— 2— einigermassen ausgeglichen, dass die anliegenden verkehrslosen Strassen zu dem Spielplatze mit zu- gezogen werden können. Durch die Lage des Bauplatzes und die Nähe des Bürgerschulgebäudes, welcher das Licht nicht verbaut werden durfte, wurde gleichfalls die Richtung des Gebäudes von N. nach S. gegeben, während aus ästhetischen Rücksichten die Richtung von O. nach W. den Vor- zug verdient hätte, um die Hauptfront der Richtung der Strasse parallel zu erhalten. Jedoch würde in diesem Falle die ganze Anlage ein Verstoss gegen die Lehre vom Sonnenbau gewesen sein, da dann die weitaus grösste Zahl der Klassen auf der Nordseite gelegen hätte, während sie jetzt von Westen ihr Licht empfangen. Der Baugrund, bunter Sandstein, ist ein sehr günstiger; nur im Norden, wo das Gebäude unmittelbar an den steilen Abhang des Berges herantritt, sind bedeutendere Fundamentirungsarbeiten nöthig geworden.
Das Schulhaus besteht aus einem Mittelgebäude von 36 m Länge und 13,80 m Breite, mit einem 6,18 m breiten, um 0,90 m hervorspringenden Risalit in der Mitte der Ostfront, in welchem sich das Hauptportal befindet, und aus zwei an den Hauptbau sich im Norden und Süden unmittelbar anschliessenden, nach Osten gerichteten Flügeln von 7,40 m Breite, so dass die Fronten im Süden und Norden eine Längenausdehnung von 21,20 m erreichen. Das Hauptportal an der Ostseite des Mittelbaues führt unmittelbar in den geräumigen Corridor des Erdgeschosses; ausserdem befindet sich noch auf der Südseite ein in das Kellergeschoss führender Eingang. Diesem gegenüber führt ein Ausgang zu den Abortsanlagen, welche sich an der Nordseite des Gebäudes unmittelbar an dasselbe anlehnen, so dass die Schüler diese, gegen jede Witterung geschützt, erreichen können. In den Latrinen ist das Tonnenabfuhrsystem angewandt.
Die Sockelmauern des Gebäudes sind aus rothem Sandstein 0,84 m stark und 2,80 m hoch, so dass das Kellergeschoss in vortheilhafter Weise ausgenutzt werden konnte. Die Decke desselben ist mit halber Ziegelsteinstärke gewölbt, mit Eisenbahnschienen als Widerlager für die einzelnen Gewölbekappen. Durch die ganze Länge des Geschosses führt ein mit Sandsteinen geplatteter 4,60 m breiter Corridor, zu dessen beiden Seiten ausser den Kohlen- und Holzkellern sich die Wohnung des Pedells, sowie das Laboratorium und ein grösserer Raum zur Aufbewahrung der Chemikalien befindet. Im Uebrigen ist das Gebäude ein Ziegelrohbau und enthält ausser dem Kellergeschoss ein Erd- geschoss, zwei Stockwerke, und ein mit Grossalmeröder Ziegeln eingedecktes Kniegeschoss. Die drei vorzugsweise zu Unterrichtszwecken bestimmten Stockwerke haben von Fussboden zu Fussboden die Höhe von 4 m, so dass sich die Höhe ihrer Räume im Lichten auf 3,70 m reduzirt. Das Kniegeschoss, welches als romanische Fenstergallerie dekorirt ist, hat eine Höhe von 2,30 m und ist der Höhe der Aula zugegeben, sodass dieselbe die ansehnliche Höhe von 6,30 m erhalten hat.
Ornamentalen Schmuck hat das Gebäude im Ganzen wenig; die grösste architektonische Ausbildung hat die Ostseite erhalten, auf welcher sich das 3,60 m hohe rundbogige Hauptportal befindet. Der Risalit zeigt, wie das Treppenhaus auf der westlichen Seite, in jedem Stockwerk zwei rundbogige Fenster und erhebt sich um soviel über das Halbgeschoss, dass in demselben noch ein 4,80 m. breites und 4,95 m tiefes, für eine kleinere Klasse geeignetes Zimmer gewonnen wurde. Der Risalit selbst ist mit einer Attika aus rothem Sandstein gekrönt. Die Façaden sind mit rothen Thonsteinen verblendet und werden durch den gelben Farbenton der Lisenen, Gurt- und Bandgesimse erfrischend belebt. Die Sohlbänke und das kräftige, schöne Hauptgesims sind aus rothem Sandstein. Eine Hauptzierde hat das Gebäude durch zwei überlebensgrosse schöne Figurengruppen erhalten, welche in der Terracotten-Fabrik von March in Charlottenburg hergestellt sind. Dieselben, Kunst und


