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die Flur„Auf der Landwehr“, die hügelartig über dem genannten Wiesengrund südwärts liegt, auf eine alte Landgrenze hinzudeuten. Und wirklich geht auch der nördlichste Grenzpunkt der Mark Heppenheim gegen den Maingau nach der Wild- banns-Urkunde von 1012 ultra Kuningesbach d. h. über Kainsbach hinaus. In dieser Wildbannsgrenze erscheinen die Namen Gelicheberga und Arezgrefte nicht mehr, aber statt ihrer die Bach- und Dorfnamen Lutenaha(Laudenau) und Eberbach, woraus hervorgeht, dass mittlerweile die Besiedelung die entlegenen Täler des Mergenbaches und Eberbaches hinaufgeschritten ist.
Die Grenze lief demnach von der(Quelle des Lauterbaches an über den Ge- birgszug der Neunkircher Höhe in einer ziemlich geraden Linie, welche die Quellen der Gersprenz, des Mergenbaches, Eberbaches und Krumbaches scehnitt, auf der Wasserscheide weiter zu dem Gleichenberg und senkte sich dann mitten durch eine Erzgrube in das Tal der Gersprenz, wo sie bei der Landwehr ihren nördlichsten Punkt erreichte, d. h. an dem Austritt der Gersprenz aus dem Odenwald. Interessant ist, dass innerhalb dieser Linie auch die Rodensteiner Mark, der Rodensteiner Burg- wald und der Märkerwald liegen, zu dem unter anderen auch die Dörfer Winter- kasten, Laudenau und Erbach Märker waren ¹).
Von ihrem nördlichsten Punkte bei Brensbach-Wersau(Wers-aha ahd. waris- aha d. i. Wasserwehr neben Landwehr!) verlässt die Grenze wieder das Tal der Gersprenz, um nach Osten hin auf den Kamm des Gebirgszugs zwischen Gersprenz und Mümling hinaufzusteigen und auf diesem südlich weiter zu ziehen. Da nun die Ostgrenze der Mark Heppenheim mit der Westgrenze der Mark Michelstadt zusammen- fällt, sind wir in der glücklichen Lage, die Grenzbeschreibung dieser Mark aus dem Jahre 819 zur Kontrolle herzanzuziehen ²). UÜber diesen Höhenrücken zieht genau auf der Wasserscheide die sog. Hohe Strasse, vielleicht einem alten Rennsteige folgend. Auf ihr haben die beiden Marken zwischen Brensbach und Kinaig ihren nördlichsten Schnittpunkt. Dies ist die summitas bei dem Hildigeresbrunno. Letzterer dürfte an dem Gumpersberg bei Hummetroth zu suchen sein. Ob er als Quelle des Höller- baches aufzufassen ist, wage ich nicht zu entscheiden, trotzdem das Hildeger ebenso zu Hilter(Hiltersklingen) wie zu Höller sich abschleifen konntes). Mérkwürdiger- weise erinnert ein in der Nähe gelegenes Wallbach sowie zwei Flurnamen Ballerts und Ballertsrain an das Wallersbach bei Wersau im Tal. Es ist daher leicht möglich, dass von hier aus die Besiedelung auf die Höhe hinaufgezogen ist.
Die Grenze berührt dann Burgunthart(ahd. bircha und hart, d. h. Birken- wald), jetzt Birkert, an einem Oberarm der Kinzig gelegen, Licheneshart(Eichen- wald), wo der Markscheider Rado einen künstlichen Hügel4) auf der Grenze gegen den Michelstädter Wald errichtete, Vlisbrunnen d. h. fliessender Brunnen(Spreng?) und erreicht den Mosehart, d. h. den Wald bei Ober-Mossau, wo ein zweiter Grenz- hügel aufgerichtet wurde. In der Beschreibung von 819 wird auf dieser Strecke noch ein Geroldesbrunnen genannt, doch ist es müssig, ihn ausfindig machen zu wollen.
¹) Landau S. 126; Archiv f. hess. Geschichte II 167. ²) Decker, Archiv f. hess. Gesch. VI 553 ff.; Schreiber, ebenda N. F. II 390 ff. ³) Höllerbach heisst noch 1408 Holderbach, was nicht notwendig auf Holunderbach zurückgeführt werden muss. ⁴) Der Lage nach könnte dies die Böllsteiner Höhe sein (buohel-stein, d. i. ein Stein an einem tumulus).


