Aufsatz 
Die wichtigsten Resultate der Astronomie des 19. Jahrhunderts / Wilh. Kiefer
Entstehung
Einzelbild herunterladen

11

menſetzung der Elemente und regulines Eiſen nachwies. Die Männer, welche ſich am häufigſten mit dieſer Frage beſchäftigten, ſind: Chladni, Benzenberg, Brandes, Jahn, Heis, Joh. Schmidt und Al. v. Humboldt, welcher beſonders noch auf das Periodiſche in ihrer Erſcheinung aufmerkſam machte. Die Aſteroidenſchwärme kreiſen um die Sonne in geſchloſſenen Ringen, welche die Erdbahn ſchneiden. Gelangt die Erde auf ihrer Bahn in einen ſolchen Knotenpunkt, ſo müſſen dieſe kleinen Weltkörper ihrer Anziehungskraft folgen, gelangen in die Atmosphäre, entzünden ſich und ſtürzen zer⸗ trümmert auf die Erde nieder.

Mit dieſen Aſteroidenſchwärmen brachte Olmſtead 1851 das Zodiacallicht in Verbindung, welches er nur für den Reflex ſolcher Ringe erklärte. Alle Erſcheinungen ſtimmen ſo gut mit dieſer Anſicht, daß man ſeitdem Mairan's Anſicht verließ, der das Zodiacallicht für die äußerſten Grenzen der Sonnenatmosphäre hielt.

1 Auch mit der Wetterfrage hat man die Meteore in Verbindung gebracht, und Ermann behauptet, ohne zu überzeugen, daß die berüchtigten Maitage ihre niedere Temperatur dem Umſtande verdanken, daß zur ſelben Zeit Aſteroidenſchwärme vor der Sonnenſcheibe vorübergehen.

Die neueſten Arbeiten über Meteoriten von Dr. Kenngott(Zürich 1860) und Reichenbach (Pogg. Ann. Band 105) beurkunden bei vielen Wahrheiten und gründlichen Angaben die reiche Phantaſie der Verfaſſer.

Die Elemente der Planetoiden kennt man noch ſehr wenig. Außer der Zeit ihres Umlaufs, der Lage und Geſtalt ihrer Bahnen wiſſen wir nichts; ihre Oberflächen, Axendrehungen und Dichtigkeitsverhältniſſe ſind nicht bekannt, und kaum können wir von der Zukunft erwarten, etwas Zuverläſſiges zu erfahren.

3. Innere Planetengruppe. Die innere Planetengruppe Merkur, Venus, Erde und Mars unter⸗ ſcheidet ſich von den übrigen durch eine kürzere Umlaufszeit und durch eine Axendrehung, welche der Dauer von 245 ziemlich nahe kommt. Ihre Maſſe iſt durchſchnittlich beträchtlich dichter als die der anderen Planeten und ihre Geſtalt nahe kugelförmig, ſehr wenig an den Polen abgeplattet.

Merkur, deſſen nächſter Durchgang vor der Sonnenſcheibe am 11. Nov. 1864 erfolgt, iſt uns am wenigſten bekannt. Die noch unſicheren Elemente gaben Harding und Schröter in dem Werke hermographiſche Fragmente zur nähern Kenntniß des Planeten Merkur.

Ueberhaupt aber muß bei dieſer Gelegenheit darauf aufmerkſam gemacht werden, daß alle berüfrten Gegenſtände der Conjecturalaſtronomie: Wolkenleben, Gebirge, animaliſches und vegetabiliſches Leben ꝛc. zum großen Theile dem Gebiete der Phantaſie angehören, auf ungerechtfertigten Schlüſſen beruhen und gar keinen Glauben verdienen. Unter dieſe Rubrik gehört Vieles, was Schröter geſchrieben; beinahe Alles, was Gruithuiſen und Nürnberger geſagt, da ſie ihrer ergötzlichen Muſe ganz freien Spielraum ließen. Denn wer fern von einer Naturerſcheinung, jegliche Beobachtung verſchmähend, nur aus den Geſetzen des Denkens ein Phänomen erklären will, geräth auf Abwege, und ſeine Schöpfungen ſind nur Spiele einer regelloſen und wilden Einbildungskraft. Namentlich vermißt man bei allen dieſen Philoſophemen über die Exiſtenz lebender Weſen auf andern Weltkörpern faſt durchweg die Be⸗ rückſichtigung der Schwere an der Oberfläche, d. h. das Einzige, was wir über die Phyſik der Him⸗ melskörper gewiß wiſſen.

Auch über die Venus beſitzen wirAphroditographiſche Fragmente von Schroter. Der 150 Jahre lang andauernde Streit, ob die Venus ſich in nahe 24(Caſſini) oder in ebenſoviel Tagen(Bian⸗

2*