Aufsatz 
Die wichtigsten Resultate der Astronomie des 19. Jahrhunderts / Wilh. Kiefer
Entstehung
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was ſterblich iſt, eilt ſeiner Auflöſung entgegen, einer ſcheinbaren wenigſtens, einem Wechſel von Geſtalt und Form. Werden die Störungen, in's Unendliche zunehmend, ſo beträchtliche Veränderungen bewirken, daß der Beſtand der ganzen Weltenordnung gefährdet wird? Soll einſt auch dieſe Sonne erlöſchen und die Trümmer dieſer Sternenwelt chaotiſch im Raume zerſtreut liegen, wie in den Ab⸗ gründen dieſer Erde die Ueberreſte der Pflanzen und Thiere einer längſt verſchwundenen Vorwelt? Kurz will der Schoͤpfer ſeine Welt erhalten, oder liegt es in ſeiner Abſicht, vielleicht auch erſt nach Millionen Jahren dieſelbe zu zerſtören?

Newton war der Anſicht, daß im Laufe der Jahre allmälig aber unaufhaltſam ein Zuſtand herbeikommen werde, der mit einem geſicherten Fortbeſtehen der Glieder des Sonnenſyſtems unverträglich ſei. Er poſtulirte aber, daß alsdann die Gottheit ſelbſt durch einen unmittelbaren Akt der Allmacht eingreifen und wieder zur alten Ordnung einlenken würde. Leibnitz fand eine ſolche Anſicht der ewigen Weisheit unwürdig. Er nahm daher zurpräſtabilitirten Harmonie ſeine Zuflucht, zu welcher Alles von ſelbſt wieder ſtrebt und ſtreben muß. Aber ſelbſt die Anſicht dieſer großen Männer konnte nicht befriedigen, denn der Menſch forſcht gerne ſelbſt und prüft, ſo weit ſeine Kräfte reichen, und dehnt ſeine Forſchungen in das Unendliche aus.

Wenn wir alſo aus Wiſſensdrang dieſe ſtolze Frage an die ewige Weltenordnung wagen, ſo dürfen wir nicht die Zügel nüchterner und ſtrenger Rechnung verſchmähen, ſonſt gerathen wir in die weiten Irrgänge eitler Träumereien. Durch die Meßkunſt ſchwindet Alles, was etwa von Unordnung und Geſetzwidrigkeit in dem unpaſſenden WorteStörung liegen mag. Denn wir bezeichnen mit dieſem Namen nur wohl zu berechnende Factoren in der Gleichung einer Bahn. So wird die Erde, für den Mond Centralkörper, zum ſtörenden Factor, wenn es ſich um die Bahnelemente des Mars handelt. Man verfolgt die Bahn eines Kometen auf jeder Stelle, und beobachtet überall die Wirkungen der einzelnen Weltkörper auf ihn, wenn nicht eine zu große Entfernung oder eine zu kleine Maſſe jegliche Wechſelwirkung aufhebt.

In neuerer Zeit hat die Theorie der Störungen ſo außerordentliche Fortſchritte gemacht, daß wir uns der ſicheren Hoffnung hingeben dürfen, daß noch alle Schwierigkeiten weggeräumt werden, wenn gleich gewiſſe Störungen in Perioden von 10000, ja von 100000 Jahren wiederkehren. Kennen wir doch erſt mit ziemlicher Zuverläſſigkeit die Maſſen von Jupiter, Saturn und Erde, während neuerdings z. B. die Merkurmaſſe auf die Hälfte herabgeſetzt werden mußte!

Die Unterſuchungen von Laplace in ſeinem berühmten Werke über die Mechanik der himmliſchen Bewegungen führten zu wunderbaren Aufſchlüſſen. Uebereinſtimmende Reſultate ergaben die Arbeiten von Gauß, Beſſel, Hanſen, Poiſſon und Leverrier. Man hat weder einen Zuſammenſtoß zweier Planeten oder das Herabſtürzen eines Satelliten, noch das Hinausſchleudern eines Körpers aus den Grenzen ſeines Gebietes in fremde Regionen zu befürchten.

Periodiſch ſind die Störungen, verurſacht durch die ſphäroidale Geſtalt, z. B. das Vorrücken der Nachtgleichen.

Keine Excentricität einer Bahn kann wachſen, ohne daß durch die gleichzeitige Abnahme einer oder mehrerer andern eine Ausgleichung bewirkt würde.

Die Knoten ſchreiten zwar unbegrenzt fort, aber in einer wieder in ſich zurückkehrenden Curve,

wodurch allein ſchon das Periodiſche bedingt iſt. 3*