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Gunsten Badens allen Ansprüchen auf die Ortschaften Ober-Kunzenbach und Rutschweiler ¹). Von Ober-Kunzenbach ging die Grenze in medium Katesberk, d. h. mitten über eine Anhöhe nördlich von Weinheim, an die noch jetzt der Flurname Katzenlauf ²) erinnert, und senkte sich dann(in umgekehrter Richtung sursum 1012) bei Högi³), einem ausgegangenen Orte zwischen Litzelsachsen und Weinheim, auf die stratapublica(773), die aus dem Lobdengau nordwärts zieht, d. h. die Berg- strasse. Ihr entlang laufend mündet die Grenze dann in die Wisgoz(773), die bei Weinheim aus dem Odenwald tritt, folgt ihr bis Lauresham(773) und kehrt von da zu ihrem Ausgangspunkte bei Steinfurtowa(773) zurück.
Die jüngere Beschreibung vom Jahre 795 schliesst, wie oben bemerkt, die Lorsch-Bürstädter Gemarkung noch mit ein. Dementsprechend beginnt die Grenze (nach einem allerdings weiten Sprung von Frankonodal bis in die Rheinebene) bei der Südostecke der Gemarkung Lorsch an einem Grenastein(petra) der Wildhufe Kasenowa ⁴4). Von diesem Eckpunkte aus geht sie westlich an dem Lorscher See nordwärts und wendet sich sodann westlich, die Mark Lampertheim und Lorsch- Bürstadt von einander trennend. Als nächster Fixpunkt ist ein Grenzstein ad Hirselanden genannt, vielleicht der hagenstein uffe hirz Ried vom Jahre 1311 ⁵). Hirselanden erinnert sehr an den Wildreichtum dieses Waldes, besonders an Hirschen (mhd. hirz(e), weshalb auch heute noch ein grosser Waldkomplex hier die Wildbahn heisst. Das folgende Marclacha(Grenazlache) ist ohne jeden Zweifel die Marlache, auf deren südliches Ende die Grenze zugeht. Sie zieht in süd-nördlicher Richtung an der Südwestseite der Bürstädter Gemarkung als ein langgestreckter Wiesengrund hin und bildet nebst dem Marklachsweg Flür XXVI und XXVII der Gemarkung Bürstadt 6). Von ihr nordwestlich liegt innerhalb derselben Gemeinde die Loub- wisa), jetzt eine langgestreckte Ackerflur, Laubwiese genannt, die zwischen die Ge- markungen Lampertheim(Süden) und Hofheim(Norden) weit nach Westen sich hineinschiebt bis in die Nähe des Rheines gegen die Gemeinde Maulbeerau i. Rb. Von dem Fusspunkt der Laubwiese zieht dann die Grenze in nordöstlicher Richtung an der Ostseite der Gemeinden Hofheim und Bobstadt vorbei, die sie von Bürstadt, Lorsch und Kleinhausen trennt, grösstenteils unter Benutzung von Sumpf- und Wiesen-
¹) Dieses Rutschweiler oder-weiher liegt etwas südlich von Ober-Kunzenbach und weist in seiner Stammform dieselbe Bildung auf wie der Rutschhang; es scheint also eine spätere Absetzung von Kunzen- bach zu sein, bei welcher der heimatliche Rutschhang Patenstelle vertrat.
²) In dieser Form scheint sogar noch eine Erinnerung an den Grenasteig weiter zu leben, der hier nach fränkischer Art als Höhenweg angelegt wurde.
³) Zu diesem Dorf vergleiche man Dahl, Urkundenbuch S. 37.
4) v. Schenk a. a. O. XIV 441 ff. u. 738 identifiziert dieselben mit der Wildhube Kessenau(1423) oder Kesenaw(1565) die an dem Hinkelstein lag. Jedenfalls ist sie südlich von dem Lorscher See(jetzt ein Teil der Gemarkung Seechof) zu suchen, da dieser immer zu Lorsch gehörte. Sie läge also bei Hütten- feld, welches nur ein anderer Name für Kasen-owa(mhd. kase= lat. casa Hütte, und owa, Au, Feld) wäre, wenn man nicht gar an casa-nova denken will.
5) Vergl. v. Schenk a. a. O.
) Auf Grund der Parzellenkarten, die mir das Kreis-Vermessungsamt Bensheim bereitwillig zur Einsichtnahme unterbreitete, festgestellt.
7) Sie bildet Flur XX und XXI der Bürstädter Gemarkung mit dem Flurnamen: Auf der Laub- wiese, Die kleine Laubwiese(2 mal). v. Schenk suchte sie irrtümlich in der Lampertheimer Gemarkung.


