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Sonach erstreckt sich der Bestand des erneuerten Altenmünster, d. h. des Ma- rienklosters Monster zum Hagen bis etwa in die Mitte des 15. Jahrhunderts. Denn schon 1466 scheint es nicht mehr von geistlichen Insassen, sondern von einem Be- ständer bewohnt gewesen zu sein, der„Kühe und Viehe daroben“ hatte. Der Geist der Zeit, der am Ausgange des Mittelalters für mönchische Ideale nicht mehr günstig war, die Verpfändung der Bergstraße an Kurpfalz und die religiösen Stürme des Re- formationszeitalters taten dann ein übriges, um das auf uralter Kulturstätte errichtete und zweimal erneuerte Kloster einem unaufhaltsamen Verfalle entgegenzuführen. Und was der Zahn der Zeit nicht fertig brachte, das vollendete Pietätlosigkeit und Bar- barei, welche die Ruinen als bequemen Steinbruch benutzte. Dazu gesellte sich dann noch Beutegier und Schatzgräberei, welche die vestigia einstiger Größe immer mehr verwischte¹?²), bis der Pflug über die Trümmerstätte geführt wurde und alles gleich machte. 1620 wird des Munsters zum Haune noch einmal in einem Schreiben des Burgrafen von Starkenburg, Gerhard von Waldenburg, gedacht, worin eine For- derung von Kurmainz an Kurpfalz als ehemaliger Pfandinhaberin von Lorscher Gü- tern, nämlich„510 fl. die Erbbeständern des Hönigs vor 17 Morgen Ackers“ erhoben wird. Dann verschwindet es aus der Uberlieferung, aber noch heute bewahren ein in der Nähe gelegener Höhenzug, genannt der Nonnenrain, und eine Parzelle„Im Hohnleppen(Hagenlappen) an der Weschnitz(Flur XIX Abt. C.) sowie sücdlich davon ein Erlenhain(Erlenhag), direkt östlich von den Klosterruinen in einer sump- figen Niederung, die erst durch Abtragungen des höher gelegenen Klostergeländes ausgefüllt wurde, die Erinnerung an die letzte Phase des schicksalreichen Klosters Altenmünster.
Nachdem wir so die Umwandlung des ehemaligen Klosters Altenmünster auf dem Lorscher Bruche in ein Monster zum Hagen als einen natürlichen Vorgang er- wiesen haben, der mit der dedicatio sanctae Mariae daselbst und einer Neubesetzung aus einem Marienkloster namens Hagen nach 1238 aufs engste zusammenhängt, erüb- rigt uns noch kurz der UÜbertragung des Namens Altenmünster auf die Klosteranlage an der Kreuzwiese zu gedenken und die diesbezüglichen Angaben von Schenks zu besprechen, zumal sie die Hauptgrundlage seiner These bilden, wonach Altenmünster schon ursprünglich auf der Kreuzwiese errichtet worden ist. Diese Beweisstücke von Schenks sind folgende:
1. Am 8. September 1434 trug Fritz Gypel von Schölkrippen dem Erzbischof Dietrich von Mainz auf: sein Haus zu Lorsch, das im frongarten stand, und„eyn Wysen hinder Aldenmonster zu Lorsch, die auch sin ist“, und empfängt dann diese Stücke zusammen mit dem seither mainzischen Frongarten selbst zu Mann- lehenso).
2. Ein Lehnbrief des Pfalzgrafen Friedrich d. d. Heidelberg 1607, Nov. 24, be- zeichnet ein Erblehen der Familie Bauer zu Lorsch als Haus und Hof zu Lorsch, 2 ½ (Morgen) Acker im Rinkgarten und 3 Morgen Wiesen hinter dem alten Münster, uf einer seiten das Zinß-Wäldlin, der anderen seiten deß Klosters gut des orts zu Lorsch. Dieses Lehen kam 1655 an Jakob Schaider zu Bensheim, wurde 1607 an Joh.
*⁰) Vergleiche das Protokoll vom Jahre 1753 über daselbst gemachte Funde bei Dahl S. 230 und Urkunde Lit. P S. 66 sowie Wagner I S. 165. ³⁰) Von Schenk, Hess. Quartalblätter 1905, S. 588 f.


