— Stadt, wo die Verhältnisse die überwiegende Mehrzahl der Bevölkerung auf das Gebiet materieller Arbeit und materieller Werthschätzung der Dinge drängen, die idealen Güter gepflegt, muss der Sinn für das Ideale geweckt, gefördert, verbreitet werden, um den ernsten Gefahren entgegenzutreten, welche das banausische Treiben, das stete Haschen nach Erwerb erzeugen muss.
So walte denn in dieser Schule vor Allem der Geist echter Frömmigkeit, welche ihre Be- thätigung findet in dem herzlichen, innigen Glauben an den dreieinigen Gott, in dessen Namen am 23. Juni v. J. die ersten Hammerschläge auf den Grundstein geführt wurden, und in der treuen, selbstlosen Erfüllung der Pflichten gegen unsere Mitmenschen. Es werde bei uns gepflegt die Kräf- tigung des Charakters, der sittliche Sinn, welcher alles Gemeine und Schimpfliche meidet und ver- abscheut, aber für alles Hohe und Edle erglüht, der wissenschaftliche Geist, welcher sich nicht mit der Erreichung der für das Leben unumgänglichen Kenntnisse begnügt, sondern dem es eine Freude ist, immer tiefer hinabzusteigen und einzudringen in das volle Verständniss der unschätzbaren Güter, welche die edelsten Geister der neuen Kulturvölker in ihren Werken aufgespeichert haben. Es sei aber unsere Schule vor Allem eine deutsche Schule, indem sie die Generationen, welche heute ihren Einzug halten und fernerhin noch halten werden in diese lichten Räume, geschickt macht, wie zu aller Lebensarbeit, so namentlich zur höchsten Arbeit der Nation, sie heranbildet zu treuen Söhnen des Vaterlandes, in ihnen weckt und belebt begeisterte Liebe und unwandelbare Treue gegen unser theures Herrscherhaus. Und diese Arbeit, wie leicht ist sie uns gemacht, die wir in einer Zeit leben, in der die Vaterlandsliebe wie ein gewaltiger Strom alle Gauen unseres herrlichen Vaterlandes durchzieht und aller Herzen mit unwiderstehlicher Gewalt an sich heran- zwingt, die wir Zeugen gewesen sind einer so wunderbaren Fülle gewaltiger Ereignisse, wie die Ge- schichte keines Volkes auf eine so kurze Spanne Zeit zusammengedrängt zu berichten vermag, denen es vergönnt gewesen ist, im bewundernden Anschauen einer Reihe grosser Männer zu leben, von denen einer genügte, die Geschicke eines Volkes in neue Bahnen zu lenken, die wir das Glück haben, unter dem Szepter des grössten und besten der Herrscher zu leben, welche je den deutschen Kaiserthron geziert haben, der des Reiches Herrlichkeit wiedergebracht und den Tag der Fülle heraufgeführt hat, dessen Anbrechen Max von Schenkendorfs ahnendes Herz vor sechzig Jahren sehnsuchtsvoll herbeiwünschte!
Von diesem Geiste, der in diesem Hause, in jedem Angehörigen der Schule leben und weben soll, haben wir lautes, öffentliches Zeugniss ablegen wollen, indem wir gerade den heutigen Tag zur Einweihung desselben auswählten, den 18. October, welcher für alle Zeiten ein hoher Ehren- und Freudentag des deutschen Volkes ist, weil er uns einst die Befreiung von dem Joche des fränkischen Eroberers brachte, weil er dem deutschen Vaterlande den hochgemuthen Helden schenkte, unsern theuern, allgeliebten Kronprinzen, der das treue Ebenbild seines kaiserlichen Vaters, gleich gross und erhaben als Mensch wie als Feldherr, ein echter Hohenzoller, als leuchtendes Vorbild dem deutschen Volke voranschreitet auf dem Wege der Ehre und der Pflicht, um dessen allver- ehrtes, männlich schönes Haupt die Tage von Weissenburg und Wörth, an denen er die Mainbrücke schlug und um die lange getrennten deutschen Stämme das feste, unzerreissbare Band treuer Waffenbrüderschaft schlang, unverwelklichen Lorbeer gewunden haben. Ja ihm, an dessen Namen sich immerdar die Erinnerungen an die glorreichsten Zeiten des zu neuer Herrlichkeit wiederge- borenen Vaterlandes knüpfen werden, schlagen unsere, schlagen aller Deutschen Herzen freudig ent- gegen, und so soll das der Schluss der Weihe dieses Hauses sein, dass wir heute an dem hohen


