichend von der S. 7 ausgeſprochenen Anſicht, eher Herman von Sachſenheims Mörin be⸗ trachten, die damals in der Ausgabe des Joh. Adelphus Muling große Verbreitung erlangt hatte und an manchen Stellen den Venusdienſt mit der allgemeinen menſchlichen Schwäche entſchuldigt. Iſt Gengenbachs Gouchmat erſt nach Murners Gäuchmat erſchienen, ſo könnte auch gegen dieſen polemiſiert werden, deſſen Abſicht, durch ſeine Dichtung die Sitten zu beſſern, leicht mißkannt wer⸗ den konnte.— S. 7, Zl. 11 v. u. muß es heißen X 327 f., Zl. 7 v. u. Marſilius von Inghen. In der Liſte der Inkunabeln iſt S. 8 in dem Titel der erſten, Zeile 5 v. u. copia einzuſetzen, als Ordnungsnummer bei Hain für Faltonia S. 10: 6903. Die S. 10 als Duns logica und physica bezeichneten Nummern waren unter Magister de Magistris(des Maistres) einzureihen, der ſie nach Duns Scotus bearbeitet hat. Die in Straßburg 1496 bei dem Drucker des Jordan von Ouedlin⸗ burg erſchienenen Stücke des Sammelbandes 81: Textor, Sermones tres, Anſelmus, de paſſione Chriſti und Bernardus, de planctu(S. 9 und 11) ſtellen typographiſch eine Einheit dar.
Für die S. 11 verzeichnete Inkunabel Diſſentio inter papam& florentinos hat Ludwig Paſtor die Aufnahme in den 2. Band ſeiner Acta inedita historiam Pontificum Romanorum illu- strantia in Ausſicht genommen, während er die für die Geſchichte des Streites zwiſchen Sixtus IV. und Florenz wichtige Quellenſchrift in der 3. Auflage des II. Bandes ſeiner Geſchichte der Päpſtes) in⸗ haltlich bereits gewürdigt hat.
Das S. 10, Anm. 1 erwähnte Plakat Pamphilus Gengenbachs„Himmliſche Zeichen“, an Karl V gerichtets), iſt inzwiſchen von Univerſitätsprofeſſor S. Singer in Bern nach einem größeren Bruchſtücke herausgegeben worden), das, von dem Wiener Antiquariat Gilhofer u. Ranſchburg in
¹) Das 1. Blatt, das jedenfalls, wie die Anfänge der zwei folgenden Bücher und der Paradoxa mit einem koſt⸗ baren Initialbuchſtaben geſchmückt und mit der Signatur F. 69 verſehen war, fehlt. Sonſt iſt das Stück vollſtändig; es trägt auf der Rückſeite des 87. Blattes Fuſts Schlußſchrift, in der dieſer zum erſten mal Peier Schöffer ſeinen Sohn (Schwiegerſohn!) nennt(manu Petri de Gernsshem, pueri mei), während auf der Vorderſeite des letzten, 88. Blattes als Lückenbüßer die Ode des Horaz: Diffugere nives(IV 7) ſteht. ²) Im alten hſ. Katalog iſt dieſer Schatz mit F 69 bezeichnet, mit F 68 eine Ausgabe von 1514 cum notis variorum, Schwarzenbergs Bearbeitung von Ciceros Pflichten trägt die Bezeichnung F 58, die oben S. 8, Aum. 4. und Mitt. 1902. S. 8 genannte Hſ. mit der Ueberſetzung von Ciceros Pflich⸗ ten iſt E 59 gezeichnet. ³) P 122 des 1836 angelegten Fürſtenauer Verzeichniſſes. Den Vorſtänden der Schloßbiblio⸗ theken, Herrn Archivrat Morneweg in Erbach, der mich auf die Notiz des Grafen Franz aufmerkſam machte, und Herrn Pfarrer Müller in Fürſtenau, der mir die genaue Unterſuchung des Druckes ermöglichte, ſei auch hier geziemend ge⸗ dankt. ⁴) B 15: Sachſenſpiegel, Augsburg 1517, Sylvan Otmar in Verlegung Joſ. Rymans; der Layenſpiegel von Tengler und Brant, Augsburg 1509, iſt B 48 bezeichnet. ⁵) Freiburg 1904, S. 546 f. ⁶) Goedeke, Gengenbach 518. 2) Neues Berner Taſchenbuch a. d. Jahr 1903, hg von H. Türler, Bern 1902, 241—249. Für die Zuſendung ſeiner Schrift und fernere Nachweiſe über Gengenbach bin ich Herrn Profeſſor Singer zu großem Dank verpllichtet..


