Aufsatz 
Die wichtigsten Resultate der Astronomie des 19. Jahrhunderts / Wilh. Kiefer
Entstehung
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große und heftige Umwälzungen Statt, welche heute ſeine Oberfläche hell, morgen vielleicht ſchon mit grauen und ſchwarzen Flecken erſcheinen laſſen.

Dieſen Anſichten trat Leverrier in Folge ſeiner Beobachtungen in Spanien feierlich entgegen und ſtellte eine neue Hypotheſe auf, welche jedoch mit mehr Aufſehen als Beifall aufgenommen wurde. Die Sonne beſteht ſeiner Meinung nach aus einem feſten oder flüſſigen Kerne, umgeben von einer ununterbrochenen Schicht jenes roſenfarbenen Stoffs, der kraft ſeiner hohen Temperatur leuchtet.

3. Sonnenflecken. Aus den Fleckenbeobachtungen folgerte man eine Rotationsperiode der Sonne von 25 ½ Tagen, ein Reſultat, welches keineswegs auf Genauigkeit Anſpruch macht, da man bis jetzt noch nicht völlig überzeugt iſt, ob jene Flecken beſtändige Oberflächentheile der Sonne ſind ¹). Auch hat man in ſpäterer Zeit die Beobachtung gemacht, daß die eine Sonnenſeite eine ſtärker wärmende Kraft habe als die andere, was ſich in einer Periodicität der Temperatur verrathe. Im Weſentlichen wurden dieſe Beobachtungen durch Secchi in Rom und neuerdings durch Laugier in Paris beſtätigt. Aus der Zahl der Sonnenflecken aber hat ſich bis jetzt kein gegründeter Schluß auf die Jahrestem⸗ peratur machen laſſen; es hat ſich weder eine Verringerung(Schwabe) noch eine Erhöhuns(Herſchel) beſtätigt. Der einzige Zuſammenhang, welcher beſteht, iſt die zuerſt von Lamont nachgewieſene Perio⸗ dicität in der Stärke der Magnetnadelbewegungen, die ſowohl der Dauer als der Epoche des Maximums nach mit der Sonnenfleckenperiode übereinſtimmt. Dieſe Periode wird in einer 1852 erſchienenen SchriftNeue Unterſuchungen über die Periode der Sonnenflecken und ihre Bedeutung von Wolf auf 11,[1] Jahre beſtimmt. Beſtätigt ſich dieſe Beobachtung, ſo müßte in entſprechender Entfernung die Sonne als ein veränderlicher Stern erſcheinen, und wir hätten eine nicht ganz verwerfliche Erklärung über jene wunderbare Erſcheinung des Lichtwechſels der veränderlichen Sterne.

§. 5. Die Planeten ²).

1. Das Wiederſinden der Ceres und die Berechnung des Neptun. Bei der Anlegung eines Sternverzeichniſſes beobachtete Piazzi am 1. Januar 1801 ein Sternchen, welches ſchon am 2. Jan. ſeinen Ort geändert hatte; fortgeſetzte Beobachtungen bewieſen, daß dieſer Stern ein Planet war; allein Krankheit hinderte ihn an weiteren Beobachtungen, und als man ſpäter den neuen Planeten am Himmel aufſuchte, gelang es nicht, ihn wieder aufzufinden. Damals hatte der geniale Gauß eine Methode zur Planetenberechnung in ſeinem berühmten Werketheoria motus corporum coelestium niedergelegt, und es glückte mittelſt dieſer Methode dem Aſtronomen Olbers am 1. Januar 1802 die Ceres wiederaufzufinden. Dieſes Wiederfinden der Ceres iſt ein Triumph der Wiſſenſchaft, ein neuer Be⸗ weis für die Richtigkeit des Gravitationsgeſetzes und erhöhet, ſo gut wie die Entdeckung des trans⸗

1) Bemerkenswerthe Beobachtungen ans den Jahren 1814 und 1816 hat uns Hallaſchka in dem Hesperus überliefert. 2) Kepler's Ausſpruch(inter Jovem et Martem interposui planetam) und die Prophezeiung Lichtenberg's, daß ſich im 19. Jahrhunderte die Zahl der Planeten verdoppeln würde, iſt jetzt ſchon nicht nur in Erfüllung gegangen, ihre Zahl iſt bereits auf 65 angewachſen. Man iſt nach einem Berichte Encke's in, der Berliner Academie übereingekommen, die zwiſchen Mars und Jupiter kreiſenden Kleinplaneten durch die natürlichen Zahlen, in Kreiſe eingeſchloſſen, zu bezeichnen und dabei die Zeitfolge der Entdeckung zu beobachten. So z. B. bedeutet G die Phokaea, entdeckt 1853 am 5. April

von Chacornac zu Marſeille.

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