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den Kongreß der Deutſchen Land- und Forſtwirte zu Cleve, wo er das Tageblatt redigiert und korrigiert. So vollzieht ſich die Berufswahl ohne feierlichen Entſchluß. Ein etwas rauher, kaum poetiſcher Uebergang; eine Winterwirtſchaft, um 5 Uhr auf den Futterboden, morgens Milchſuppe mit Klütern, zuweilen ein Drehhammel, eine nicht gerade behagliche Junggeſellenwirtſchaft beim Lehrherrn, aber in harter Schule Tüchtiges gelernt, trotz manches ſehnſüchtigen Blickes nach Weſten. Aber ſchon nach 1½ Jahren ruft ihn Hartſtein zurück und macht ihn zum ſelbſtändigen Wirtſchafter des Gutes Morsbroich, einer v. Diergardſchen Beſitzung bei Opladen. Doch zurück in die akademiſche Freiheit; 1861 beginnt der Zweiund⸗ zwanzigjährige das Landwirtſchaftsſtudium in Poppelsdorf-Bonn, und nun werden ihm Freunde die ſpäteren Führer der deutſchen Landwirtſchaft Wilhelm Rimpau, Beſeler, Schmidt⸗ Löhme. Juriſten wie Achenbach, Nationalökonomen wie Naſſe, Hiſtoriker wie v. Sybel ſind ſeine Lehrer. Mit dem Nationalökonomen Adolf Hell ſteht er in inniger Freundſchaft, die das Leben beider Männer tief beeinflußt hat. Die feinere wiſſenſchaftliche Arbeit leitet der junge Phyſiologe Sachs, der, den Schüler für hohe Ziele begeiſternd, ihn alsbald be— fähigt, auf Grund experimenteller Studien über Wurzelbildung den Doktorgrad zu erwerben. Eine umfaſſende wiſſenſchaftliche Bildung war gewonnen, praktiſche Erfahrung ſtand zur Seite, der Geſichtskreis war erweitert durch eine Studienreiſe mit Rimpau nach England. Was lag dem Sohn der alma mater, aufgewachſen im Poppelsdorfer Schloß, näher, als den Lehrberuf zu wählen? So ſehen wir Thiel im Jahre 1865 als Privatdozent für Landwirtſchaft an der Akademie Poppelsdorf, bald auch an der Univerſität Bonn habilitiert.
Die akademiſche Tätigkeit, praktiſch ergänzt durch Arbeit auf Verſuchsfeld und Guts— wirtſchaft und durch leitende Stellung bei der internationalen landwirtſchaftlichen Ausſtellung in Cöln, wird durch den Krieg von 1866 unterbrochen. Den Kriegsluſtigen litt es nicht zu Hauſe. Soldat konnte er nicht ſein, denn zu Beginn des Dienſſjahres bei den Bonner Huſaren hatte er den Arm gebrochen und war als Erſatz⸗Reſerviſt entlaſſen. So machte er den Feldzug als Krankenträger mit, zugleich Kriegskorreſpondent der Kölniſchen Zeitung; mit den Offizieren befreundet, nimmt er teil an Märſchen und Kämpfen.
Den Sommer 1867 ſehen wir ihn in Paris als Vertreter ſeiner Akademie auf der Weltausſtellung; ein Beſuch der Ausſtellung der Royal Agricultural Society in England ſchließt ſich an. Zum Verwalter des Verſuchsfeldes der Akademie Poppelsdorf aufgeſtiegen, führt ihn ein Ruf als Profeſſor der Landwirtſchaft und Nationalökonomie 1869 nach Darmſtadt.
Energiſche berufliche Tätigkeit, Verkehr mit Männern wie Otto Roquette und David Friedrich Strauß, Beziehungen zu dem Prinzen Ludwig und deſſen engliſcher Gemahlin ge— währen ein geiſtig höchſt angeregtes Leben; die auch für die Ingenieur-Studierenden des Poly— technikums in Darmſtadt beſtimmte Vorleſung über Nationalökonomie führt das Intereſſe über das Gebiet der Landwirtſchaft hinaus zur Beobachtung der allgemeinen Bedingungen des gewerblichen Lebens.
Im Winter 1869/70 gewinnt der junge Profeſſor erneute Beziehungen zu den Kreiſen, die ſpäter einmal die Landwirtſchaftswoche in Berlin ſchaffen ſollten, damals zu dem harm— loſeren Kongreß der Deutſchen Land- und Forſtwirte in Berlin vereinigt.
Der Kriegsſommer naht. Den hochgemuten Patrioten feſſelt nicht die Lehrkanzel. Ohne
Urlaub verläßt er Darmſtadt, eilt nach Bonn, um für die Mutter der Vater war ſchon 1869 verſtorben zu ſorgen und Abſchied zu nehmen, denn er will in den Krieg. Aber
wer ſoll ihn mitnehmen? Freikorps ſind bei Moltke nicht beliebt, und er ein armer, zu den Erſatzreſerviſten Entlaſſener, mit einer achttägigen militäriſchen Ausbildung! Da führt ihm der Zufall den Freund Kyllmann(fetzt Geheimer Baurat in Berlin) entgegen, der auf dem Wege nach Deutz iſt, um als Sekondeleutnant eine Schwadron des ſchweren Deutzer Reſerve⸗Reiter⸗Regiments zu formieren. Der Plan wird fein geſchmiedet: ein Mann iſt in der Liſte vergeſſen, der muß er ſein.
Der Kriegsmann und Profeſſor wird ſchnell eingekleidet, mit Pferden weiß er Beſcheid, und ſo reitet er mit in Feindes Land. Von den ins Vertrauen gezogenen Vorgeſetzten an— genommen, rückt er zum Unteroffizier auf und wird zum Leutnant befördert, erwirbt das eiſerne Kreuz und tut bis zum Friedensſchluß Adjutantendienſte.
Das tat dem heißen Blute genüge! Wo haben wir jetzt in dieſer Friedenszeit die mächtigen Triebe, die die Starken aus der Menge ſondern und an die Spitze führen?
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