Aufsatz 
Das salisch-fränkische Siedelungssystem u. die Heppenheimer Markbeschreibung vom Jahre 773 : ein Beitrag zur geschichtlichen Heimatkunde / von Friedrich Kieser
Entstehung
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desselben sind im Norden eine Linie von Frankel, also zwischen Ober- und Unter- schönmattenwag, bis zum Mauresberg, im Osten der Mauresberg und der Euterbach von seiner Mitte an, im Süden der Neckar und im Westen der Ulfenbach bis Frankel. Andererseits aber erhielt Lorsch gewissermassen als Entschädigung durch das Wild- bannsprivileg von demselben Jahre das ausschliessliche Jagd- und Fischereirecht im Odenwalde, d. h. nicht bloss in der Mark Heppenheim und Michelstadt, sondern auch in dem Teile des Lobdengaues, der östlich der Bergstrasse(platea montium) von Wein- heim bis Neuenheim(Nuinheim) bei Heidelberg liegt.

Unter Zuhilfenahme der obengenannten Urkunde sind wir also in der Lage, die Grenze von Frankel im UIfentale bis Högi an der Bergstrasse genauer zu be- stimmen. Sie stieg demnach zwischen den beiden Dörfern Ober- und Unterschön- mattenwag,¹) dem spumosum stagnum(1012), auf die summitas von Franko- nodal(773, 795) und lief etwa am Zollstock vorbei nach Siedelsbrunn(1012) und Ober-Absteinach hinüber, ubi Steinaha rivulus incipit manare(773). Das Dorf Ober-Absteinach selbst hat damals wohl schwerlich schon bestanden. Dann senkt sie sich an der Steinach hinab(umgekehrt sursum) an einer possessa Enchelen Wihsilstein?) (einem bewirtschafteten kleinen HufengutWechselstein) vorbei nach possessa Steinaha oder Unterabtsteinach, das durch den Zusatz possessa als bewohnt, d. h. als Dorf im Gegensatze zu dem Bache gleichen Namens bezeichnet wird. Auf ihrem weiteren Zuge schliesst sie das Wassergebiet des Kunzenbaches(Gunnesbach(773) ein, d. h. sie geht in südwestlicher Richtung auf den Höhenzug(summitas), der seine Gewässer nach Westen und Norden in diese Talrinne abgibt, und folgt ihm als Höhenweg(!) durch den Wald, auch heute noch auf einer grossen Strecke die Grenze von Hessen und Baden bildend. Durch die so entstehende Grenzlinie wurden die Ortschaften Fluchenbach(1012)(Unterflockenbach), pendens Rocha)(773) (d. h. der Stein-Rutschhang bei Kunzenbach) und Gunnesbach(Ober- und Unter- kunzenbach nebst ihren Gemarkungen) in das Gebiet der Mark Heppenheim ein- bezogen. Alle diese Ortschaften mit zugehörigem Gebiet gehörten ursprünglich dem Kloster Lorsch und kamen später in den Besitz von Kurmainz oder seiner Erben: Hessen und Pfalz. Erst 1806 entsagte der Grossherzog von Hessen ausdrücklich zu

¹) Deshalb gehört auch Unterschönmattenwag in der Folge zum Amte Hirschhorn im Lobdengau und der Wormser Diözese, während Oberschönmattenwag in der Heppenheimer Mark, dem Oberrheingau und der Diözese Mainz lag. Dahl 276 ff. nebst Urkundenband 137 ff. ²) possessa oder vestita(sc. huba) bedeutet eine mit einem bewohnten Hofe versehene Hufe im Gegensatz zu huba deserta oder mansus absus, einer wüsten, nicht besetzten Hufe. Enchelen ist eine Deminutivform von Anger, Gras-, Ackerland, mhd. angerlin oder engerlin, wozu auch mhd. enke, Vieh- oder Ackerknecht gehört. Nach Landau S. 41 kommt noch jetzt im Ansbachischen enkelein d. h. enkelin für einen Hufenanteil vor. Also ist die possessa enchelen ein kleiner bewirtschafteter Gutshof. Sein Name ist Wihsilstein, von mhd. wehsel, alem. wihseln(wechseln, wesseln), besonders vom Wechseln des Wildes gesagt, und stein(Fels). Dieser Wechselstein oder Wessel- stein dürfte der Waldsknopf oder Hohberg sein, an dessen östlichem Abhang gegen Unterabtsteinach hin der Gutshof lag.

³) Pendens Rocha ist die lat. Ubersetzung für Fels- oder Steinrutschhang. Mhd. rosche, rotsche, rusche, rütsche oder rutsche(franz. roche) bedeutet jäher Felsabhang. Diese Grundbedeutung wird durch den Zusatz pendens noch verstärkt. Nun liegt wirklich bei Unter-Kunzenbach eine steil abfallende An- höhe, die der Steinrutschhang heisst. Hier geht selbst heute noch die badisch-hessische Grenze in sum- mitatem Gunnesbach, d. h. bis gegen Ober-Kunzenbach hinauf.