Nachdem die Grenze den Wald erreicht hat, der im Norden das Mossautal umrahmt, zieht sie im Bogen auf dessen rechtsseitigen Höhenzug und läuft auf diesem am Steinernen Tisch und dem Lärmfeuer vorbei über den oberen Grenzweg süd- wärts weiter, bis sie bei Hüttental sich in den Hiltersklinger Bach absenkt. Kurz vor diesem Endpunkt berührt sie„Das Lindel“, in dessen Nähe ein dritter Richt- hügel aufgeschichtet wurde, oberhalb des sagenumwobenen Lindelbrunnen, der auch in der Urkunde als Lintbrunnen:) verewigt ist.
Nach ihrem Eintritt in den Hiltersklinger Bach, d. h. die obere Mümling ²) zieht die Grenze deren Talschle entlang bis zu dem von Hetzbach kommenden Bach, läuft das Himbächel hinauf, das unter dem Königsrück im sog. Königsgrund(819 Cuningesbrunnen ³) nördlich vom Krähberg entspringt, und sucht eine weithin sicht- bare Erhebung auf, den Crawinberg(795) d. h. den eben genannten Krähberg. Das nächste Ziel ist nunmehr der Moresberg(Mauresberg 795, der auch jetzt noch diesen Namen trägt), zu dem mit der Waldaxt ein Richtweg geschlagen wird, die Albuvinessneida(795), also ein Rennsteig, eine Schneise, die wahrscheinlich ihren Namen hat von einem Markscheider Albuin, der sie anlegen liess. ⁴)
Von dem Mauresberg südwärts ziehend, geht die Grenze wahrscheinlich durch den Rindengrund(Eichendal 819) bei Friedrichsdorf in die Jutra(Euteraha), d. h. den Itterbach, folgt ihm bis zu seiner Mündung in den Neckar unterhalb Eberbach und läuft diesen entlang bis Hirschhorn, wo die Ulwena(Ulfenbach) in den Neckar fliesst. Die Beschreibung von 795 gibt auf dieser Strecke noch einige ziemlich bedeutungslose Einzelheiten, so den Gamenesbach, jetzt Gammelsbachb), der am Westabhang der Sensbacher Höhe südwärts fliessend sich etwas unterhalb des Itter- bachs in den Neckar ergiesst, dann das Dorf Igilesbach, heute Igelsbach a. N., und endlich Rennolfessol,é6) wohl in der Nähe von Hirschhorn.
¹) Die Errichtung eines Grenzhügels zeigt, dass(wie auf der vorhergehenden Strecke) der Weg ein. Höhenweg war, da ein Brunnen im Tal eine Bezeichnung überflüssig macht. ²) Schenk, Archiv f. hess. Gesch. XIV 438 ff. setzt mit Recht beide gleich. ³) Simon, Die Geschichte der Grafen von Erbach, 1858, S. 5. ⁴) Rübel S. 79 Anm. nennt eine ähnliche Bildung Albewinestein, d. h. ein Schloss an der Raab im Nordgau.
5) Landau a. a. O. versteht darunter fälschlich das Dorf Gammelsbach und lässt deshalb die Grenze ohne jeden Grund vom Mauresberg in einem scharfen Winkel westwärts umbiegen und 2 Täler(Rinden- grund und Sensbachtal) sowie 2 bedeutende Höhenrücken quer durchschneiden, was ebenso unnatürlich ist wie dem damaligen Grenzabsetzungsverfahren ganz widerspricht und zudem weitere Abmarkungspunkte notwendig gemacht hätte. Es besteht daher gegen Landau kein Widerspruch zwischen der Beschreibung von 773 und 795 sowie dem Wildbannsprivileg von 1012. Anqdererseits entging ihm, dass die Grenz- absetzung von Michelstadt 819 ein ganz beträchtliches Stück aus der Heppenheimer Mark herausschneidet. Die Grenzlinien dieses Stückes bilden: im Osten Mauresberg, Krähberg, Mümling, im Norden: Mümling, Maisengrund und ein Dreimärker(zwischen Olfen, Airlenbach, Güttersbach), im Westen: Dreimärker und Klafterberg(Clophenberk) bei Ober-Finkenbach, im Süden: Klafterberg, Klaftertal(Clophendal), Rickersgrund (Richgeressneiten), Pfannenstein(Phaphenstein Einhardi), die finstere Delle(Vinsterbuch) auf der Sensbacher Höhe, Sensbach(Urtella), Rindengrund(Eichenesdal) und Mauresberg. Diese„Grenzverletzung“ hätte sicher zu einem Einspruch des Klosters Lorsch geführt, wenn nicht der König Ludwig der Fromme gerade seinem getreuen Einhard, einem allmächtigen Manne, die Michelstädter Mark gegeben und dieser selbst sie nicht schon 4 Jahre später dem Kloster geschenkt hätte.
6) Solche Bildungen auf sol d. h. feuchter Wiesengrund, Siepen sind nicht selten; so gibt es ein Breitensol(819), an das noch heute bei Friedrichsdorf zwei Bergrücken erinnern, der rote Sohl(badisch)


