Aufsatz 
Die wichtigsten Resultate der Astronomie des 19. Jahrhunderts / Wilh. Kiefer
Entstehung
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wie bei Saturn abſonderte, der ſich endlich in einzelne rotirende Trabanten trennte; gewiß eine ge⸗ treue Darſtellung der Kosmogenie von Laplace.

Zur Ergründung der Geſtalt der Erde wurde auch das Pendel verwendet. Beſſel hat mit einem ſehr genauen Apparat die Conſtante der Schwerkraft, d. h. die beim freien Falle am Ende der erſten Secunde erlangte Geſchwindigkeit, zu 31,2649 Fuß ſorgfältiger beſtimmt, als dies beim freien Falle möglich iſt, und gezeigt, daß die Beſchaffenheit der ſchwingenden Maſſe auf die Dauer der Schwingung keinen Einfluß übt, daß alſo die Schwere in gleichen Entfernungen gleichmäßig wirkt. Bei der Ab⸗ nahme der Schwere, d. h. bei der Entfernung von der Erdoberfläche hat man nur das Pendel zu verkürzen und in dieſer Eigenſchaft ein Mittel, die Geſtalt der Erde kennen zu lernen. Bei dieſen Verſuchen wurde die ungegründete Vorausſetzung gemacht, daß wenigſtens gleichweit vom Centrum entfernte Schichten gleiche Dichtigkeit hätten.

3. Dichtigkeit und gewicht. Zur Beſtimmung der Dichtigkeit der Erde hat Beſſel eine Methode vorgeſchlagen, welche in der Beobachtung des Unterſchiedes der Pendellängen beſteht, welche eine iſolirte und genau beſtimmte Maſſe bewirken kann. Dies Verfahren wurde ſpäter dahin abgeändert, daß man die Ablenkung von der ſenkrechten Richtung durch eine ſeitlich befindliche Maſſe beobachtete. Maskelyne und Hutton fanden auf dieſe Weiſe am Berge Shehallion in England die Dichte der Erde gleich 4,7, welches Reſultat auch ein am Cenis angeſtelltes Experiment ergab.

Die Schwierigkeit des Abwägens einer Maſſe, wie Shehallion oder Cenis, und die Möglichkeit ſehr verſchieden dichter Subſtanzen unter der Oberfläche der Erde in der Nähe der Pendelaufſtellung veranlaßten die Betrachtung der Schwingungen gegen eine künſtlich angebrachte Maſſe. Dieſe ſchwie⸗ rigen Verſuche wurden zuerſt von Cavendish mittelſt der Drehwage angeſtellt, indem er von großer Entfernung aus die Schwingungen teleſcopiſch aufnahm. Er fand die Dichtigkeit 5,48, in ſpäterer Zeit Reich 5,44 und zuletzt Baily 5,68, wenn die Dichtigkeit von deſtillirtem Waſſer= 1 geſetzt wird. Kennt man das Volumen und die mittlere Dichte, ſo läßt ſich leicht das Geſammtgewicht der Erde beſtimmen, nach Baily beträgt dasſelbe 13 ½ Quadrillionen Pfund.

Es muß demnach die Erde in ihrem Innern an Dichte zunehmen, eine Hohlkugel von größeren Dimenſionen iſt dort ganz unmöglich und Alles, was mit Scharfſinn darüber combinirt wurde, iſt nur das Gebilde einer leeren Erfindungsgabe.

4. Entfernung von der Sonne. Aus den berühmten Durchgängen der Venus durch die Sonne vom Jahre 1761 und 1769 hat Encke mit großer Sorgfalt und Genauigkeit die Entfernung der Erde von der Sonne ermittelt. Die Parallaxe ¹) nahm er zu 8,57116 und fand die größte Entfernung 21030055 Meilen, die kleinſte 20334825. Die Neigung der Ecliptik beträgt gegenwärtig 23⁰ 27 33,43, nimmt jährlich um 0,5758 ab bis zu 21°, um dann wieder zuzunehmen. Dieſe unumſtößliche Thatſache hat dem vielfachen Gerede der jüngſten Vergangenheit von einem ewigen Frühlinge ein Ende gemacht ²).

1) Wenn man einen Körper unſers Planetenſyſtems von 2 Punkten der Erde aus beobachtet, ſo bilden die Seh⸗ ſtrahlen an jenem Körper einen Winkel, welchen man die tägliche Parallaxe des Geſtirns nennt. Dieſer Winkel aber ent⸗ ſchwindet bei den Fixſternen wegen der ungeheuren Entfernung gänzlich unſerer Wahrnehmung. Man muß hier entgegen⸗ geſetzte Punkte der Erdbahn, alſo eine Diſtanz von mehr als 40 Millionen Meilen nehmen, um eine Parallaxe zu finden. Dieſe heißt deshalb die jährliche Parallaxe.

2) Durch dieſe gründlichen Arbeiten ſind die aſtronomiſchen Beziehungen der Erde zum Weltall auf einen ſo hohen Grad der Vollendung gebracht, daß der Aſtronom himmliſche Erſcheinungen auf Jahre, ja auf Jahrhunderte und Jahr⸗