Aufsatz 
Dr. Hugo Thiel
Entstehung
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Dr. hugo Thiel.

Am 1. Oktober des verfloſſenen Jahres iſt Se. Exzellenz Herr Miniſterialdirektor Dr. Hugo Thiel, der Begründer der Landwirtſchaftsſchulen, nach reicher ſegensvoller Arbeit in den wohlverdienten Ruheſtand getreten. Noch im vergangenen Sommer hat er unſere Schule, der er wegen ihres von ihm ſehr hochgeſchätzten erſten Direktors, Heinrich Matzat, immer ein ganz beſonderes Intereſſe und Wohlwollen entgegengebracht hat, beſucht, und unſere augenblickliche Schülergeneration hat ihm in ſein ernſtes und doch ſo mildes Auge blicken dürfen. Da fordert es die Pflicht der Dankbarkeit, in unſerm erſten Programm, das nach ſeinem Scheiden aus dem Staatsdienſte erſcheint, ſeiner zu gedenken und unſern Schülern das Leben und Wirken dieſes Mannes vorzuführen zugleich als ein leuchtendes Vorbild für ihre eigne Zukunft.

Wir geben deshalb im nachſtehenden einen von Geheimrat Delbrück zur Feier von Thiels 70. Geburtstag am 2. Juni 1909 in derLandwirtſchaftlichen Preſſe ¹) verfaßten kurzen Lebensabriß, ſtellenweiſe ergänzt aus einem Aufſatz Guſtav Schmollers in den Mitteilungen der Deutſchen Landwirtſchafts⸗Geſellſchaft 2). Das ungemein ähnliche Porträt Thiels, welches wir gleichzeitig als hervorragenden Schmuck des Aufſatzes bringen, verdanken wir derIlluſtrierten Landwirtſchaftlichen Zeitung 3).

Geboren wurde Thiel am 2. Juni 1839 in Vonn, von beiden Eltern her Juriſtenblut in den Adern, ein echter Sohn akademiſcher Freiheit der rheiniſchen alma mater, in deren Verwaltungsdienſt der Vater, der ſchon an dem Feldzuge von 1815 teilgenommen hatte, von ihrer Gründung an tätig war. Aber auch Wagemut von ihm und von den Ahnen herleitend, deren einer als Schieferdecker den Tod fand. Von dem Geburtshaus in Kleys Garten, der Dienſtwohnung des Vaters im Schloß zu Poppelsdorf, überall Luft und Licht und weite Ausſicht. Beide Eltern Kinder des Weſtens, die Mutter liebreich und energiſch herrſchend über der großen Kinderſchar, der Vater ſchon um 5 Uhr morgens mit den Jungens in den Rhein, den bald der junge Hugo ohne Hilfsboot hin und zurück durchſchwimmt. Ein Gymnaſium ohne Ueberbürdung; das erſte Hindernis, das Abiturientenexamen, wird trotz Siebengebirge, Turnen, Schwimmen und Botaniſieren leicht mit 18 Jahren genommen.

Der lebensfrohe junge Mann ſiedelt über nach Uenglingen bei Stendal und wird Landwirtſchaftslehrling, unter das Kommando eines oſtelbiſchen Wirtſchaftsbeamten geſtellt. Das Schickſal hatte ihn zum Landwirt beſtimmt; botaniſche Liebhabereien hatten ſich ſchon früher entwickelt in dem Verkehr und in gemeinſamer Arbeit mit dem Inſpektor des Botaniſchen Gartens in Poppelsdorf. Dem Adminiſtrator und baldigen Direktor der landwirtſchaftlichen Akademie Poppelsdorf, Hartſtein, folgt Thiel in die altmärkiſche Wirtſchaft und in die Studierſtube, er wird ſein Gehilfe und Vertreter im Amt und Reiſebegleiter für ¹) 36. Jahrgang Nr. 44. ²) 24. Jahrgang Stück 23. ³) 29. Jahrgang Nr. 44.

mit Erlaubnis der Redaktionen, denen wir dafür hierdurch unſern Dank ausſprechen.