Aufsatz 
Beiträge zur Geschichte des Klosters Lorsch : 2. Teil
Entstehung
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Standort und Beschaffenheit des Steines beweisen aber, daß wir hier einen uralten echten Hinkelstein mit seinen charakteristischen Beigaben als Grenzstein vor uns haben, und nichts verbietet ihn der petra in Kasenowa gleichzusetzen, zumal da der Name Kasenowa mit Hüttenfeld sehr wohl identisch sein kann. Ja dieses laut redende Wahrzeichen leistete sogar den Ansprüchen der Pfalzgrafen auf die Lorscher Verlassenschaft so erfolgreichen Widerstand, daß es die Grenzen abgab für die lorsch- mainzischen und pfalzgräflichen Gebietsansprüche und selbst heute noch die Grenze bestimmt für ihre Rechtsnachfolger, das Großherzogtum Hessen und Baden.

Von diesem Steine zieht die hessisch-badische Landesgrenze und zugleich die der Gemarkungen Füttenfeld- Hemsbach an Hüttenfeld vorbei bis zu dem nördlich von letzterem gelegenen Friedhofe, wo sie, nach Osten sich wendend, über den Land- graben auf die Weschnitz zu läuft und den südöstlichen Teil der Gemarkung Lorsch (das Bruch) sowie den südwestlichen Teil der Gemarkung Heppenheim(Hessen) von Hemsbach bezw. Laudenbach in Baden trennt. An der Ecke beim vorgenannten Fried- hofe setzt aber auch zugleich die Südostgrenze der Gemarkung Seehof gegen Westen hin ein. Diese umfaßt im wesentlichen den ehemaligen Lorscher See. Derselbe hat mit dem Südostende der Lorscher Gemarkung zwischen Landgraben und Weschnitz, ge- nannt das Bruch, in welchem auf erhöhtem Gelände Altenmünster lag, überhaupt nichts zu tun, wie Christ irrtümlich annimmts), sondern war durch eine von Hütten- feld bis zum Sechof reichende Sanddüne, auf welcher die heutige Chaussee Hütten- feld Lorsch und die heutige Gemarkungsgrenze von Lorsch und Sechof läuft, von dem Bruch nach Osten hin vollständig getrennt, was der Augenschein und die ge- ologischen Karten auch heute noch unwiderleglich beweisen, trotzdem diese Sand- düne bei der Trockenlegung des ehemaligen Sees teilweise zur Ausfüllung verwen- det worden sein mag. Er bildete vielmehr ein ringsum von Sanddünen und Boden- wellen fest umschlossenes Gebiet, das nur im Norden beim Seehofe einen allerdings ungenügenden Abfluß hatte. Die Identität des Lorscher Sees mit der Gemarkung Seehof beweist nicht nur dieser Name, sondern auch der sogenannteKrumme See, eine weite und vielfach gekrümmte Ausbuchtung im Westen, die in den Lampert- heimer Wald tief einschneidet, und ist über jeden Zweifel erhaben. Der Lorscher See war daher auch keine künstliche Schöpfung der Lorscher Abte, wie Christ ebenda annimmt, sondern ein natürliches Gebilde, das von der aus der Gegend von Viern- heim kommenden und bei Hüttenfeld einmündenden Altau(017 Aldaha, später Altach genannt) gespeist wurde, in früheren Zeiten noch weiter südlich reichte, wie die geo- logischen Karten dartun, und nur an seinem nördlichen schmalen Ende durch Stau- und Ablaßvorrichtungen künstlich reguliert wurde.

Daß natürlich auch Altenmünster von Sümpfen und Seen umgeben war, haben wir in Kap. I schon erwähnt, und wird durch die geologische Beschaffenheit des Ge- ländes bestätigt. Diese Sümpfe zogen sich südlich von dem Bruch beginnend nord- wärts bis an und über Lorsch hinaus und umschlossen unter anderem auch die Insel, auf der das Landgut des Grafen Kankor und dann Altenmünster lag. Eben dieses Lorscher Sumpfgelände(palus Laurissensis) ließ der Erzbischof Wernher von Mainz im Jahre 1265 durch Anlage von Entwässerungsgräben großenteils trocken legen und

2. V. R. 1907 S. 42.