Aufsatz 
Die wichtigsten Resultate der Astronomie des 19. Jahrhunderts / Wilh. Kiefer
Entstehung
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2. Sternverzeichniſſe. Schon in den früheſten Zeiten hat man die Sterne, welche ſich in eine Gegend des Himmels projiciren, in Gruppen gebracht, in Sternbilder, deren Namen meiſt den älteſten Mythen entlehnt ſind. Erſt in ſpäteren Zeiten fühlte man das Bedürfniß von Sternverzeichnungen, welche in dieſem Jahrhunderte mit bewundernswerthem Fleiße ausgeführt und mit den älteren ver⸗ glichen eine reiche Quelle der wichtigſten Entdeckungen wurden. Von Beſſel und Piazzi bis auf Argelander haben ſich beinahe alle Aſtronomen an der Topographie des Himmels betheiligt, vor Allen aber haben wir F. Herſchel, Vater und Sohn, zu nennen:coelorum perrupit claustra. Denn der Fixſternhimmel war das eigentliche Feld ihrer Thätigkeit, namentlich lehrte uns Sir J. Herſchel die bis dahin nur mangelhaft erforſchte ſüdliche Hemisphäre kennen: eine mit einer mühſeligen Reiſe und jahrelangem angeſtrengtem Fleiße verbundene Arbeit, die unſere Bewunderung um ſo mehr ver⸗ dient, als ſie ohne alle eigennützigen Nebenzwecke aus der reinſten Liebe zur Wiſſenſchaft vollführt wurde.

3. Die Eigenbewegung und die Centralſonne. Das wichtigſte Ergebniß der Vergleichung von Sterncatalogen verſchiedener Zeiten war die Entdeckung der Eigenbewegung der Fixſterne. Argelander fand für 390 Sterne eine Säcular⸗Bewegung von 10; Mädler bei vielen eine ſolche von 8 22, die ſich bei einigen auf über 100 ſteigert; die größte aber von 701 zeigt ein telescopiſcher Stern in den Jagdhunden. Dieſe jährliche Bewegung iſt nun entweder eine wirklich eigene Bewegung der Fixſterne oder nur eine ſcheinbare, durch die Bewegung unſerer Sonne und des ganzen Planetenſyſtems hervorgebrachte. In der That ſtellte ſich bald heraus, daß beide Urſachen gleichzeitig wirken. Neben der eigenen characteriſirt ſich die ſcheinbare, d. h. die Bewegung unſerer Sonne darin, daß die Sterne in der Umgegend der Richtung dieſer Bewegung ſich gemeinſchaftlich von dem Punkte entfernen, welchem die Sonne zueilt, während ſie in entgegengeſetzter Richtung dem Punkte ſich gemeinſchaftlich nähern, von dem ſie ſich entfernt. Dieſe Wahrnehmung iſt eine äußerſt feine und daher geben uns die Aſtro⸗ nomen ihre Vermuthungen über die Richtung nur mit ausdrücklichem Vorbehalte. Wie die Sonne die Bahn der Planeten und ihrer Monde regelt, ſo ſoll eine Centralſonne die Fixſterne beherrſchen und und um ſich herumführen.Aller Sonnen Heere wandeln um eine große Sonne.

Das Gravitationsgeſetz erfordert übrigens nur einen Schwerpunkt, möge er nun durch Materie vertreten ſein oder nicht. Unter dieſem Punkte O0, dem Schwerpunkte des Weltalls, hat man ſich die Centralſonne vorzuſtellen. Herſchel gibt einen Punkt im Sternbilde des Hercules an, zur Linken vom hellen Sterne der Krone, während Mädler als dynamiſchen Mittelpunkt die ſternreiche Gruppe der Plejaden bezeichnet und Alcyone(n tauri) als Centralſonne, wenn je einem Sterne die Würde des virtuellen Punktes 0 zukomme. Für dieſe Annahme folgt eine Umlaufszeit der Sonne von 22 ½ Millionen Jahre. Die ſcharfſinnigen Gründe, welche Mädler zu dieſer Wahl beſtimmten, ſind in der neueſten Auflage ſeiner Aſtronomie niedergelegt.

4. Die Fipſternparallapße. Nachdem ſo die Eigenbewegung der Sterne feſtgeſtellt, durfte man wieder mit Erfolg an das Auffinden einer Jahresparallaxe denken, um auch den letzten Einwand gegen das Copernicaniſche Syſtem zu beſeitigen. Wenn nämlich die Erde ſich in einer ſo weiten Bahn um die Sonne bewegt, ſo müßte doch ein Stern in verſchiedenen Jahreszeiten an verſchiedenen Stellen des Himmels erſcheinen. Aber obgleich die ſorgfältigſten Beobachter mit dem hingebendſten Fleiße ſich dieſer Aufgabe widmeten, ſo gelang ihre Löſung doch erſt 1836 vorzüglich durch das von Frauen⸗ hofer auf einen ſo hohen Grad der Vollendung gebrachte Heliometer. Hieraus ergaben ſich für dieſe

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