— 7—
Beim edlen rebenſaft, ſo ſchan Dabei landt vnd leüt mochten bſtan.
Indem man alle freüntſchafft drinckt So man freüntlich vff kuntſchafft bringt. Das bhält leüt, ſtätt, vnd gmeynen nutz, Iſt auch für groſſer bocher trutz. Welchs die Philoſophi bewehrn Das man ehe vnd baß kündt entbern
Den lufft, vnd fewr, wannn) die freüntſchafft Welch allzeit der edel wein ſchafft. Ein zuofluocht der armen er iſt, Auch der reichen, zuo aller friſt.
Ergetzlichkeyt, ein kurzweil frei, Sing was du wilt, ich bleib dabei.
Wen macht doch nit der wein beredt, Im Horatio gſchriben ſteht
Vom Ennio, nichts dichten kundt Wer dann von wein getruncken rundt. Homerus, den glerten bekant, Würt der vol Homerus genant.
Schreibt von jm ſelbs, er nichts kundt than, Muoßt vorhin wol getrunken han.
Hiermit ſchließen wir unſere Skizze„Vom Zutrinken“. Wenn heute nach Jahrhunderte langem Kampfe immer noch von einem großen Teile unſeres Volkes das Wort gilt:„all arbeit wir Teutſchen vertragen ohn Durſt, daran tun wir verzagen“²), ſo haben wir erſt recht Anlaß, Männern wie Schwarzenberg in ihrem Kampfe gegen dies deutſche Erbübel nachzueifern, denn wenn es einen Fortſchritt auf Erden gibt, ſo müſſen die auf Eindämmung des Mißbrauchs geiſtiger Ge⸗ tränke abzielenden Beſtrebungen dereinſt doch den Sieg gewinnen.
I'
Nachträge zu den 1o0oz veroffentlichten mitteilungen über die Michelstädter Kirchenbibliothek.
Bei der Abfaſſung der 1902 ausgegebenen Mitteilungen) war mir die liebevolle Skizze noch nicht zugänglich, die der engliſche Bibliograph William E. A. Axon(Mancheſter) im Herbſt d. J. 1901 der Michelſtädter Kirchenbibliothek gewidmet hat“). Bei Gelegenheit eines von Miltenberg aus unternommenen Ausfluges hat er in Michelſtadt auch die Bibliothek beſucht und dieſe auf Grund eines kurzen Beſuchess) in einer Weiſe gewürdigt, die einen ſcharfen, findigen Blick für das Cha⸗ rakteriſtiſche dieſer Stiftung des ausgehenden Mittelalters beweiſté).
Der in meinen Mitteilungen S. 8 oben verzeichnete Holzſchnitt, der auf die Innenſeite des Deckels der Handſchrift von Hieronymus Briefen(Nr. 686) aufgeklebt iſt, erwies ſich bei näherer Unterſuchung als von Dürer herrührend oder dieſem mindeſtens ſehr nahe ſtehend. Als ich Herrn Profeſſor W. L. Schreiber, dem hochverdienten Herausgeber des Manuel de l' amateur de la gravure, eine Reproduktion des Bildes vorlegte, war er ſofort der Meinung, daß nur Dürer etwas der Art zu zeichnen imſtande geweſen ſei, worauf er feſtſtellte, daß das Blatt identiſch iſt mit dem von Paſſavant, Peintre-graveur, Leipzig 1862, Bd. III 182 Nr. 188 beſchriebenen. Der Holzſchnitt iſt ferner verzeichnet bei Heller, Albrecht Dürer, Nr. 2016, bei v. Retberg, Dürers Kupferſtiche und Holzſchnitte, München 1871, Anhang S. 126 unter A 63. Von Retberg, der das Blatt— offenbar zu hart— als etwa einen der früheren, noch ſchwachen Verſuche der Dürerſchen Werk⸗ ſtätte beurteilt, beſchreibt es wie folgt. Der Heilige kniet mit einem Strahlennimbus links, nach rechts gewendet, mit einem Stein in der rechten Hand und ſein Gewand vor der Bruſt mit der linken Hand öffnend; rechts ein Baumſtumpf, in den oben ein Kruzifix geſteckt iſt und woran ſein Mantel und Kardinalshut hängen; ganz vorn der Löwe, rechts gewendet; hinten rechts Bäume, oben in der Luft zwei Vögel, links das Chor einer Kirche, vom Rand überſchnitten. Das Blatt kommt nur
¹):als. ²) Albertinus de convivis et compotationibus. München, 1598. Vgl. Strauch a. a. O. S. 98. ³) Beilage zum Jahresberichte der Realſchule zu Michelſtadt, 1902. ⁴) The Library II, London 1901, 405— 412: The Church Library at Michelstadt im Odenwald. ⁵) Dadurch entſchuldigt ſich das Verſehen, daß S. 411 infolge eines Fehlers in der von Oberpfarrer Wagner aufgeſtellten Liſte von Inkunabelnummern nach Hain des Jaſon von Mayno Epithalamion in nuptiis Maximiliani regis fälſchlich als vorhanden genannt wird. ⁶) Ich wiederhole hier das ſympathiſche Urteil, das Axon S. 412 über die Bibliothek fällt. A library like that at Michelstadt is one in which a book lover might be content to browse for a long while and in a leisurely fashion. Er ſcheidet von da with pleasant memories of the little library founded by a lover of learning in the heart of the Qdenwald four hundred years ago.


