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Wegmann zu Lorsch veräußert, wobei die Wiese bezeichnet wird„als hinter dem Closter über die Weschnitz gelegen, stößt oben auf das Zinßwäldlein, unten auf die Straße“ und ging dann durch Verschwägerung an die Familie Hainz über, die es c. 1779 an die Frau des Oberforstmeisters Frhr. von Haussen, Sophie geb. von Dersch veräußerte. Aus den Akten und Plänen ergibt sich, daß die Wiese dicht am rechten Ufer der Weschnitz, östlich des alten Wegs von Lorsch nach Bensheim liegt und auf zwei Seiten von Zinsfeld begrenzt istsi).
3. In einer Spezifikation der Kellerei Heppenheim vom 1. Februar 1648 heißt es unter„Fischwasser an Bächen, Weschnitzbach“: Seind von Weinheim ahn bis ahn deß Closter Lorschs Gueter hindter dem Closter uffm alten Munster genannt zwo Bäch, da solche wider zusammenfließen, werden genent die alte und newe Bach, und hat ein Keller die alte Bach zu fischen.— Nach von Schenk ver- einigten sich früher die alte und neue Weschnitz etwa einen Kilometer weiter nord- wärts als heute, dicht oberhalb der Kreuzwiese, und er beruft sich dabei auf die Sek- tion Worms der alten Aufnahme der hess. Generalstabskarten sowie zwei Pläne über das Lorscher Klosterfeld und das anliegende Zinsfeld von 1792 und 1818 Nr. 220 und 296 der Plansammlung des Großh. Hess. Haus- und Staatsarchivss²).
Kommt nun diesen Hauptbeweisstücken der von Schenkschen These in Wirk- lichkeit die Beweiskraft zu, daß sie zu der Annahme zwingen: Altenmünster hat von Anfang an auf der Kreuzwiese gestanden, und alle Gründe, die wir gegen diese An- sicht vorgebracht haben, sind hinfällig? Sehen wir einmal genauer zu.
Zunächst haben diese Urkunden und Notizen alle miteinander gemeinsam, daß sie über 6—8 Jahrhunderte nach der Zeit liegen, wo das älteste Kloster errichtet wurde. Daß in dieser langen Zeit ein Wechsel in dem Namen der ältesten Ansied- lung stattgefunden haben kann, ist prinzipiell möglich und von uns als tatsächlich er- folgt nachgewiesen. Gerade so gut aber, wie der ursprüngliche Name für die älteste Gründung des Petersklosters Lauresham auf das Tochterkloster des hl. Nazarius überging, und ersteres dann zur Unterscheidung davon allmählich Altenmün- ster genannt wurde, und ebenso wie bei der fundamentalen Anderung der Benedik- tinerabtei Lorsch das Nazariuskloster in ein Marienkloster und das zugehörige Alten- münster in ein Münster zum Hagen sich umwandelte, gerade so gut konnte der hierdurch überflüssig gewordene Name Altenmünster im Laufe von fast zwei Jahr- hunderten allmählich auf das alte Kloster bei der Kreuzwiese übertragen werden, sei es nun, daß die Ahnlichkeit des Geländes beider Klosteranlagen und ihr ehrwürdiges Alter dabei mitwirkte, denn jedes stellte ein vetus monasterium dar, sei es, daß nach der Neubegründung des Altenmünsterklosters im 13. Jahrhundert eine Neubesiede- lung der Klosteranlage auf der Kreuzwiese von eben daher stattfand. Eine Erinnerung daran, daß der Name Altenmünster nicht mehr auf seiner ursprünglichen Stätte haf- tete, scheint zudem noch im 17. Jahrhundert lebendig gewesen zu sein. Denn in der oben§ 2 unter 4 mitgeteilten Weisung des Schultheißen und Gerichts zu Lorsch vom Jahre 1620 heißt es ausdrücklich, daß das auf dem Lorscher Bruch gelegene Kloster„jetzo zum Haun genannt“ werde, was doch offenbar nur den Sinn haben kann, daß es früher anders genannt wurde.
³¹) Von Schenk in Wagner II 500/10. ³²) Hess. Quartalblätter 1905, S. 585 f.


