Aufsatz 
Beiträge zur Geschichte des Klosters Lorsch : 2. Teil
Entstehung
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oben erwähnt, einen weiten Sprung von Frankel im UlIfenbachtale bis ad petram in Kasenowa, sei es, daß der Abschreiber der Urkunde eine Zeile seiner Vorlage aus- ließ, oder daß die dazwischen liegenden Grenzpunkte mit der Grenzangabe von 773 sich vollständig deckten, also der Chronist es für überflüssig hielt, sie nochmals auf- zuführené). Jedenfalls aber strebte die Grenze, nachdem sie bei Högi*) südlich von Weinheim die Bergstraße erreicht hatte, der Weschnitz und dann, ihrem Lauf eine Zeitlang nordwärts folgend, einem augenfälligen Grenzpunkt zu. Diesen bildete die Nordostecke des Viernheimer Waldes bezw. die Südostecke des Lorscher Sees. Ich habe daher schon frühers) das Kasenowa der Urkunde von 705= Wildhube Kessenau vom Jahre 1423 mit ihrem Hinkelsteine(petra) bei Hüttenfeld selbst gesucht und finde diese Annahme nach erneuter Untersuchung bestätigt.

Unmittelbar südlich von Hüttenfeld links von der Brücke, über welche die neue Chaussee Hüttenfeld Viernheim führt, und wo der Viernheimer Wald beginnt, steht ein dreieckiger Stein, der jetzt die Grenzzeichen der Gemarkungen Hüttenfeld (Hessen) und Hemsbach sowie des Großherzogtums Baden aufweist. Neben diesem an sich schon sehr alten Steine liegt halb in die Erde versunken ein anderer vier- eckiger mächtiger Sandstein, an welchem oben auf einer Seite ein senkrechtes Kreuz + sichtbar ist, das offenbar noch von einem Kreis umgeben war. Dieses aufrecht ste- hende Kreuz, teils mit Kreis und nach oben über ihn hinaus verlängertem Balken à, teils ohne solchen Kreis, ist aber das Wahrzeichen der Abtei Lorsch, wie andere Steine, von denen weiter unten die Rede sein wird, und das Wappen über dem Türstur⸗ des alten Rathauses zu Lorsch beweisen. Der Stein liegt am Fuße eines Sandhügels, welcher auch jetzt noch die Umgebung beträchtlich überragt und ehedem einen natür- lichen, weithin sichtbaren Fixpunkt für die Grenzfestsetzung abgab, besonders in Rücksicht auf die östlich davon vorbeiziehende breite und sumpfige Niederung, durch welche die Weschnitz dahinfloß. Eine Ausgrabung, die Herr Leutnant a. D. Gieß im Dezember 1908 auf meine Bitte bereitwilligst vornehmen ließ, brachte folgendes Ergebnis. Der Stein hatte ehedem zur Unterlage mehrere kleine Bruchstücke aus weißem Sandstein, unter denen der gewachsene Boden zum Vorschein kam. Er war ursprünglich ein unbehauener Felsblock aus sehr hartem roten Sandstein, der nach oben sich verjüngte. Wie der Augenschein lehrt, mußte er dem dicht daneben stehenden, nach Verwitterung, Beizeichen und Zahlentypus auch schon mehrere Jahr- hunderte altenDreimärker weichen und wurde offenbar bei einer neuen Grenz- absteinung an drei Seiten mit der Spitzhacke bearbeitet, aber dann als unbrauchbar verworfen und liegen gelassen. So blieb glücklicherweise seine vierte Seite unbe- helligt, die mit ihren Auswaschungen durch Regen und Wind sein hohes Alter beweist. Auch seine Spitze zeigt, daß viele Jahrhunderte über sein Haupt hinweggegangen sind, und daß er Auswetzungen durch Sensen und Messer ausgesetzt war. Diesen natürlichen und menschlichen Eingriffen dürfte vielleicht auch der oberste Teil des Lorscher Kreuzes zum Opfer gefallen sein.

6) So Hufschmid, Oberrheinische Zeitschrift VI S. 111 Anm. 1.) Dieses Högi erscheint später in C. L. Nr. 3822 als Heye und lebt noch jetzt in den Heger oder Höcher Weinbergen beim Rosen- brunnen fort, wozu Widder, Churpfalz I 205, zu vergleichen ist. 8) Programmbeilage des Bensheimer Gymnasiums 19005 S. 35.