Aufsatz 
Mitteilungen über die Michelstädter Kirchenbibliothek / von Adam Klassert
Entstehung
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nemmenn) zeytliche narung, vnd zuo uilmaln ein gantzes verderben ſein ſelb Weyb vnnd kinder volgen muoß²). Wieuil tapfer lewt ſehen wir alle tag, die bey hab guot weyb vnnd kindern in eren leben, vnd zuo groſſen dingen kommen möchten wo ſy das teglichz) trincken nit zum müſſig geen verlaſſung vnd verſamnuß irer narung vnd gantz in das ellend müſſigeta).

Zum Achten, werdenn durch ſolichenn vnerlichen myßbrauch des Zuotrinckens alle gutte künſten vnd geſchicklikeiten vorhindert, dann ob wols) das natürlich liecht der vernunft manchen menſchen dermaſſen eingepflantzt würdt, das er vor andern neygung vnd geſchickligkeit hat guote künſté) zuo lernen, ligt doch dyſes laſter jme dagegen alſo im weg, das nit möglich iſt, das zuo erlangen darzuo in ſein eingepflantzte geſchicklikeyt het füren vnd erluſtigen mögen.

Zum Nünden?,, dieweil ein yedes gleich, ſein gleich natürlich ſucht vnd liebt, ſo muoß auß der not volgen, das ein yeder zuotrincker einen andern zuotrincker, vnd alſo ein vngeſchickter einen andern vngeſchickten zuo einem geſellen vnd mit genoſſen erwele vnnd ſucht, nun gee aber ein yeder in ſich ſelbſt vnd bedenck waz lobs guts oder erlichs ein Meuſch bey einem ſolichen loſen leicht fertigens) vnd vngeſchickten man, als ſeinem geſellen(Bl. 4 a) vnd mit gemeiners) erlangen mög, ſo doch der prophet Dauid¹0) ſagt, das ein yeder bey einem heyligen heylig vnnd bey einem buoben bübiſch werden muoß, welcher nun einem leychtfertigen zuogeſellet, würdet auch(wie frum od'ſ(er) guot der iſt) bey meniglich für leichtfertig geacht vnd gemitten¹¹), dann wie das wetter bey dem wyndt, die eltern bey dem kind, vnnd ein fürſt bey ſeynem hofgeſyndti²), alſo wyrdet auch ein yeder menſch bey ſeiner täglichen geſellſchaft erkant.

Nun iſt ye erſchrockenlich zuohören, das ſouil menſchen, zum forderſten aber die in höhe, ſtend vnd wyrdigkeit, auch andern zuohören vngeſchickten ſchendtlichen laſter, vngeacht ſolicher vberhöhen beſchwerden, für¹s) vnnd für obliegen, vnnd got irem ſchöpffer täglich alſo erzurnen¹*) ſollen, wir ſeheun ye alle tag, wie es in den verſammlungen vnnd gaſtungen groſſer herrn gehalten würt, vnd was genaden ſolt doch der almechtig den oberkeytten, auch von derſelben wegen den vnderthanen in jren handlungen mitteilen, ſo er durch dyſen ſündtlichen mißbrauch der aller erbarkeyt vnd gots forcht widerſtrebt, Alſo vonn tag zu tag on not vnnd muotwilligklich beleydigt wirdt, Was meinen wir auch, das die vnderthanen ab diſem jrer obern vugeſchickten weſen für ein guot ebenbildt vnnd beſſerung nemmen mögenn, dieweyl doch die heylig geſchryfft an vil orten anzeygt, das auch die veihandn auß ſonderlichen vbertretten¹³) vnnd verſchulten irer obern zuouilmaln hoch geſtrafft worden ſein.

Es iſt je voraugen, das jetzo gar wenig freuntſchaft) geſellſchafft vnd gemeinſchaft geſucht werden mag, dan mit dem beſwerlichen¹*) laſt des zuotrinckens, vnnd je mer einer trincken vnd vngeſchickt werden kan, ye eerlicher höher vnnd gröſſer wirdet er gehalten, wie vil perſonen ſeind durch vbermeſſig zuotrincken bey fürſten vnnd herrn zuogroſſen ſtenden emptern vnnd eeren gelangt, die vmb jrer tugent fromkeit vnd redlichkeyt willen zuo dergleichen eeren nymmermeer kommenis) weren(Bl. 4 b) das hayßt) je als ich mein vnder ſchand eer, vnder laſter²o) tugent, vnnd vnder vnchriſtlichen mißpreuchenn erberkeyt geſucht, vor jaren wer ein ſolicher vngeſchickter man, bey allen erbarn perſonnen gemitten, der doch jetzundte:) darin gelobt vnnd gefordert?²) wirdt, Bedenck nun ein jeder?³) wie gar verkert vnnd ergerlich alle ſtende vnnd menſchen leben, darumb vns auch wol not iſt got den almechtigen zuobitten dze*¹) er vns ſein genad vnnd barmherzigkeit genedigklich mit⸗ teilen vnnd die oberkeyten erleuchten wöl Von diſen vnd andern offentlichen laſtern abzuoſteen Sonder auch ire vnderthanen durch fuoglichꝛs) Chriſtenlich wege von ſolchen?é) zuoweyſen, dann

191⁵ Partizip: abnehmende. ²) b müß.) b täglich.) müſſigen: zwingen, nötigen Scherz 1085; müſſiget, Irre⸗ alis der Gegenwart: zwänge. 5) ab on(wol.. würdt) das, b würt.) b kunſt.) b Neünden.) a leichuertigen. ) mit gemeiner; Zechbrüder, Murner, Narrenbeſchwörung 60, 24 f. dann ſetzen ſich die gemeiner zemen, Freſſen, ſuffen, braſſen, ſchlemmen. ¹0) gemeint ſcheinen Sprüche Salomonis XIII, 20, in der Vulgata: qui cum sapientibus graditur, sapiens erit: amicus stultorum similis efficietur.) mhd. Form für gemieden. ¹²) Wander, deutſches Sprichwörter⸗ lexikon: man kennt dasWetter beym Wind, den Herrn bey ſeinem geſindt V Wetter 141, denVater am Kind, den Herrn am Hausgeſindt IV. Vater 19; 20 denVater am Kind wie das Wetter am Wind. ¹) ab menſchen zum forderſten, aber die in höhe ſtend vnd würdigkeit auch.. laſter vngeacht.. beſchwerden für, b überhöhen. ¹⁴) b iren.. erzürnen. ¹⁹) b übertretten. ¹6) b yetzo freüntſchaft. ¹⁷) b beſchwerlichen. ¹s) a können. ¹⁹) b heyßt. ²0) b laſtern. ) b yetzundt. 2²2²): eine geſuchte Perſönlichkeit iſt.) b yeder, wie. ²⁴) b das. ²⁸) b füglich. ³⁸): Laſtern!