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liebersbach aus der Liebersbach westwärts aufsteigt. ¹1) In diesem Tal zieht nun die Grenze auf die Höhe und springt an einem Megezenrut d. h. einer Rodung des Megizo vorbei in das Sulzbachtal über, dessen Quellen von dem oberen Ende des Schelmentales etwa 800 m entfernt liegen Dies ist das Sulzbac der Urkunde. ²) Durch das Sulzbachtal zieht nunmehr die Kirchspielgrenze in die Ebene und strebt in nordwestlicher Richtung ihrem natürlichen Endpunkte, der Weschnitz zu. Auf dem Wege dahin führt sie mitten in ein wogendes Sumpfröhricht d. h. ad medium fretum Wagendenror zu einer angebauten Höhe Bluonesbuohel, die beide in dem Seeböhl d. h. Bukel oder Bühl am See(Teich) zu suchen sind, der westlich von Sulzbach am„Sulzbächle“ liegt. In ihrem weiteren Verlaufe schneidet dann die Grenze noch drei Gewässer, Haddellenbach, Herdengesrunno und Snellengiezo, die vielleicht gleichbedeutend sind mit dem Hemsbächlein ³), dem Schannen- oder Lauden- bach ⁴4), und dem Bombach oder oberen Klingen, die vom Hemsbach, Laudenbach und der Anhöhe„Die Lee“ zu Tale gehen und in die Weschnitz einmünden. Dann geht die Grenze in die Weschnitz selbst und läuft mitten in dem Flussbette bis zu ihrem Ausgangspunkt„Am Gatter“.
Alle innerhalb dieser Grenze, die wieder die salisch-fränkische Art getreulich abspiegelt, gelegenen Ortschaften oder Höfe gehörten also zur Pfarrei(parochia) Heppenheim und unterstanden deren Pfarrer(parochianus sc. sacerdos), anfangs ge- wiss grösstenteils ohne Kirchen und Kapellen, später aber als Filialen, bis sie zuletzt teilweise selbständige Tochterpfarreien wurden. Diese Grenzfestsetzung vom Jahre 805 hatte aber nur dann einen Sinn, wenn um diese Zeit neue Pfarreien gebildet wurden oder Kompetenzstreitigkeiten mit einer Nachbarpfarrei entstanden waren, zu deren Beilegung eine genaue Abgrenzung der Zehntgerechtigkeit notwendig war. Dies wird auch dadurch wahrscheinlich gemacht, dass kein Geringerer als Karl d. Gr. selbst eingriff. Hierbei kann es sich aber nur um die Pfarreien Fürth und Bensheim handeln, gegen die eine Reihe von Grenzpunkten namhaft gemacht wird. In Fürth5 bestand schon früh eine curia principalis, d. h. ein Oberhofé)(Oberkellerei) des Klosters Lorsch, der den weltlichen Mittelpunkt der Cent Fürth bildete, wie die Pfarrkirche daselbst der geistliche Mittelpunkt wurde. Ahnlich liegt der Fall bei Bensheim. Die Mark Bensheim ist gegen Heppenheim im Jahre 805 längst abge- grenzt und bestand daher wohl auch schon als selbständiger Pfarrsprengel. Derselbe umfasste noch in späterer Zeit als Filialen: Zell, Gronau, Schönberg, Wilmshausen,
¹) Auch eine Waldparzelle an ihm heisst noch Im Schelmental. ²) Ein blosser Blick auf genaue Karten z. B. die Katasterkarte von 1901 zeigt, dass v. Schenk und Waller zu Unrecht dies Sulzbach in Baden ablehnen und ganz unvermittelt einen weiten Sprung nach Nordwesten machen, um unser Sulzbac mit einer Flur In der Sulz in der Heppenheimer Gemarkung zu identifizieren. Die dadurch erzielte Uebereinstimmung der alten mit der neuen Kirchspielgrenze Heppenheim ist daher eine unberechtigte Annahme. Deshalb sind auch die folgenden Grenzbestimmungen beider Forscher nicht zutreffend.
3³) An seinem Oberlauf liegt eine Flur Hardmus d. h. Hartmoos, die an Haddellenbach, entstanden aus Hart-erlen-bach, erinnert. 4) Herdengesrunno(ahd. runna oder runno des Herding) klingt vielleicht noch in der Flur„Brunnenstücke“ am Unterlauf des Laudenbachs wieder.
5) Ueber die Ausdehnung der Cent und Pfarrei Fürth vergl. Dahl 240 ff. ⁶) Sehr lehrreich ist hierfür das Verzeichnis der Hubengüter etc., die unter Abt Anselm(1088— 1102) aus den zugehörigen Dörfern nach Fürth zinspflichtig waren(Cod. Laur. I Nr. 140).


