Aufsatz 
Das salisch-fränkische Siedelungssystem u. die Heppenheimer Markbeschreibung vom Jahre 773 : ein Beitrag zur geschichtlichen Heimatkunde / von Friedrich Kieser
Entstehung
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der Höhe von Brensbach, das den Ubergang vom Gersprenz- zum Mümlingtal deckte, sprechen dafür. Auch das frühe Mittelalter hat hier Befestigungsanlagen hinter- lassen. Darauf weist, ausser der FlurAuf der Landwehr unterhalb Wersau und dem Namen dieser Ansiedelung selbst vor allem die Burg Schnellerts ¹) deutlich hin. Sie ist ein höchst altertümliches, unregelmässiges Sechseck mit wehrhaften Mauern, einem Toreingang, Rundturm und breitem Graben. Man kennt weder ihre Er- bauer noch Bewohner. Dieser Umstand, sowie ihr Name(mhd. snellert, d. h. Gatter, Sperre) und ihre Lage lassen sie als ein fränkisches Kastell(castrum), als eine wachta erscheinen, die eine beherrschende Stellung über dem Gersprenztal einnahm. Diese Bedeutung wird wohl dadurch zur Gewissheit erhoben, dass ihr gegenüber auf dem linken Ufer der Gersprenz eine Anhöhe mit reichen Wasserquellen am Abhange noch jetzt den NamenIn der Herberig führt, was unzweifelhaft auf eine heriberga hinweist. Unter dem Schutze dieser Befestigungen ruhte daher wohl ge- borgen die Ansiedelung von Königsleuten in Cuningesbach(Kainzbach) und Um- gegend, die berufen waren, den Taleingang der Gersprenz in den Odenwald zu decken.

Aus dem Gersprenæztal führt in gerader Linie an Erzbach und dem Lärmfeuer vorbei über die Wasserscheide der Gersprenz und Mümling der UÜbergang in das Ulfenbachtal zum Neckar. Das Frankonodal bezeugt die Ansiedelung von Franken. Etwas abwärts liegt der Weiler Corsika am Fusse des steil abfallenden Berges Rinke. Letzterer Name deutet auf einen Ringwall²) und sollte sich in dem seltsamen Namen Corsika trotz Dahl³), der es für einen neu angelegten Hof hält, nicht vielleicht eine curtica oder curticula, eine fränkische curtis verbergen? Auch Affolterbach, c. 10 km nordwärts, weist auf fränkische Siedelung hin, ja Rübel hat mehrere derartige Orte direkt als pomeria d. h. Gärten zu fränkischen curtes in Beziehung gesetzt.4) Es ist daher nicht unwahrscheinlich, dass auch in Affolterbach(ahd. aphal, Apfel, und tra, engl. tree, Baum) ein fränkisches pomerium bei einer fränkischen curtis zu suchenist.

Den militärischen Mittelpunkt im Westen der Mark Heppenheim endlich bildete die villa Heppenheim selbst. Sie liegt etwa in der Mitte der schon den Römern als platea montium bekannten Bergstrasse und beherrschte so nicht nur diesen wichtigen Verbindungsweg zwischen Main und Neckar, sondern auch die beiden Talwege der Lauter und Weschnitz, die bei Basinesheim und Winnenheim in den Odenwald führen und beide den Ubergang in das Gersprenztal vermitteln. Unmittelbar über Heppenheim ragt die Starkenburg mächtig empor. Sie wurde zwar erst 1064 von dem Lorscher Abt Ullrich gelegentlich einer Fehde mit Bischof Adalbert von Bremen gebaut, aber an ihrer Stelle lag vorher sicher eine alte Volksburg oder Wallburg.5)

¹) Hoffmann, Archiv f. hess. Gesch. VI S. 546 ff. Sie galt daher vielfach als ein römisches castellum. So ausser Hoffmann auch Simon a. a. O. S. 16.

²) Aehnliche Bedeutung haben: Rinch-nach, Ring-leben, Rinke-rode, und in der Nähe von Gras- Ellenbach im oberen UlIfental die AnhöheIm Rinkenbüschel.

³) S. 279.) S. 284, 3 ein Affaldrabecchi(899), Affeldraha(950), Affoltersbach und dazu die Aus- führungen 456 ff. Als gleiche Bildungen seien hier noch Affhöllerbach(1398 Affolterbach) und Effolder- bach(11. Jahrh. Affalderbach) genannt. S. Sturmfels s. v.) Vergl. Giess, die Starkenburg und die Stadt Heppenheim.