Aufsatz 
Mitteilungen über die Michelstädter Kirchenbibliothek / von Adam Klassert
Entstehung
Einzelbild herunterladen

11

zu leſenim fünfzehnhundertſten Jahr und müſſen dann einen Ausfall der minderen Zahlvnd fünfzehnten annehmen, es müßte denn wirklich eine Aufführung bereits im Jubeljahr 1500 ſtatt⸗ gefunden haben) oder der Drucker die Käufer des Büchleins abſichtlich in Irrtum haben führen wollen, indem er die Aufführung um fünfzehn Jahr zu frühs) anſetzte. Andererſeits könnten wir es auch mit einem Faſtnachtsſcherzs) des Dichters zu tuen haben, der es dem Leſer anheimgab, wenn er ſich nicht in die Irre führen laſſen wollte, die Angabe von rückwärts, gewiſſermaßen he⸗ bräiſch, zu leſen: im hundert und fünfzehnten Jahr, wobei die Zahl der Jahrhunderte, wie das mundartlich vorkommt, der Bequemlichkeit zuliebe ausgelaſſen wäre.

Meine Vermutung, die S. 18 f. beſprochene Dichtung habe Thomas Murner zum Verfaſſer, hat zu meiner Freude den Beifall von Kennern wie Ernſt Martin, dem Herausgeber der Baden⸗ fahrt und Bearbeiter von Murners Leben und Schriften in der Allgemeinen deutſchen Biographie, und M. Spanier, dem Herausgeber von Murners Narrenbeſchwörung, ſowie des Reuchlinbiographen Ludwig Geiger gefunden. Die Veröffentlichung der ſeltenen, nur in Michelſtadt vollſtändig vor⸗ liegenden, 1530 Verſe umfaſſenden Schriſt, die kulturgeſchichtlich und ſprachlich des Intereſſanten genug bietet, erfolgt in dem von dem literariſchen Ausſchuß des Vogeſenklubs herausgegebenen Jahrbuch für Geſchichte, Sprache und Literatur Elſaß⸗Lothringens).

Ich ſchließe mit dem Hinweis auf einige weitere, in den letzten Mitteilungen nicht genannte Seltenheiten der Michelſtädter Kirchenbibliothek. Auf Murners Entehrung Mariä folgt im Sammel⸗ band E. 905 als Nr. 25 der Vierblattdruck: Hernach folgt des Blut hundts der ſich nennet eyn Türkiſchen Keyſer, gethaten,..(darunter ein Holzſchnitt, eine Kampfesſzene darſtellend). Auf die Schilderung der Greuel in der Schlacht am 28. Auguſt, der Einnahme von Ofen⸗Peſth durch die Türken am 8. September und der Einnahme von Fünfkirchen folgt S. 6 die Verluſtliſte der kaiſer⸗ lichen Truppen, woran ſich S. 7 die Worte ſchließen: Darauff wölt jr Brüder vnd Schweſter.. vnſern ſeligmacher, erlöſer vnd Schöpffer bitten vnd anſuochen, das er vns ſeyn Göttliche genad.. wölle verleyhen, vnd ferner vor dem bluothund verhütten, vnd vns allen, eyn eynigs weſen vnd frid, den wir zuohaben bedürffen, mitteylen, Amen. Ausgangen den x x x tag des monats Sep⸗ tembris. Anno M. D. x x vj.(1526!); die folgende Nr. 26 gibt in 6 Blättern: Des pabſtlichen rhedners potſchaft Francisci Cheregati erwelten Biſchofs zu Aprutin, Fürſten von Teram, zue Nüremberg in der theutſchen Fürſten rhat Am xix tag des wintermonents beſchehen, Anno! vrr ij(1522)(Rahmen mit je 2 Putten auf den Seiten, oben ein Pferdeſchädel, unten eine Maske; Bl. 5 b auf dem Rand der Druckfehler: Hungern von theutſchen(!) zu rhettens). Aus der volkstümlichen Literatur ſeien noch angeführt Peter Creutzers, eines Schülers des Aſtrologen Lichtenberger, Kometenbüchlein(1527) in Nr. 939 und in 950 Cyriakus Spangenbergs Eheſpiegel, Eißleben 1596.

Der meiſtens Drucke a. d. J. 1522 enthaltende Band E. 902 birgt eine ſonſt ganz unbekannte Ausgabe von Augustinus: de perfectione iustitiae hominisé).(Cateiniſcher Druck, die 3 erſten Zeilen des Titels in großen Buchſtaben:) De Perfectione lustitiae Hominis Tractatus Beati Augustini Episcopi Qui de definitionibus Celestii tra ctans in hac totus est senten- tia lustos non esse sine pec cato,& nos fide red- di iustos, confessio ne aut(em) veraces (Blättchen) Versa pa(Blättchen) gella li mina ris epistola praefationen dabit le ge& pro- babis, Blättchen(Motto:) Omnes declinauerunt, simul inutiles fa- cti sunt, non est, qui faciat bonum, non est vsque ad unum?), Bl. 16 b:& ore omnium anathema tisandum

¹) Daß dies ſachlich nicht unmöglich wäre, glaube ich, Mitteilungen, S. 17, bewieſen zu haben. ²) Er könnte dazu durch das Beiſviel Joh. von Morßheims veranlaßt ſein, der in der Vorrede zu ſeinem 1515 zu Oppenheim erſchienenenSpiegel des Regiments(Nr. 9 des hieſigen Sammelbandes E. 905) S. 3 auf das Jahr 1497 zurückgreift. 2) Während S. Singer im Neuen Berner Taſchenbuch a. d. J. 1903, S. 246 die von Goedeke, Gengenbach, S. 160 ff. abgedrucktePractica zu teütſch vff das XVC. vnd new Jar. Gemacht durch doctor Nemo Er⸗ klerende die großen v(n)d wunderbarliche(n) geſchichte n) antrefe(n)d geiſtlich vnéd) weltlichals auf das Jahr 1501 verfaßt anſieht, faſſe ich auch hier die Datierung nur als Scherz auf. Dieſe Verhöhnung aller Praktiken, Gengenbachs eigene nicht ausgenommen, ſollte, wie der Hundertjährige Kalender, für jedes beliebige Jahr des 16. Jahrhunderts Geltung haben: XVc. vnd new Jar bedeutet nichts weiter alsauf das fünfzehnhundert und x te oder n te Jahr. 4) Die Ausgabe erfolgt im Herbſt. Dem im Druck bereits vorliegenden Text habe ich die Nachbildung der Holzſchnitte und die nähere Begründung meiner, Murners Autorſchaft behauptenden Hypotheſe beigegeben. 5) Panzer, deutſche An⸗ nalen, Nr. 1565.) Nicht vorhanden u. a. in München und, nach Mitteilung der Geſchäftsſtelle des Kön. Preuß. Ge⸗ ſamtkatalogs, in Berlin und auf den K. Pr. Univerſitätsbibliotheken. Auch die Ausgabe von F. Vrba und Joſ. Zycha im Corp. Script. Eccles. Vol. 42, Wien 1902, kennt dieſen Druck nicht. 7) Paulus a. d. Römer, 3, 12; Pſalm 13, 3.