Aufsatz 
Das salisch-fränkische Siedelungssystem u. die Heppenheimer Markbeschreibung vom Jahre 773 : ein Beitrag zur geschichtlichen Heimatkunde / von Friedrich Kieser
Entstehung
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gründen, unter denen das Musa der Urkunde sicherlich zu suchen ist 1). Nunmehr schneidet sie die Weschnitz und zieht zwischen der Gemarkung Biblis und Gross- hausen auf die Nordwestecke des Grosshäuser Waldes zu, wo das Aganrodô) liegt. Die beiden Hausen gehörten ursprünglich zur Gemarkung Bensheim, also auch zu der grossen Mark Heppenheim. Bei diesem Eckpunkte, in dessen Nähe sich auch eine FlurAuf die alte Steinstrasse findet, wendet sich die Grenze wiòder östlich und läuft auf Langwaden zu an die Steinfurt, ihrem Ziel und Ende.

Dies ist der Grenzverlauf der Mark Heppenheim. Er zeigt bei einer Rück- schau alle wesentlichen Merkmale der salisch-fränkischen Grenzabsetzungsmethode. Von der Natur gegebene und wenig veränderliche Quellen, Brunnen, Sumpflachen, Bachläufe, Niederungen und Höhenzüge werden zu einander in Beziehung gesetzt und, wo nötig, durch künstliche Markzeichen, wie Lackbäume, Lackwege(Schneisen, Steige) oder Steine und Erdhügel ergänzt. Die Abmarkung leitet ein königlicher Beamter, missus, dux, comes, und ein technisch geschultes Beamtenpersonal, die praefecti mit ihren forestarii, vollzieht seine Weisungen.

III. Kapitel. Die Bedeutung der Mark Heppenheim.

§ 1. Die militärische Organisation.

Schon ein blosser Blick auf die Karte lässt die zentrale Lage der Mark Heppen- heim erkennen. In dem confinium von 4 Gauen, des Oberrhein-, Main-, Neckar- und Wingartteibagau, liegt weit hingestreckt die königliche Mark. Sie bildet ein für sich abgegrenztes, geschlossenes Gebiet, trotzdem sie zum Oberrheingau gehört. Dieses umfasst die Wasserscheide des Odenwaldes, die nach Westen die Weschnit⸗z und den Lauterbach in den Rhein, nach Norden und Osten die Gersprenz und Mümling in den Main und nach Süden den Euterbach, Gammelsbach, Ulfenbach und die Steinach in den Neckar entsendet, und beherrscht so zugleich die entsprechenden Talwege, die besonders bei einem IIbergang vom Rhein zum Main oder vom Main zum Neckar von hoher Wichtigkeit sind. Diese Erwägungen allein machen schon einen militärischen Zweck wahrscheinlich, den man ursprünglich mit ihrer Absetzung verband. Dieser Zweck wird gewiss, wenn Spuren militärischer Sicherung nach- weisbar sind. Und das ist in der Tat der Fall.

Die Wichtigkeit des Talwegs der Gersprenz, der vom Maine her in das Oden- waldgebirge führt, war schon den Römern) nicht entgangen. Die Römergasse in Brensbach, die Steinmauer vor Nieder-Kainsbach und das Kastell Hasselburg auf

¹) v. Schenk a. a. O. weist auf einoff der Muse zu Bobstadt hin, das 1427 in einem Wormser Mannbuch vorkommt. Jedenfalls ist Musa desselben Stammes wie ahd. moôs= Moos, Moor, Sumpf, der häufig in Orts- und Flussnamen vorkommt(vergl. Sturmfels, Die Ortsnamen Hessens), z. B. Mosaha, 935 Musah, Musdâ, und auch in dem Bibliser Mörsch noch fortlebt.

²) v. Schenk hat es richtig in dem Hahnroth(haganrod) entdeckt, Flur XXII der Gemarkung Grossrohrheim, einer Rodung an der Ecke, wo die Gemarkungen Biblis, Grossrohrheim und Grosshausen zusammenstossen, westlich von Jägersburg. ³) Hoffmann, Archiv f. hess. Gesch. VI 543 ff.