Aufsatz 
Die wichtigsten Resultate der Astronomie des 19. Jahrhunderts / Wilh. Kiefer
Entstehung
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13.

Das Syſtem Saturn's, unter allen Partialſyſtemen das merkwürdigſte und mannichfaltigſte, iſt uns weniger bekannt, da er noch einmal ſo weit abſteht, als Jupiter. Die genaueſten Arbeiten über die Elemente des Saturn verdanken wir Beſſel. Merkwürdig iſt die Erſcheinung ¹), daß dieſer Planet von 2, wieder getheilten, Ringen umgeben iſt, welche in derſelben Zeit um den Saturn rotiren, in welcher er ſich um ſeine Axe dreht. Struve, Schwabe, Herſchel und Harding haben gefunden, daß ſich Saturn nicht genau im Centrum der Ringe befindet, dieſe vielmehr eine Excentricität von 200 Meilen haben. Im Jahre 1850 iſt die höchſt intereſſante Entdeckung gemacht worden, daß der Raum zwiſchen dem Planeten und dem innern Ring keineswegs, wie man geglaubt, ganz leer ſei, ſondern daß ſich hier noch ein dritter, dunkler Ring befinde, welcher etwa den dritten Theil des Zwiſchen⸗ raums ausfüllt. Neuere Beobachtungen von Schmidt, Schwabe und beſonders Laſſell, der den reinen Himmel auf Malta zu ſeinen Forſchungen benutzte, haben die Wahrheit der Entdeckung außer Zweifel geſetzt; was aber dieſe zu einer der merkwürdigſten macht, iſt die Erſcheinung, daß dieſer dritte Ring völlig durchſichtig, wahrſcheinlich eine tropfbare Flüſſigkeit iſt, daß aber nichtsdeſtoweniger ſeine Ränder völlig abgegränzt ſind. Saturn wird von 8 Trabanten begleitet, von denen 7 zu Anfang des Jahrhunderts Bekannt waren; der achte iſt erſt vor einigen Jahren von Laſſell entdeckt worden, indem er wegen ſeiner großen Lichtſchwäche bis dahin den Forſchungen entgangen war.

Von Uranus und Neptun iſt ihrer großen Entfernung wegen ſehr wenig bekannt. Herſchel will an Uranus 6 Trabanten geſehen haben, die aber ſpäter niemals wieder alle aufgefunden wurden. Auch Neptun hat 2 Trabanten und wahrſcheinlich einen ihn umkreiſenden Ring.

§. 6. Die Kometen.

1. Zweck derſelben und die Befürchtung eines Zuſammentreffens. Wir haben zum Schluſſe der Betrachtungen über die Körper unſeres Planetenſyſtems noch der Kometen zu gedenken. Ihr plötzliches Erſcheinen und Verſchwinden, ihre ſonderbare, raſch veränderliche Geſtalt und der räthſelhafte Stoff, aus welchem ſie beſtehen müſſen, machten dies Gebiet zu einem Tummelplatz ungezügelter Phantaſien. Aber kein Sterblicher vermag es, den Plan zu enthüllen, welchen ihnen die ewige Weisheit bei der Schöpfung zugetheilt. Denn ſie ſind weder für eine verhängnißvolle Zeit neugeſchaffene Zeichen eines zürnenden Gottes, noch ſind ſie dazu beſtimmt, durch ihre Maſſe den ſich verzehrenden Lichtſtoff der Sonne zu erſetzen, oder andere Zwecke zu erfüllen, wie ſie ſchon tauſendfach ausgedacht wurden. Selbſt die beſſere Anſicht, nach welcher ſie als im Werden begriffene Körper einer niederen Entwickelungsſtufe betrachtet werden, muß als unbegründet in das Bereich unhaltbarer Hypotheſen verwieſen werden. Haben wir doch auf dieſer Erde eine unendliche Mannichfaltigkeit belebten Daſeins, warum ſollte das in der großen Welt ſich anders verhalten?

Auch darf man heute die Befürchtung als beſeitigt betrachten, nach welcher durch ihr Erſcheinen eine weſentlich ändernde Störung in den Bahnen oder gar eine Zertrümmerung möglich wäre. Wohl hat Laplace für gewiſſe Verhältniſſe in der Theorie Störungen nachgewieſen, welche in's Unendliche wachſend, die Stabilität des Sonnenſyſtems in Frage ſtellen; doch ſchwindet für die Bahnen unſeres Sonnenſyſtems auch dieſe Befürchtung(Hanſen), indem jede Störung für alle Zeiten in einen

1) Huygens: annulo cingitur, tenui, plano, nusquam cohaerente, ad ecliptam inclinato.