Aufsatz 
Das neue Realschulgebäude
Entstehung
Einzelbild herunterladen

11

b

Geburtsfeste unseres Kronprinzen betende Wünsche für ihn emporsenden zu dem Herrn aller Herren, und so in weihevollster Begeisterung ihm, des wiedergeborenen Vaterlandes Ehre und Stern, unbe- grenzte Liebe und unwandelbare Treue geloben mit dem jubelnden Zurufe: Seine Kaiserliche und Königliche Hoheit, unser theurer, vielgeliebter Kronprinz, er lebe hoch!

In dieses Hoch stimmte die Versammlung begeistert ein, ebenso in die von dem Chor an- gestimmte Nationalhymne. Mit dem Gesange des gemischten Chors:Ach bleib mit Deiner Gnade! erhielt die Feier in der Aula ihren Abschluss.

An dieselbe schloss sich unter der Führung des Direktors eine Besichtigung des Gebäudes, welche allen Theilnehmern sichtlich Befriedigung und Freude gewährte und in ihnen die Ueber- zeugung begründete, dass das Gebäude und seine Ausstattung selbst den höchsten Anforderungen genügt, welche an dasselbe gestellt werden können.

Am Nachmittag vereinigte ein Festmahl in dem Gasthause des Herrn Koch die Mitglieder der königlichen und städtischen Behörden, sowie zahlreiche Freunde und frühere Schüler der Anstalt. Die Reihe der Toaste eröffnete der Herr Oberpräsident durch ein mit lautem Jubel begrüsstes Hoch auf Seine Majestät, unsern allverehrten König und Kaiser. Es reihten sich hieran zahlreiche Toaste, welche die Versammlung in erhöhte Feststimmung versetzten; dieselbe erreichte ihren höchsten Punkt, als gegen Schluss des Festes aus der Privatkanzlei Seiner Kaiserlichen und Königlichen Hoheit des Kronprinzen die Mittheilung eintraf, dass unsere Realschule Aussicht habe, den Namen Höchst- desselben führen zu dürfen. Eine sofort abgesandte Depesche an Seine Kaiserliche und Königliche Hoheit drückte Höchstdemselben den ehrerbietigsten Dank und die aus treuesten Herzen kommen- den Glückwünsche der Festversammlung zu dem Höchsten Geburtsfeste aus.

C. Besehreibung des Ielen Schulgebäudes.

Die nachstehende Beschreibung bedarf, weil sie nicht von einem Techniker, sondern von einem Schulmanne verfasst ist, vor den Augen des Bauverständigen jeglicher Nachsicht; doch steht zu hoffen, dass dieselbe unter Zuhülfenahme der in der lithographischen Anstalt des Herrn P. Israel in Wannfried angefertigten beiliegenden Zeichnungen ein genügend klares Bild des neuen Gebäudes zu geben im Stande ist. In Betreff der Zeichnungen bemerke ich noch, dass die perspektivische Ansicht von dem Herrn Zeichenlehrer Troll, die Grundrisse von dem Herrn Techniker Holzapfel, einem Zöglinge der Anstalt, gezeichnet sind.

Das Gebäude liegt auf dem Cyriakusberge, luftig und in gesunder Umgebung, nahe den Hauptstrassen der Stadt, dem Markt und dem Staad, aber doch vor dem Geräusch des Verkehrs gesichert, und durch sechs Strassen, welche in seiner Nähe zusammenlaufen, von allen Theilen der Stadt gleich leicht zu erreichen. Das Grundstück hat eine Länge von 48 m von N. nach S., eine Breite von 31,20 m von O. nach W., also eine Grundfläche von ppr. 1500 qm; der Raum ist daher etwas knapp zugemessen; allein dieser Uebelstand, welcher dadurch bedingt ist, dass der Hoos'sche Platz zum Bauplatz gewählt wurde, weil er bereits Eigenthum der Stadt war und in der Stadt sich ohne sehr bedeutende Kosten ein vollkommen geeignetes Terrain nicht beschaffen liess, wird dadurch

2*