Aufsatz 
Mitteilungen über die Michelstädter Kirchenbibliothek / von Adam Klassert
Entstehung
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esse non dubito Blättchen Halbmond Explicit liber beati Augustini Episcopi, ad Eu- tropium& Paulum Episcopos, de definitionibus quae dicuntur Celestii, vel aliter de perfectione iu- stitiae hominis. 3 Blättchen. 16 Blätter in 4⁰, Signatur(Ai) bis Di(Da), mit Randhilfen in gotiſcher Schrift. Das Titelblatt hat einen reichen Rahmen im Renaiſſanceſtil mit(zuſammen 4) phantaſtiſchen Putten, die oben Blumengewinde, neben Gefäße halten. Unten 2 in Pferdeleiber auslaufende Frauengeſtalten, Schalen emporhebend; oben in der Mitte in Pflanzen übergehender, geflügelter weiblicher Oberkörper. Bl. 1 b: Initial O, 2 a: C mit Reiher(Charitas). Im Gegen⸗ ſatz zur Editio princeps(Baſel 1506) und allen übrigen bis auf die Wiener(1902, pag. 17, al. 22 Sqq, c. 86, 20:.. caritas autem, quae in his tribus maior:) est, non auferatur, sed augeatur et impleatur contemplata quod credebat et quod sperabat indepta.) iſt in dieſem Druck Bl. B 3 a. offenbar um das Verſtändnis zu erleichtern, die ſeltene Form indepta durch das gebräuchliche adepta erſetzt worden. Die auf der Rückſeite des Titelblattes ſtehende Vorrede, beginnend:(Linden⸗ blättchen) Christiano Lectori Humili(Lindenblättchen) Tatem Animi(Lindenblättchen), und Zeile 33 f. ſchließend: Ex cubiculo nostro MCCCCCXII.(Blättchen), iſt darum merkwürdig, weil hier Luthers Rechtfertigungslehre ſo vorgetragen wird, wie ſiesſich zuerſt in deſſen Briefe vom 8. IV. 1516 an Joh. Spenlein findet²). Es wird hier als Lehre Auguſtins, des Herausgebers und der Heiligen Schrift behauptet:nemo vitio carere potest; exauditis precationibus nostris per fidem in Christi promissa reddimur iusti; peccatur in quolibet etiam bono opere, idque ob Charitatis defectum, quem et vitium et peccatum appellare nusquam prohibet scriptura. Will man 1512 als Druckfehler) ſtatt 1522 auffaſſen, ſo könnte ſich vielleicht Luther, der damals auf der Wart⸗ burg weilte, als Herausgeber erweiſen.

Den Urdruck des 1. Teils von Luthers Ueberſetzung des Alten Teſtaments(5 Bücher Moſis), nach dem auf der Rückſeite des 6. Blattes am Ende der Vorrede ſtehenden Signet, der Ehernen Schlange, von Melchior Lotther d. J. gedruckt, enthält D570: Das All te Teſta ment Deutſch M. Luther Qllittemberg. Das hieſige Stück hat alle 11 Holzſchnitttafeln; es ſchließt am Ende eines Blattes mit Korrekturen(Bl. c 3 b) die ewr veter nicht geehret haben. Nachdem Lotther noch 1523 dieſen 1. Teil vollendet, entzog ihm Luther den Druck der folgenden Teile, um ihn an Cranach und Döring zu vergeben. Die beiden anderen Teile ſind im Nachdruck mit dem Urdruck des 1. Teiles zu einem Bande verbunden, den nach der Aufſchrift der Altariſt Joh. Schoneck zu Fürſtenau für 17 Albus gekauft hat: b: Das annder teyl des alten Teſtaments, Straßburg, Knoblauch 1524;: Das dritt teyl des alten Teſtaments, Baſel, Petri 1524. Einem Straßburger Nachdruck von Luthers Ueberſetzung des Neuen Teſtaments von Wolff Köphl in D 568 a. d. J. 1531 iſt eine 1530 von demſelben gedruckte Konkordanz beigegeben, die eine Widmung des Heraus⸗ gebers Leonhard Brunner, Predigers zu Worms, an den Landgrafen Philipp von Heſſen trägt. Die Züricher Bibel von 1545 enthält D 532, D 618(aus dem Nachlaſſe des 1627 Grafen Jo⸗ hann Kaſimir zu Erbach) die ſpaniſche Bibel von 1569, die, in Baſel von Samuel Apiarius aus Bern und Theodor Guarin gedruckt, wegen des Signets des Apiarius, das einen den Bienen Honig ſtehlenden Bären darſtellt, gewöhnlich Bärenbibel genaunt wird. An die hUeberſetzungsarbeiten der Wiedertäufer endlich erinnern 967 b: Der prophet Maleachi.. verdeütſcht durch Ludwig Hätzer. O gott erlöß die gefangnen MDXXVI., Baſel, Thomas Wolff, ſowie die berühmte, bei Peter Schöffer d. J. in Worms¹) von Hätzer und Denk 1527 herausgegebene Ueberſetzung der Propheten: Alle Propheten nach Hebraiſcher Sprach verteutſcht(D 593) in Folios).

¹) vgl. 1 Cor. 13, 13. ²) Enders, Luthers Briefwechſell 28 ff. ³) Man könnte auch an eine gefliſſentliche Irre⸗ führung der Zenſur denken.) Den zweiten datierten Wormſer Druck des jüngeren P. Schöffer, den F. W. E. Roth, Buch⸗ druckereien zu Worms a. Rhein, 1892, 23 nur unvollſtändig kennt, habe ich Mitteilungen S. 16 oben nach den zwei hieſigen Exemplaren angeführt. Als weitere Ergänzung zu Roth 33 ff. mögen hier noch 2 Drucke von Sebaſtian Wagner genannt werden. In B 46 iſt enthalten: Gerichtsordnung der Graueſchafft Naſſaw. Zu Wormbs truckts Seba⸗ ſtianus. Wagner. 14 Bl., d. I. leer, Bl. 13 b: In der Keyſerlichen Frei⸗ ſtatt Wormbs truckts Sebaſtianus Wag⸗ner, Im

Tauſent, Fünfhundert dreiſſig vnnd fünfften jar. B 47= E 870 a: Des Heyligen Römiſchen Reichs Ordnungen.. im(m) jar 1538 auffgericht..; vorletzte Seite: MDXXXIX(1539), Seb. Wagners Vorrede(Bl. II b) iſt vom 30. Jan.

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1539.) Vgl. darüber F. W. E. Roth, a. a O., S. 11 ff.

Druck von S. Reis, Beerfelden.