Aufsatz 
Das salisch-fränkische Siedelungssystem u. die Heppenheimer Markbeschreibung vom Jahre 773 : ein Beitrag zur geschichtlichen Heimatkunde / von Friedrich Kieser
Entstehung
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Hier verlässt die Grenze wieder den Neckar und zieht juxta Ulvenam d. h. das Ulfental anfwärts gegen Norden. Als nächster Grenzpunkt erscheint hier Franconodal d. h. Frankental. Nun liegt zwischen Unter- und Oberschönmatten- wag, in welchen man mit Recht das spumosum stagnum von 1012 wiedererkannt hat,¹) am Ulfenbach ein Weiler Frankel und über ihm ein grosser Wald, der noch jetzt der Frankenwald oder Frankel heisst. ²) Es unterliegt daher keinem Zweifel, dass Franconodal mit unserm Frankel und seiner grossen ehemaligen Waldgemarkung identisch ist, die sich vom Tale weit auf die westlichen Höhen hinaufzog.

Für die folgende Grenzstrecke, die von der Ulvena bis zur Bergstrasse reicht, bietet unsere Urkunde zu wenig Fixpunkte, als dass sich aus ihr allein ein sicheres Ergebnis ermitteln liesse. Es dürfte daher geraten erscheinen, das litigium vom Jahre 1012 zu Grunde zu legen, das den uralten Streit zwischen dem Bistum Worms und der Fürstabtei Lorsch über die Grenzen zwischen dem Lobdengau und der Mark Heppenheim entschied, ja wir müssen dies sogar, da erstere Partei sich auf uralte und oftmals von den Kaisern bestätigte Urkunden berief, deren Achtheit aus- drücklich anerkannt wurde, während die Lorscher Chronik sich hartnäckig darüber ausschweigt, was doch wohl sehr verdächtig ist. Die Rechtslage ist kurz folgende: Im Jahre 629 verlieh Dagobert I. dem Hochstifte Worms durch ein Privilegs) seine königliche villa(civitas) Lobodenburg d. i. Ladenburg in pago Lobodengowe(Lobden- gau) mit allem Besitz und Zubehör excepto comitatu(mit Ausnahme der gräflichen Gerechtsame) und omnem silvaticum in silvis Otenwald cum omni utensilitate (Nutzungen) in omni pago Lobodangowe et undique in Iutraha(Euterbach). Dem- nach reichte der Lobdengau neckaraufwärts bis zur Euter, wo er an den Wingart- teibagau angrenzte. Durch die Schenkung Karls d. Gr. wurde nun aber das Stück zwischen Euter und Ulfenbach, wo Lorsch auch begütert war,4) zur Mark Heppen- heim und damit zum Oberrheingau gezogen und gab so zu beständigen Streitigkeiten Anlass. Gestützt auf wiederholte Bestätigungen des alten Privilegs rief nun Bischof Burkhard von Worms 1012 die kaiserliche Entscheidung an. So fand unter dem Vorsitz des Grafen Poppo vom Lobdengau ein Inquisitionsverfahren statt, das die Grenze zwischen der Mark Heppenheim und dem Lobdengau rechtlich festlegte. Danach lief die Grenze vom Dorfe Högi oberhalb Weinheim sursum usque in Fluchen- bach et sic usque in possessam Steinaham et sic sursum possessam usque ad Enschelen Wihsilstein, inde ad Sidilisbrunnon, inde ad Spumosum stagnum et sic in Ulvenam. Während sich diese Strecke im wesentlichen mit der Grenzabsetzung von 773 deckt, wurde von Frankel ab ein grosses Stück zum Lobdengau geschlagen. Die Grenzen

und das weisse Sohl(hessisch), so ein Grimmensol bei Würzburg, so auch im Nordwesten von Hirschhorn selbst eine rote Sohle.

¹) Christ, Archiv für hess. Geschichte XIV 734; denn es ist die lat. Ubeketeung von Schäumender Woog, aus ahd. scüm, mhd. schum, d. h. Schaum bezw. dem verbum schumen und ahd. wâg, mhd. wag oder woog, bewegtes Wasser. 1393 Schimentenwage genannt, lebt es noch jetzt in dem volkstümlichen Schimme(l)tewoog fort. ²) Weitere Flurnamen derselben Bildung bei v. Schenk a. a. O. XIV 739.

³) Acta Acad. Palat. VII 61; dazu Dahl, Urkundenband S. 36. 4) Cod. Laur. Nr. 2893; hiernach schenkte Stangrad 9. Mai 772: in pago Wingartheiba super fluvio Neckere inter Gaminesbach et Ulvina silvam cum ipsa terra. Dies Stück wird hier zur Wingartteiba gerechnet, im Gegensatz zu 629. Solche Grenzschwankungen zwischen Gauen sind wohl nichts Ungewöhnliches.