Aufsatz 
Mitteilungen über die Michelstädter Kirchenbibliothek / von Adam Klassert
Entstehung
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Uom Zutrincken.

Neün laſter vnnd miß⸗

breuch die Erfolge(n) auß dem ſchäntlichen zuotrinken

darmit jetz gantz Teütſch nation befleckt vnnd

veracht iſt. M D XXIII1) (Blatt 2 a, Signatur AII:)

Die beschwerden so auss dem laster der Crunckenheyt oder vbermessigs zutrinckens eruolgen.

UNter allen Hauptlaſtern vnd ſünden iſt nit das geringſt der ſchentlich vnd vnerlich Myßbrauch des zutrinckens, vnd wie wol ein yeder der ſolchem myßbrauch anehangts), ſelbs bekennen muß'), auch das werck täglich vnd offentlich anzeygt was groſſen vilfaltigen ſchaden, an der ſele, an den eren, an leyb vnd guots), dar auß erwechſté), werdenn doch die ſelben beſchwerden hyenach, mit kurtz darumb angezeygt, damit ſich der ſelben ein jeder zuo erynnern hab, vnnd dar auß vrſach neme ſich vor ſolchend) laſter deſter ſtatlichers) zuouerhüten.

Erſtlich ſo hat got durch Moyſen?) im altenn teſtament vnnd dann im heyligen euangelio, dergleichen füllerey vnnd ſchentlich mißbreuch, gar hoch verbotten, weyl nun ein yeder Chriſtenmenſch hinder das gebott vnnd wort gottes ſeynes ſäligmachers on mittel verpunden iſt, wo er dann durch ſolich vbermeſſig¹o) zuotrincken vnd füllerey da wider handelt ſo volgt je vnwpderſprechlich darauß, das er gott ſeinen ſchöpffer damit wyſſentlich fürſetzlich vnd muotwilliglich beleydigt wyder ſein eygen gewyſſen handelt, vnnd ſein ſele verdampt, dann waß wyder das gewyſſen beſchicht, ſpricht die heylig geſchryfft, das gepürt zur hellen zuo.

Zum andern ſo volgenn dyſem laſter der Trunckenheit vil ander ſünden nach, fürnemlich aber groſſe Gotsleſterung dann das ſehen wir alle tag das got ſein heylig Marter, leyden gotheyt vnnd menſchheyt nymmer höher vnd vbermeſſiger!t) geſchendt verleſtert vnd geuneert'¹²) wirdt dann durch die vngeſchicktenn vollen zuotrincker, da iſt got ſein keüſche mutter¹³) Maria, alle heyligen, ja die ſacrament vnd alles das vns zur ſeligkeit gegeben, iſt vor den ſelben vngeſchickten leichtfertigen¹) (A Il).(Bl. 2 b) leütten, nit ſicher ſy müſſen mit aller vneere vnd ſchandt angetaſt werden, ob nit ſolichs auch got dem almechtigen, der für der vorderſten gebot eins geſatzt hat, ſeinen namen zu erwirdigen ¹⁵), vnd groß zuohalten, vnnd dweil*) nach den wortten ſant Petri in ſeiner Epiſtel:*) kein nam vnter dem hymel oder der erden iſt, in dem wir müſſen ſelig werden, dann der nam gottes,[daz aber diſer mißbrauch got nits) billich¹) zu zorn vnd rachſal bewegenso) ſoll, hat ein yeder chriſt leichtlich?¹) zuo bedencken.

Zum dritten, ſo verurſacht das ſchendtlich zuotrinckenn vil zorns, zanck, haderey?²) verwundtnüs, mordt vnd todſchleg das iſt ſo offenbar vnd klar am tag das es keyner bewerung bedarff, do ver⸗ giſſet?³) ein voller aller guttat¹), lieb vnnd freüntſchaft jme von got ſeinem ſchöpffer, von ſeinen

¹) b. Vom Zuotrincken Laſter vnnd mißbrauch die ſchentlichen darauß Er⸗ folgen, darmit yetzt die ganz Teutſch Nation befleckt iſt. Anno MD xxiii: ²) b übermeſſigs. ³) b anhangt.) b muoß.) Ueber die Zuſammen⸗ ſtellung von Seele, Ehre, Leib und Gut, Zutr. 30 u. o., und deren Anklang an Schwarzenbergs Bambergiſche Ge⸗ richtsordnung vgl. Scheel S. X., ferner Hauffen a. a. O. 503. 6⁶) b. erwächſt.) b ſolche(n)(ſolche(m)?)) Cicero Pflichten Bl. 50 b(Jünglinge) kündenn gemelte groſſe Ding deſter ſtatlicher vnd baß volbringen. Zum Ausdruck (ſtattlich, wie mhd stateliche: bequem, leicht, paſſend) vgl. Schw., Zutr., Scheel S 17: werden wir ſtatlich bericht, Wie Kayſer Maximilian.. ſolchs zuotrinckens mercklich myßfallen trage. Cicero Pflichten 68 b(III 7, 33) ich glaub, das Pannetius ſolche frage gar ſtatlich erklärt(hätt).) b Moſen. ¹⁰⁶) b übermeſſig. ¹¹) b übermeſſiger. ¹²) b geuneret. ¹13) b muoter. 1¹⁴¹) a leichtfertige. ²⁵) zehren. ¹⁶) b dieweil. ¹7) Gemeint iſt Petri Bekenntnis vor dem hohen Rate, Apoſtelgeſchichte 4,12. ¹s) Das von mir eingeklammerte Anakoluth iſt vom Verfaſſer offenbar als Verhütungsſatzdaz nit.., abhängig von bedenken, empfunden worden. b. gottes billich, die eingeklammerten Worte fehlen in b.) billich: aeque mit Recht. ²0⁰) a raſalbegewen, rachſal: Rache vgl. die Beiſpiele bei Grimm:(Die Amazonen) billiche rachſall mit mannlichem gemuot an den feinden übeten, S. Frank, Chronik 17a; das nitt.. mich einich bewegnuß des rachſals zu widergeltender ſtraf entzünde. Herzmaner 60a.) b leychtlich: leicht, Cicero Pflichten 35a(1 40, 145 facile ap- paret) gar leychtlich vermerkt wird. ²²) haderei: Streit, von Grimm u. a. aus Nürnberger Polizeiordnungen 44 belegt. 23) b vergiſt. ²⁴) guotthat.