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in Verlagswerken des Hieronymus Hölzl in Nürnberg vor, war demnach Eigentum dieſes Verlegers, der das Bildnis ſeines Namenspatrons als Signet in theologiſchen Werken verwandte. Da die Literaturangaben bei Paſſavant und von Retberg falſch ſind, verzeichne ich hier die Hölzlſchen Drucke, die dies Hieronymusbild enthalten, nach Angaben der Kön. Hof⸗- und Staatsbibliothek in München, der ich außerdem noch dafür Dank ſchulde, daß ſie mir den Vergleich des hieſigen Blattes mit den in ihrem Beſitze befindlichen möglich gemacht hat; es ſind: Laur. Corvinus, Latinum ydioma 1509 und 1512; Canon sacratissimae missae 1513; Albertus de Ferrariis, Tractatus de horis cano— nicis 1514; Hugo Cardinalis, Expositio missae 1514; Jacobus de Paradiso, Confessionale 1520. Das Michelſtädter Blatt, 155 zu 104 mm groß, dürfte aus dem 1513 gedruckten Canon missae ausgeſchnitten ſein, mit dem es einen Einſchnitt im unteren Rahmen links gemeinſam hat. Im übrigen wird niemand, der ſich eingehend mit den ſo zahlreichen Hieronymusbildern Dürers befaßt, achtlos an dieſem kraftvollen Holzſchnitt vorübergehen dürfen.
Eine eigenartige, oft mit Wehmut verbundene Befriedigung gewährt es in der Erforſchung der Geſchichte einer Bücherſammlung, dem Schickſale von Büchern nachzuſpüren, die, urkundlich früher vorhanden, im Laufe der Zeit ihrer Bibliothek entfremdet wurden. Dies iſt der Fall bei zwei wertvollen Handſchriften aus dem Gebiete des altdeutſchen Rechtes. Im Pfarrhauſe zu Mi⸗ chelſtadt hat ſich die Ueberlieferung erhalten, es ſeien zwei Sachſenſpiegelhandſchriften vor vielen Jahren verliehen, aber nicht zurückgegeben worden¹). Die beiden verſchollenen Handſchriften führt G. Homeyer, die deutſchen Rechtsbücher des Mittelalters, Berlin 1856, S. 126 unter Nr. 449 u. 450 an:„449 Michelſtadt, Stadtarchiv? Ende d. 14. Jahrh., Folio: Richtſteig Landrechts(Vgl. Senkenberg, Corp. iur. germ. Il praef.§ 108: habui codicem Michelstadiensem saec. XIV ad finem vergentis.. grandiusculi folii forma); nach Mitteilung des Hof⸗Bibliothekars Feder in Darmſtadt iſt die Hſ. weder im Erbachiſchen Archiv noch in der Michelſtädter Kirchenbibliothek. 450: Michelſtadt, Stadtarchiv? Schwabenſpiegel(vgl. Senkenberg, corp. iur. feud. Vorrede§ 15: ich wußte noch eine alte Handſchrift zu Michelſtadt, welche alle die meinigen übertrifft).“ Rockinger, der in den Sitzungsberichten der Wiener Akademie, Phil.⸗hiſt. Klaſſe, Bd. 120(1889) Abt. IV beide Hſſ. unter Nr. 226 u. 227 nennt, ſagt, die erſte ſei kein Richtſteig, ſondern eine alphabetiſche Arbeit(Rechtswörterbuch) geweſen, wofür er ſich auf Senkenberg, Viſiones, Cap. 4§ 62 p 108 beruft). Ebenſowenig wie den Verbleib dieſer wertvollen Handſchriftens) kann ich ihn von zahlreichen Kir⸗ chenmuſikalien feſtſtellen, von denen geſchriebene Kataloge u. a. ein„Teütſch Lautenbuch“, Tabula⸗ turbücher, ferner Werke von Paleſtrina, Vadiana und Orlando di Laſſo(Neue deutſche Lieder, 3 Bde., u. a.) als vorhanden anführen. Mehr Glück hatte ich mit dem Nachweiſe einer vom Grafen Eberhard zu Erbach und deſſen Lehrer, dem ſpäteren Kaiſerl. Rat Joh. Marquard 1527 in Padua angefertigten Abſchrift der lateiniſchen Ueberſetzung von Homers Odyſſee durch den Griechen Manuel Chryſoloras im Gräflich Erbachiſchen Geſamthausarchiv*), ſowie neuerdings bei der Suche nach einem nach Ausweis der alten Verzeichniſſe früher vorhandenen Frühdrucke von Cicero, de officiis, 1466 in Mainz von Fuſt und Schöffer gedruckt. Mußte es mir ſchon auffallen, dieſen ſeltenen Druck in der Fürſtenauer Schloßbibliothek anzutreffen, ſo wurde meine Vermutung, das früher in der Michelſtädter Kirchenbibliothek befindliche Exemplar vor mir zu haben, zur Gewißheit durch einen Eintrag des Grafen Franz zu Erbach⸗Erbach in den erſten Band ſeines wundervoll ausge⸗ ſtatteten Monumentalkatalogs über die von ihm angelegten Sammlungen. Im Ritterſaalkatalog Nr. 1 iſt im Eingang des Abſchnittes: Kurze Nachricht von den Turnieren S. 51 als Buchſchmuck für eine Initiale eine alte Anſicht des Fürſtenauer Schloſſes verwandt, über deren Herkunft der Graf S. 65 f. genauere Mitteilungen macht. Die Anſicht ſei einer Handzeichnung nachgebildet, die in einem Inkunabelbande der Michelſtädter Kirchenbibliothek, Cicero de officiis auf dem Rande den Worten des 1. Buches(1 39, 139): Ornanda est dignitas domo,.. nec domo dominus,
¹) Mitteilung des Herrn Prof. Dr. Liſt, Kaiſerl. Bibliothekars in Straßburg, nach Angaben des † Oberpfarrers
Wagner. ²) Ich folge hier lediglich den Angaben des Herrn Dr. C. Borchling in Göttingen, der im verfloſſenen Jahr die Kirchenbibliothek deſuchte, um deren deutſche Handſchriften aufzunehmen. ⁵) Vielleicht regen dieſe Zeilen zu weiteren Nachforſchungen in Archiven und Bibliotheken an. ⁴) Mitteilungen, 8. Ueber dieſe Hſ. handelt im Breslauer Vorleſungs⸗ verzeichnis für das Winterſemeſter 1862 ein Ungenannter(vermutlich He. Frid. Haase, damals Dekan der philoſ. Fakul⸗ tät), der hier die Hſ. als ſein Eigentum bezeichnet, unter dem Titel: Miscellaneorum philol. liber IV: cap. I odysseae a Manuele Chrysolora latine translatae specimen. Der Verfaſſer verwechſelt übrigens S. 6 den Grafen Eberhard mit deſſen älterem Bruder Georg, wenn er jenen mit der Pfalzgräfin Eliſabeth verheiratet ſein läßt.


