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Die Friedensarbeit beginnt in Darmſtadt aufs Neue, unterbrochen durch intereſſante Reiſen ins Ungarland und an die Nordſee, im Auftrage von Holzgroßkaufleuten. Ein neuer Ruf gibt die Profeſſur für Landwirtſchaft am Polytechnikum in München, ein größerer Wir⸗ kungskreis wie in Darmſtadt, die Arbeit getan unter dem Adlerblick Liebigs.
Auf K. Vllmumuis Veranlaſſung übernimmt er die Organiſation der landwirtſchaftlichen Abteilung für die Wiener Weltausſtellung und hilft in Eiſenach den Verein für Sozialpolitik gründen. Da trifft ihn der für ſein Leben entſcheidende Brief des Geheimrats Hermann von Nath uſius vom preußiſchen Landwiriſchaftsminiſteriunn, des großen Landwirts und Züchters, der ihn auf Veranlaſſung des Statiſtikers Engel einladet, als Hilfsarbeiter in dieſem Miniſterium zugleich die Stellung des Generalſekretärs im Preußiſchen v Landesökonomie⸗ Kollegium zu übernehmen. So tritt der 34jährige Thiel am 1. April 1873 in die preußiſche Beamtenlaufbahn ein. Landwirtſchaftsminiſter war damals Graf Königsmark, dem nach kurzer Zwiſchenzeit Friedenthal folgte.
Und nun beginnt die herrliche großzügige Arbeit unter dieſem Miniſter und ſeinen be— deutenden Nachfolgern, die das preußiſche Landwirtſchaftsminiſterium aus ſchmalen Anfängen zu der umfaſſenden verwaltenden und ſchaffenden Tätigkeit emporführte, der wir uns alle heute erfreuen. Die Zeit nach 70 iſt in Deutſchland überall der Anfang geworden zu der beiſpielloſen wirtſchaftlichen Entwickelung, die unſer Volk von damals 40 Milln. Einwohnern auf 60 Milln. gebracht und zugleich vielleicht zum reichſten der Erde gemacht hat. Staunend blicken wir auf die Entwickelung von Induſtrie und Handel, aber eine faſt höhere Achtung zwingt uns ab die Grundleiſtung, die, dem ſtillen, grünenden Felde abgerungen, dem großen deutſchen Vaterland Ernährung aus eigener Kraft ſichert.
Aus der Arbeit einer großen Behörde, namentlich einer preußiſchen, die Verdienſte oder Sonderleiſtungen eines Einzelnen herauszuſchälen, iſt nicht leicht und eigentlich unmöglich, faſt ungerecht, denn gerade die Zuſammenarbeit der hervorragenden Männer in unſeren Zentralbehörden, eine einheitliche Körperſchaft darſtellend, iſt für die großen Erfolge das Entſcheidende. Hier ſoll verſucht werden, aus den Schöpfungen einiges hervorzuheben. Das Reſſort Thiels, ſehr bald vortragenden Rats, iſt die landwirtſchaftliche Technik, ſich darſtellend im Schul- und Verſuchsweſen und in der Zuſammenarbeit mit den landwirtſchaftlichen Vereinen. Da iſt das landwirtſchaftliche Unterrichtsweſen, von den Winterſchulen ſich zu den Landwirt— ſchaftsſchulen erhebend und gipfelnd in der Akademie Poppelsdorf und der von ihm geſchaf⸗ fenen Landwirtſchaftlichen Hochſchule mit Muſeum zu Berlin. Ueberall, um dem Bureaukra⸗ tismus zu begegnen, in möglichſter Verbindung mit den praktiſchen Vertretern der Landwirt— ſchaft und der ihr naheſtehenden Gewerbe. So die Verbindung der Hochſchule mit der Land⸗ wirtſchaftskammer Brandenburg, in ihren Verſuchsſtationen für Agrikulturchemie und Maſchinen⸗ weſen. Dort das Inſtitut für Gärungsgewerbe mit ſeinen Abteilungen für Brennerei, Brauerei, Stärke⸗, Eſſig⸗, Preßhefeinduſtrie und endlich der Kartoffeltrocknung, unterhalten von gewerblichen Verbänden, 10000 Mitglieder umfaſſend. Da iſt das Inſtitut für Zucker⸗ induſtrie, gemeinſam geſchaffen mit den Vertretern dieſer Induſtrie. Da die Anſtalt für Getreideverwertung in Verbindung mit einem Müllereiverband, unterhalten von den preußiſchen Landwirtſchaftskammern.
Da iſt die Bewegung in der Moorkultur, die unter Führung der Zentral-Moor⸗ kommiſſion die Verſuchsſtation mit einem Moritz Fleiſcher an der Spitze hervorbrachte.
Da ſind endlich die landwirtſchaftlichen Zentralvereine, durch Geſetz entwickelt zu den Landwirtſchaftskammern, mit ihrem Beſteuerungsrecht, überall große Ziele ins Auge faſſend und ihnen gewachſen.
Nicht ver geſſen ſoll ſein der Geh. Oberregierungsrat Traugott Müller, der Freund und Gehülfe T Thiels, der an vielen dieſer Unternehmungen ordnend und ſchöpferiſch beteiligt war.
Die große Zeit iſt gekennzeichnet durch das Zuſammenarbeiten von Wiſſenſchaft und Praxis. Zwei Männer ſind es da, die als die treibenden Kräfte im Vordergrund zu ſtehen ſcheinen. Der eine, Thiel ſelbſt, der andere Maercker, nun ſchon längſt aus dem Leben geſchieden. Mit zäher Ausdauer den neuen Kontinent durchſtreift, die ſchlimmſten Strapazen gewürzt mit ſprudelndem Humor und lachendem Uebermut, überall die Dinge erfaſſend aus großen Geſichtspunkten; das Ergebnis für Deutſchland: die Verſuchswirtſchaft Lauchſtädt.


