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deutschen höheren Schulen, jene goldenen Worte schrieb:„Liebe Herren, muss man jährlich so viel wenden an Wege, Stege, Dämme und dergleichen unzählige Stücke mehr; warum sollte man nicht vielmehr doch auch soviel wenden an die dürftige arme Jugend, dass man einen geschickten Mann hielte oder zwei zu Schulmeistern?“ und zugleich die Grundzüge der erstrebten Schulen angab: „Lasset uns das gesagt sein, dass wir das Evangelium nicht wohl werden erhalten ohne die Sprachen. Die Sprachen sind die Scheiden, darinnen das Messer des Geistes steckt, sie sind der Schrein, darinnen man das Kleinod trägt, sie sind das Gefäss, darinnen man diesen Trank fasset, sie sind die Kemnot, darinnen diese Speise liegt,“ da zündeten diese Worte in dem Herzen des Landgrafen Philipps des Grossmüthigen, und mit der Klarheit, Entschiedenheit und Beharrlichkeit, welche ihn, der vielleicht der bedeutendste Fürst seiner Zeit war, auszeichnen, legte er Hand ans Werk. Am Sonnabend nach St. Galli 1526 versammelte er eine Synode zu Homberg und liess dort Kirchenvisitatoren ernennen, welche auch die Schulen revidiren und tüchtige Schulmeister„anordnen“ sollten. Bereits im folgen- den Jahre um Pfingsten wurde die Universität Marburg eröffnet, welche daher in diesem Jahre die Feier ihres 350 jährigen Bestehens begehen konnte, und gleichfalls in demselben Jahre wurden eine Anzahl von lateinischen Schulen gegründet oder organisirt, unter denen besonders die zu Marburg, Kassel, Eschwege, Allendorf und Wetter bald zu hoher Blüthe gelangten, so dass schon 1529 vier Eschweger Stipendiaten in Marburg als besonders tüchtig bezeichnet werden konnten. So sind es jetzt 350 Jahre, seitdem in Eschwege eine höhere Schule errichtet wurde, welche lange in reichem Segen gewirkt hat, und unsere Einweihungsfeier, sie ist daher zugleich eine Jubelfeier.
Dieser lateinischen Schule wurde zunächst ein Haus, welches wahrscheinlich auf demselben Platze stand, wie unser neues Schulhaus, etwas später aber das Cyriakuskloster angewiesen. Der Salzgrebe Jost Becker zu Soden nämlich, welcher dasselbe im Auftrage des Landgrafen besichtigen musste, ob es nicht zu landgräflichen Fruchtböden tauglich sei, berichtete darüber am 17. Januar 1558, die zwei alte wüste„Klosterbew“ seien dem Einsturz nahe und zu Fruchtböden nicht zu brauchen; doch liessen sie sich für„die vil junge knaben, in die 200, so er in der schul funden, zu solchen christlichen wergk verordnen und zur schulen anrichten.“ Dies geschah denn auch, und so wurde der erste Schulhausbau oder richtiger Umbau für die Eschweger höhere Schule vorgenom- men; ob der Kostenanschlag, dessen Betrag Jost Becker auf 30 bis 40 fl. schätzte, überschritten wurde, wird sich nicht mehr feststellen lassen. Um diese Zeit hat die Schule pereits 5 Klassen, und sie verdankte diesen Aufschwung besonders dem ausgezeichneten Humanisten Peter Negidius aus Allendorf, welcher hier und an mehreren anderen Schulen als Rektor wirkte, bis er als Professor nach Marburg berufen wurde, namentlich aber der vortrefflichen Schulordnung des Landgrafen Moritz vom 6. Januar 1618. Ihr höchster Glanz jedoch verbindet sich mit dem Namen des Mag. Johannes Hütterodt, eines geborenen Eschwegers, seit 1621 Rektors der hiesigen Schule, welcher wie sein tüchtiger Nachfolger Mag. Johannes Croll den bedeutendsten Antheil hatte an der Schulordnung des Landgrafen Wilhelms VI. vom Jahre 1656, durch welche nach den Grundsätzen des Amos Comenius die Realien einen grösseren Einfluss in den Schulen gewannen. Im Jahre 1658, also 10 Jahre nach Beendigung jenes furchtbaren Krieges, der auch über unsere Stadt namenloses Elend brachte, zählte die hiesige lateinische Schule 218 Schüler in 6 Klassen, darunter freilich 106 in der VI., so dass offenbar diese Klasse vorzugsweise als Elementarschule wirkte. Damals konnte ein Chronist der Schule nachrühmen, dass sie mit Gottes Hulfe viel Schüͤler so weit brachte, dass sie in Hebraicis, Graecis et Latinis wohlerfahren cum fructu ad publicas lectiones in Academiis admittiret,


