Aufsatz 
Beiträge zur Geschichte des Klosters Lorsch : 2. Teil
Entstehung
Einzelbild herunterladen

43

Hagen-Rodenkirchen?*) in Betracht, welche Mönche und Nonnen umschlossen, in der Mainzer Diözese lagen wie Lorsch und sein Mutterkloster Altenmünster, die gleiche Schutzpatronin Maria hatten und, wie das Testament des Abtes Heinrich zeigt, mit Altenmünster schon seit längerer Zeit in freundschaftlicher Beziehung standen.

So erklärt sich ungezwungen, daß der Name Hagen von dem Mutterkloster Hagen am Donnersberge auf das Tochterkloster Altenmünster bei seiner Neubegrün- dung überging und sich für dieses zur Unterscheidung von den Taufpaten allmählich die Bezeichnung Munster zum Hagen einbürgerte. Eine treffende Analogie zu dieser Namensänderung bildet ein Vorgang in dem benachbarten Worms, der um so beweis- kräftiger ist, als es sich um die gleiche Zeit(13. Jahrhundert), die gleiche Schutz- patronin Maria und denselben Namen Altenmünster handelt. In der Vorstadt von Worms nahe am Rheine lag nämlich auch ein Kloster Altenmünster, das gewiß eben- so zur Unterscheidung von einer späteren Klostergründung in der Stadt selbst seinen Namen erhielt, wie die alte Petersstiftung beim Seehofe im Gegensatz zu dem Naza- riuskloster bei Lorsch. Als nun das Wormser Altenmünster Maria zur Schutzpatronin erhielt, verdrängte der neue Name Marienkapelle allmählich den Namen Altenmünster, bis er selbst wieder einer abermaligen Anderung in Liebfrauenkirche unterlag. Dies beweist eine Urkunde vom 31. Oktober 1298, wonach der Bischof Emicho von Worms die Kapelle S. Maria, früher Altenmünster genannt, zu einer Kollegiatkirche, der spä-

teren Liebfrauenkirche, erhobs). Es heißt da sehr bezeichnend: instituimus libera- liter collegium duodecim personarum canonicorum sacerdotum in capella beatae vir- ginis Mariae in suburbio nostrae civitatis secus litus Rheni, que olim Vetus monaste- rium vocabatur et adhuc eodem titulo convenienter insignitur.

Es fand also hier derselbe zweimalige Namenswechsel statt wie bei der Klosteranlage an dem Seehofe, die zuerst Peterskloster Lauresham, dann Altenmünster und zuletzt Münster zum Hagen hieß. Ebenso leicht erklärlich ist dann aber auch, daß der Name Hagen in späterer Zeit Veranlassung gab, dies Frauenkloster als eine Absetzung der Klöster Hagen zu betrachten, die in der Wormser Diözese lagen, deren Grenze ja in nicht allzugroßer Entfernung an dem Kloster vorüberzog. Denn da Lampertheim schon 1423 bezw. 1466 Ansprüche auf den Lorscher See und das an- grenzende Gebiet von Altenmünster erhob bezw. praktisch betätigte, und diese An- sprüche während der pfälzer Pfandschaft neue Nahrung erhielten, so war es gar nicht verwunderlich, daß Worms Rechte an das Kloster zu haben glaubte und der Wormser Bischofskatalog dieser Anschauung auch Ausdruck verlieh, so unberechtigt sie an sich war. Denn in Wirklichkeit gehörte das Prämonstratenser Jungfrauenkloster Monster zum Haune gerade so zu der Prämonstratenser Propstei Lorsch, wie vorher die Benediktiner Propstei Altenmünster zu der Benediktiner Abtei Lorsch gehört hatte, und wird durch die oben genannten amtlichen Erklärungen aus dem Jahre 1626 als uralte Rechtsgewohnheit ausdrücklich bestätigt.

*1) Ueber dieses Mönchs- und Nonnenkloster vergleiche man Christ, Vom Rhein 1907, S. 74 f., wo ebenfalls an eine Besiedelung von Altenmünster durch Prämonstratenserinnen dieses Klosters ge- dacht ist. ⁷⁸) Boos, Urkundenbuch der Stadt Worms I, S. 319 Nr. 483.

6*