Aufsatz 
Die wichtigsten Resultate der Astronomie des 19. Jahrhunderts / Wilh. Kiefer
Entstehung
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Die Summe aller ſecularen Veränderungen der großen Achſen einer Planetenbahn heben ſich auf, eine durch die Beobachtung des Jupiter und Saturn gewonnene Thatſache, die ſich nachträglich als nothwendiges Ergebniß des Gravitationsgeſetzes herausſtellte.

Auch die Neigungen der Bahnen ſind Veränderungen unterworfen, welche innerhalb beſtimmter Grenzen wachſen und abnehmen, während ſie bei unbegrenzter Zu⸗ oder Abnahme die Jahreszeiten durchaus verändern müßten. Wir haben ein Beiſpiel, bei welchem der Umdrehungsäquator mit der Bahnebene nahe zuſammenfällt(Jupiter); und ein zweites, bei welchem ſie beinahe einen rechten Winkel bilden(Uranus). In beiden Fällen müſſen mögliche animaliſche und vegetabiliſche Verhältniſſe dieſer Lage angepaßt ſein. Aber zwiſchen beiden Zuſtänden ſind nur geringe Schwankungen, jedoch kein Uebergehen von dem einen zu dem andern möglich, ohne die ganze Lebensordnung des Planeten zu ändern und die Bedingungen der Exiſtenz ſeiner Pflanzen und Thierwelt aufzuheben. Bei der Erde iſt dieſe Periode in enge Grenzen eingeſchloſſen, ihre jetzigen Pole werden dies in alle Zukunft bleiben. Es iſt demnach vergeblich, für die Ueberreſte tropiſcher Pflanzen und Thiere in Sibirien eine aſtro⸗ nomiſche Erklärung zu ſuchen ¹).

Die Veränderungen des Periheliums ſind gleichfalls periodiſch. Die Erde z. B. wird ihren ſideriſchen Cyclus in 110000, den tropiſchen ſchon in 21000 Jahren beenden. Gegenwärtig ſind Herbſt und Winter auf unſerer nördlichen Halbkugel 7 Tage kürzer als Frühling und Sommer und die ganze Wirkung dieſer Störung wird die ſein, daß nach tauſenden von Jahren dieſe Erſcheinung für die ſüd⸗ liche Halbkugel der Fall ſein wird.

Wir ſehen demnach in allen Verhältniſſen in unſerem Planetenſyſtem ſowohl, wie auch mit großer Wahrſcheinlichkeit in den fernen Syſtemen der Fixſternwelt, wie die waltenden Kräfte durch Wirkung und Gegenwirkung eine Bewegung erzeugen, deren Regelmäßigkeit und Ordnung, oft erſt nach Jahr⸗ hunderten erſichtlich, das erhaltende Princip der Schöpfung beurkunden. Nirgends ſind die Keime mechaniſcher Abnützung zu entdecken, an keiner Stelle die Factoren vorauszuberechnender Zerſtörung aufzufinden, daher kann eine künftige Vernichtung dieſer wundervollen Werke nur nach dem Willen des Schöpfers ſelbſt erfolgen.

1) Als man die Mammuthreſte in dem Diluvium Nordſibiriens genauer unterſuchte, fand man überdies, daß dieſe Dickhäuter nicht nackt, ſondern mit einem Pelze bekleidet waren; der Magen enthielt halbverdaute Fichtennadeln und andere Pflanzen, die noch jetzt der Flora Sibiriens angehören. Vergl. Düſſeld. Prog. 1858 von Dr. C. Czech.