werden konnten, und zahlreiche Männer, welche hier ihre Vorbildung empfangen haben und später theils ihrer Vaterstadt in Segen gedient, theils auch in weiteren Kreisen einen ehrenvollen Namen erworben haben, wie Dr. Georg Freund, Laurentius Meisner, Dr. Georg Brand, der ausgezeichnete lateinische Poet und Professor Peter Paganus, der Vicekanzler Mildener und andere sind sprechende Zeugen von der Tüchtigkeit der Eschweger Schule.— Im 18. Jahrhundert verliert die Schule all- mählich ihren Ruhm, bis sie im Jahre 1823 mit ihrem Einzuge in das sogenannte neue Haus vollständig als Bürgerschule organisirt wurde, aus welcher der Unterricht in fremden Sprachen gänz- lich ausgeschlossen war. Wer eine höhere Bildung erwerben oder sich auf den Besuch eines Gym- nasiums vorbereiten wollte, war nunmehr auf den Privatunterricht der Rektoren und Konrektoren angewiesen, deren einer, nachdem er zwei Generationen mit hingebender Treue Lehrer und Seelsorger gewesen, vorhin den Segen des Herrn auf unsere Schule herabflehte, welcher seine thätige Fürsorge zu widmen er nie aufgehört hat. Jener Zustand, dass Eschwege des öffentlichen höheren Unterrichts entbehrte, konnte nur kurze Zeit bleiben. Ein Beschluss des Kurf. Ministeriums vom 30. Januar 1839 bestimmte, dass hier eine Schule mit weiter gehenden Zielen errichtet werden sollte, und man glaubte für unsere gewerbreiche Stadt am besten zu sorgen, indem man mit den ursprünglich in Aussicht genommenen zwei Progymnasialklassen noch eine Realklasse verband. Am 26. Oct. 1840 konnte die neue Anstalt eröffnet werden, welche zwar streng genommen keine Fortsetzung der latei- nischen Schule war, aber doch an die Traditionen derselben anknüpfte, indem sie den lateinischen Unterricht obligatorisch machte. Allmählich nahm allerdings die Schule eine andere Organisation an; das Lateinische, welches von 1843 an nicht mehr obligatorisch war, fiel seit 1856 für die Realschüler ganz, und es bestanden nunmehr 4 Realklassen mit 3 progymnasialen Nebenklassen. Mit dem Wachsen der Klassenzahl hielt natürlich auch die Zunahme der Lehrer und Schüler gleichen Schritt, und die Anstalt, welche mit 2 Haupt- und 3 Hülfslehrern bei einer Zahl von 56 Schulern eröffnet war, zählte 1868 5 Reallehrer, 2 Hülfs- und je einen Zeichen- und Gesanglehrer bei 141 Schülern.
Die gewaltigen Aenderungen, welche das Jahr 1866 in Deutschland hervorrief, plieben nicht ohne Einwirkung auch auf die Schulverhältnisse, und auch für Eschwege wurde eine andere Orga- nisation der Realschule nöthig. Die Verhandlungen, welche in dieser Beziehung gepflogen wurden, führten endlich dahin, der Schule diejenige Verfassung zu geben, welche sich am leichtesten an den damaligen Zustand derselben anschloss; am 21. Februar 1868 genehmigte der Herr Minister der geistlichen, Unterrichts- und Medicinal-Angelegenheiten, dass die in Eschwege vorhandene höhere Lehranstalt zu einer Realschule II. Ordnung mit parallelen Progymnasialklassen umgestaltet werde. Infolge dieses Beschlusses wurde die Realschule, nachdem sie 27 ½ Jahr bestanden, in ihrer bis- herigen Gestaltung am 2. April 1868 von dem Rektor Fichler geschlossen, welcher seit ihrer Eröffnung an derselben segensreich gewirkt hatte, und dem die interimistische Leitung der Schule übertragen worden war, nachdem der erste und einzige Inspektor der alten Schule, Pfarrer Rossbach, welcher derselben die besten Jahre seines Lebens gewidmet und durch seine Gewissenhaftigkeit und Treue wesentlich zum Gedeihen der Anstalt beigetragen hatte, am 1. September 1867 in den wohl- verdienten Ruhestand getreten war. Er that dies, in dankbarem Hinblick auf das Gute, welches der Schule zu wirken vergönnt gewesen war, und in der frohen Hoffnung, es werde dieselbe nach weni- gen Tagen in erweiterter, vollkommnerer und schönerer Gestalt wieder eröffnet werden, um dann fortzuwirken und zu bluhen zur Ehre Gottes, zur Freude der Lehrer und Vorgesetzten, zum Wohle


