Aufsatz 
Die wichtigsten Resultate der Astronomie des 19. Jahrhunderts / Wilh. Kiefer
Entstehung
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ſchel, Vater und Sohn, nahmen auch dieſe Arbeit wieder auf. Sie ſuchten durch die Beobachtung der phyſiſchen Doppelſterne ihre Bahnen und die wirkenden Kräfte kennen zu lernen und machten zuerſt darauf aufmerkſam, wie wichtig die Beobachtung der optiſchen Doppelſterne ſei, um die Unter⸗ ſchiede ihrer Jahresparallaxen zu beſtimmen. Allein Beſſel und Struve war es vorbehalten, dieſe Anfänge zu der heutigen Vollendung zu bringen und uns für die kurze Dauer der Beobachtung über⸗ raſchende Reſultate zu liefern. Struve's 1837 erſchienenes Werkmensurae micrometicae stellarum duplicium, wozu im Jahre 1851 ein Nachtrag erſchien, darf als ſeine ruhmreichſte Arbeit bezeichnet werden. Von 6000 bekannten Sternſyſtemen ſtehen entſchieden gewiß an 500 in einem phyſiſchen Verbande und zeigen uns die merkwürdige Erſcheinung, daß auch Sonnen ſich um einander bewegen. Wenn auch hier zuweilen ein Centralkörper die ſchwächeren um ſich herumführt, ſo kommt doch häufiger der Fall vor, wo die einzelnen Sterne, an Größe nicht ſehr verſchieden, ſich um einen gemeinſchaft⸗ lichen Schwerpunkt bewegen. Zur Bahnbeſtimmung haben Savary und Encke Anweiſungen, ſowie J. Herſchel eine graphiſche Methode gegeben. Wirklich hat man nach der vorzüglicheren Methode von Encke Doppelſterne berechnet und die beobachteten Oerter mit befriedigender Uebereinſtimmung gefunden. Seit der erſten Meſſung haben nur wenige ihre Bahnen vollendet( coronae 42 ½ Jahre), während einigen andern noch eine geringe Strecke fehlt, und die größere Mehrzahl Jahrhunderte, wohl Jahrtauſende zur Vollendung einer Bahn gebrauchen mag.

7. Sternen⸗Nebel. In der Tiefe der Räume zwiſchen den einzelnen Sternen erblickt das be⸗ waffnete Auge häufig wolkenartige Maſſen von mannichfacher Form und Größe. In einigen dieſer Nebelflecke läßt ſich gar nichts erkennen; andere zeigen einen oder mehrere Sterne mit einem Nebel umgeben, viele aber laſſen ſich vollſtändig in Myriaden von Sternchen auflöſen, welche Erſcheinung wohl alle bei verſtärkteren Fernröhren zeigen mögen. In der That hat man in neuerer Zeit in Nordamerika ſowohl den Orinnebel, als auch den für unauflöslich gehaltenen in der Andromeda auf⸗ gelöſt. Vielleicht wird dies durch das 7000 Pfund ſchwere Telescop Lord Roſſe's noch bei mehreren gelingen.

Neben dieſen Gebilden nehmen übrigens viele Aſtronomen noch eine leuchtende Materie, einen im Werden begriffenen Weltenſtoff an. Dieſe ſinnliche Wahrnehmung der Schöpfung in verſchiedenen Entwickelungsperioden, dieſesBelauſchen der Gottheit in ihrer eigenen Werkſtätte, fand großen Bei⸗ fall und iſt auch von Humboldt im Kosmos ausgeſprochen. Indeſſen beſtätigt keine einzige Thatſache dieſe Anſicht; man hat weder einen Uebergang zu einem Firſterne, noch die Metamorphoſe in einen Kometen, ja nicht die geringſte Aenderung wahrgenommen Dieſe Welt mußte ſich unmittelbar nach der Schöpfung im Zuſtande des Gleichgewichts befinden, deſſen Harmonie nur durch geſetzmäßiges Wirken bedingt iſt und allein durch Einwirkung des Schöpfers geſtört werden kann.

§. 8. Schluß.

Dürfen wir aber von geſetzmäßigem Wirken ſprechen, da wir überall ſehen, daß keine Bahn dieſelbe, daß keine Dauer der Bewegung die nämliche bleibt? Jeder Körper des Weltalls wirkt ſtörend auf die andern und iſt ein geſtörter, denn jede Wirkung bedingt eine Gegenwirkung, und die Aenderung des Orts ändert die Bahn. Wo wir auf dieſer Erde Entſtehen bemerken, da iſt auch Untergang;