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welche Gorgonzola im Titel erwähnt, iſt offenbar die 1504 in Mailand bei Alexander Minutianus impensa communi cum Nicolao Gorgonzola presbytero gedruckte(Panzer) VII 380). Auch Gorgonzolas Valerius Maximus erlebte mehrere Auflagen(Panzer VII 375, 62: 1508 und IX 534, 97: 1510 ex officina Nicolai Gorgonzolae: Ergänzung zu VII 390).
Mit der Geſchichte der Buchdruckerkunſt beſchäftigen ſich ausgeſprochen die folgenden Werke der Kirchenbibliothek. Der Progreſſus patrum ab initio mundi(fasciculus temporum) des Karthäuſers Werner Rolevinck(A 19) verlegt in einer Bemerkung zum Jahre 1457(Blatt 64 b der Ausgabe von Winters a. d. J. 1476) den Urſprung der ſchwarzen Kunſt in die Stadt Mainz: Et impressores librorum multiplicantur in terra ortum sue artis habentes in Maguntia. Sehr wertvoll iſt das Zeugnis, durch das in Johann Schöffers, des Sohnes von Peter Schöffer, deutſchem Livius vom Jahre 1505 Johann Gutenberg die Priorität der Erfindung vor Peter Schöffer zuerkannt wird. Die dem Johann Schöffer in den Mund gelegte Widmung an Kaiſer Maximilian ſagt ausdrücklich, die wunderbare Kunſt der Trückerey ſei anfengklich und im erſten von dem kunſtreichen Johann Güttenbergk in der loblichen Stadt Mentz„Do man zalt nach Chriſti unſeres Heren Gebürth 1450 Jare erfunden und darnach mit Fleiß, Koſt und Arbeyt Johann Fuſten und Peter Schöffers zu Mentz gebeſſerth und beſtendig gemacht worden“(B 65). Dies Zeugnis, das ausdrücklich den vorher im Mercurius Trismegistus des Marsilius Ficinus von 1503(B. 90), unmittelbar nach Peter Schöffers Tod, von deſſen Sohne Johann erhobenen Anſprüchen die Berechtigung beſtreitet, rührt nach Heinrich Heidenheimers Nachweis im zweiten Bande der Zeitſchrift für Bücherfreunde von Ivo Wittig her, der 1507 als Domherr und Profeſſor des Kirchenrechts in Mainz ſtarb. Erſt nach Wittigs Tode wagte es Johann Schöffer, öffentlich auf ſeine frühere Behauptung von ſeines Großvaters Johann Fuſt und ſeines Vaters Priorität zurückzugreifen(1515 im Nachwort zur Frankengeſchichte des Johann Trithemius), eine Auffaſſung, die ſich ſogar das kaiſerliche Privileg für die lateiniſche Liviusausgabe von 1518 zu eigen gemacht hat). Die Kirchenbibliothek beſitzt auch die Schrift des Polydorus Vergilius de inventoribus rerum in der Straßburger Ausgabe von 1512²)(mit M. Antonii Sabellici Carmen de inventoribus von Mathias Schürer gedruckt) und die bedeutſame Schrift zum Lobe der Buchdruckerkunſt und Johann Gutenbergs,³) die Johannes Arnold Bergellanus 1541 bei Franz Behem in Mainz erſcheinen ließ: De chalcographiae inven- tione poema encomiasticum(Nr. 429 und 189, 6.)
Beſonders zahlreich vertreten ſind die Schriften der Humaniſten und des Reformationszeitalters. Neben den Werken des Laurentius Valla, Wimpheling, Murmellius, ſowie den philologiſchen und theologiſchen Schriften von Erasmus und Melanchthon finden wir Hunderte von Originaldrucken Lutherſcher Schriften, daneben eine große Zahl katholiſcher Verteidigungsſchriften von Murner, Alveld, Eck, Cochleus u. a. Von Luthers Schriften ſeien aus früherer Zeit erwähnt:(In 895) Ein nützlich und faſt troſtlich predig oder underrichtung, wie ſich ein Chriſtenmenſch mit frewden bereyten ſol zu ſterbenn, Beſchriben durch Doctor Mar. Luther Auguſtiner(1519; Druck T der Weimarer Lutherausgabe II 680 ff.); in 890 Luthers Predigten über die 10 Gebote(gehalten 1516/17 in Wittenberg) nach der lateiniſchen Ausgabe von 1518 deutſch herausgegeben von Bruder Seb. Münſter, Baſel 1520 Petri*); am Anfang fehlt Titel, Vorrede und Regiſter, vom Text fehlen die letzten 6 Blätter(Haupttitel: Der Zehen gebot ein nützliche erklerung..); Bl. 1 a Hübſche er⸗ klerung der zehen gebot durch D. Martinum Luter. Von der Schrift De captivitate babylonica ecclesiae praeludium ſind zwei alte Ausgaben da, 907 von dem jüngeren Melchior Lotter in Wittenbergs) und 906 mit Luthers Bildé), in 901 außerdem Murners deutſche Überſetzung mit dem Zuſatz:„Den gewalt man dultig leiden ſol vnd ſchütten vff des feynds haubt kol. So ſygt der
¹) In trefflicher Weiſe orientiert über die hier erwähnten Fragen Dr. Heidenheimers in K. G. Bockenheimers Feſtſchrift zur Mainzer Gutenbergfeier 1900 erſchienene Abhandlung: Vom Ruhme Johannes Gutenbergs.
²) F 28a im 7. Kapitel wird hier ebenſo wie in der erſten Ausgabe von 1499 Peter Schöffer als Erfinder bezeichnet..
³) Dr. Heidenheimer läßt ihr a. a. O. S. 40—56 zum erſten Male die verdiente eingehende Würdigung zuteil⸗ werden..
⁴) A. v. Dommer, Lutherdrucke der Hamburger Stadtbibliothek, Leipzig 1888, Nr. 97. Bilder Nr. 36a; Wei⸗ marer Ausgabe 1 394 ff.: Druck b, den aber v. Dommer für älter als a hält. Walch III 1692—1995 gibt dieſe originelle deutſche Überſetzung nur ſehr ſtark verwäſſert wieder..
⁵) v. Dommer Nr. 169= Knaake VI 492 Urdruck A. ⁶) Knaake(Weimarer Ausgabe VI) E(Petri, Baſel).


